Gorillaz - Demon Days - Cover
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Gorillaz Demon Days


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Sind wir die letzten lebenden Seelen? Dass diese Frage unbedingt eine Comicfigur stellen muss, gehört wohl zum Humor von Damon Albarn, der nun zum zweiten Mal seine Spielfreude an komisch-aussehenden Comicfiguren auslebt.

Damons Hauptjob ist Kopf der BritPopper von Blur zu sein. Doch seit Gitarrist Graham Coxon ausgestiegen ist, hat Albarn durch Solo-Ideen („Democrazy“), Ausflüge in die afrikanische Musik („Mali Music“) und dem siebten Blur-Album „Think Tank“ irgendwie seinen Grund verloren - wären da nicht die fiktiven Affen. Würde jemand einen Preis für das originellste Bandprojekt ausschreiben, Damon Albarn wäre mit Sicherheit nominiert. Zusammen mit dem „Tank Girl“-Zeichner Jamie Hewlett hat er 1999 das Quartett „Gorillaz“ entworfen, bestehend aus Murdoc (Hewlett), 2-D (Albarn), Russell (Del Tha Funky Homosapien) und Noodle (Miho Hatori). Der erste Hit, „Clint Eastwood“ verfolgte jeden in den ersten Sommerwochen 2001 und das selbstbetitelte Debütalbum war ein solcher Erfolg (über 6,5 Millionen verkaufte Exemplare weltweit), dass 2002 das Semi-Remix-Album „G-Side“ nachgeschoben wurde.

Erstaunlich, dass sich die Gorillaz soviel Zeit für einen Nachfolger gelassen haben. Aber langweilig war es bis dahin nie. Die Wochen und Monate zuvor waren erfüllt mit vielen Gerüchten um die Cartoons. Sogar Steven Spielberg sei an einem Spielfilm interessiert, hieß es. Was daraus geworden ist, wissen wir nicht. Dafür steht jetzt das neue Album in den Läden. Mit „Demon Days“ lebt Damon Albarn nicht nur sein Faible für Alliterationen aus. Auch die elektronischen Soundspielereien sind wieder massenhaft vertreten, dass der Hörer schon mal den Überblick verlieren kann. Liegt es vielleicht am Produzenten? Denn mit DJ Danger Mouse wurde der Mann verpflichtet, der die Musikszene im vergangenen Jahr mit seinem „Grey Album“ in helle Aufruhr versetzte, als er Songs der Beatles und des Rappers Jay-Z zusammenmischte und damit eine ganz neue Dimension des Bastard-Pop ins Leben rief.

Bereits das erste Lied nach dem „Intro“ präsentiert wieder jene Synthesizer-Klänge, die so sehr an TV-Comics erinnern. Mit der dazugehörenden Harmonie-Fläche und dem gut eingebauten Akustik-Gitarren-Teil wird der Geist der Combo zurück in die Wohnzimmer gebracht. Es ist also fast wie damals. Bei den Gorillaz muss der Hörer von vornherein auf Ungewöhnliches eingestellt sein. Das ändern auch „Last living souls“ und „Dirty Harry“ nicht. Letzteres verblüfft zwar zu Beginn mit Streichern und einem gut intonierten Kinderchor, der zu einem chromatisch-laufenden Bass singt, doch nach zwei Minuten übernimmt ein HipHop-Part das Geschehen und es ist alles wie gewohnt. Sprich: Auch hier lugt wieder eine gute Portion „Clint Eastwood“ heraus. Eigentlich verwunderlich, dass der Oscar-Gewinner nicht mitsingt, wo sich doch auch Neneh Cherry („Kids with guns“), Roots Manuva („All alone“) und Dennis Hopper („Fire coming out of monkeys head“) die Mikros weiterreichen. Auf der ersten Single „Feel good inc“ rappen fast schon standardmäßig die Jungs von De La Soul mit und Albarn dröhnt wie gewohnt mit seinem ausdrucksstarken Gesang, den man an Blur-Balladen wie „No distance left to run“ so sehr schätzen gelernt hat.

Im Prinzip ist „Demon Days“ genauso geworden, wie man es erwarteten konnte. Es gibt keine Überraschungen, weil es Überraschungen gibt. Und wie schon auf dem Debüt gelingt es den Gorillaz und DJ Danger Mouse nicht, dem Sound- und Ideen-Overkill Herr zu werden. Die daraus resultierende Konfusion ist der Grund, weshalb „Demon Days“ streckenweise so enttäuscht. Dabei zeigen Tracks wie „Don’t get lost in heaven“ und „Demon days“ ganz klar, dass die Jungs den Dreh eigentlich raus haben. Beide Stücke sind Paradebeispiele für durchkomponierte Songstrukturen, die nahtlos ineinander übergehen, aber konträrer nicht sein könnten. Davon hätte es auf dem Album mehr gebraucht.

Anspieltipps:

  • Demon Days
  • Last Living Souls
  • Don’t get lost in heaven
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Jellies
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