James LaBrie - Elements Of Persuasion - Cover
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James LaBrie Elements Of Persuasion


  • Label: InsideOut/SPV
  • Laufzeit: 67 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gelingt James LaBrie mit Bravour zu den herausragendsten Outputs seiner Stammband aufzuschließen, wenngleich er sie nicht zu übertreffen vermag.

James LaBrie lieferte bei seiner Stammband schon immer Sangesdarbietungen schwankender Qualität ab. Zuweilen ist sein Gekrächze gar unerträglich. Vor Allem live. Wer’s nicht glaubt, kann sich davon auf dem aktuellen Live-Album „Live at Budokan“ selbst überzeugen. Nur wenn seine Stimme an die Musik angepasst ist, LaBrie beispielsweise nicht in zu hohen Tonlagen singen muss, kann sie wirklich überzeugen. Hin und wieder überrascht der Dream Theater – Fronter so gar mit außergewöhnlichen Leistungen. So hat er auf „Ayreon - The human equation“ viele Kritiker Lügen gestraft. Leider hat LaBrie beim Songwriting seiner Haus –und Hofkapelle aber nicht allzu viel zu melden, was angesichts der teils wunderschönen Melodiebögen auf „Elements of Persuasion“ überrascht. In der Tat präsentiert sich der Sänger hier als talentierter Songwriter, der deutlich mehr Wert auf Eingängigkeit legt als seine Kollegen bei Dream Theater.

LaBrie ist als Solokünstler bereits seit 1999 tätig. Anfangs veröffentlichte er seine Alben unter dem Pseudonym Mullmuzzler, was wohl einer der Gründe war, weshalb der Rezensent davon bisher keine Kenntnis hatte. Das aktuelle Werk erschien nun erstmals unter seinem richtigen Namen. Auf „Elements of Persuasion“ finden sich aber mitnichten harmlose Popsongs, die LaBries Stimme besser zur Geltung bringen. Ganz im Gegenteil. Die Platte überrascht nicht nur mit knallhartem Prog-Metal sondern auch mit einer gehörigen Portion Mut zum Experimentieren. Es wäre müßig, einzelne Songs zu besprechen. Denn mit Ausnahme von „Lost“, „Smashed“ und „Slightly out of reach“ sind das fast alle mal mehr, mal weniger brachial nach vorne peitschende Metalsongs mit sehr tief drückenden Gitarren. Unter all diesen stechen aber das New-Metal-artige und mit elektronischen Spielereien angereicherte „Alone“, das fiese „Freaks“ (so abartig hat man LaBrie garantiert noch nicht singen gehört) sowie der opulente Abschluss „Drained“ hervor.

Besonders erwähnenswert sind die bereits angesprochenen (Halb-)Balladen. Vor Allem „Lost“ und „Slightly out of reach“, die sich deutlich von den anderen Liedern abheben. Gerade „Lost“ (aber auch „Smashed“) könnte als Paradebeispiel dafür herhalten, wie ein Lied sein muss, damit LaBrie seine Stimme optimal zur Geltung bringen kann. Losgelöstes Drumming sowie warmer Gesang zeichnen den Song aus und setzen ihn zusammen mit der wunderschönen Ballade „Slightly out of reach“, die so gut kommt, dass sie auf dem Dream-Theater-Meisterwerk „Images and Words“ einer der besten Songs gewesen wäre, an die Spitze der besten Songs des Albums.

Es gelingt James LaBrie mit Bravour zu den herausragendsten Outputs seiner Stammband aufzuschließen, wenngleich er sie nicht zu übertreffen vermag. Wer mit Dream Theater in erster Linie Vertracktheit und möglichst komplizierte Songstrukturen verbindet, sollte sich den Kauf überlegen, denn LaBrie geht deutlich geradliniger zu Sache. Ein außergewöhnlich überraschendes Album von einem überraschenderweise unterschätzten Musiker. „Elements of Persuasion“ ist sehr viel mehr als nur der Lückenfüller zum im Juni erscheinenden neuen Dream-Theater-Album. Vielmehr versüßt es die Wartezeit enorm.

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