Reeves Gabrels - Rockonica - Cover
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Reeves Gabrels Rockonica


  • Label: Favored Nations/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt den legendären Ausspruch von Prince: „When I want Sax, I call Candy!“. Damit meint der Rockzwerg, dass er sich immer dann die niederländische Saxophonistin Candy Dulfer ins Studio einlädt, wenn er ein Saxophon für einen Song benötigt. Um die Weißheiten des Rock ‘N’ Roll weiterzuspinnen, könnte man den Spruch auch in „When we want Guitar, we call Reeves!“ ummünzen. Gemeint ist Reeves Gabrels, einer der gefragtesten Rockgitarristen der letzten 15 Jahre.

Berühmt wurde Reeves Gabrels als langjähriger Gitarrist, Songschreiber und Produzent von David Bowie. Zuvor spielte er mit dem „Thin White Duke“ und den Gebrüdern Tony und Hunt Sales in der Experimental-Rockband Tin Machine, die zwischen 1989 und 1992 zwei Studioalben und eine Live-CD veröffentlichte. Nach dem Ende von Tin Machine war Gabrels an den Bowie-Werken „Black Tie White Noise“ (1993), „Outside“ (1995), „Earthling“ (1997) und „Hous“ (1999) beteiligt. Darüber hinaus komponierte er diverse Soundtracks und wurde von Sister Machine Gun, The Mission, The Cure, Public Enemy, Dave Navarro, The Rolling Stones, Mick Jagger, Natalie Imbruglia, Alicia’s Attic und Ozzy Osbourne ins Studio eingeladen. Solo brachte der Mann aus Boston, USA das Album „The Sacred Squall Of Now“ (1995) mit den Gaststars Gary Oldman, Frank Black und David Bowie, sowie das Internet-Only-Projekt „Ulysses“ (1999) heraus.

Mit „Rockonica“ steht jetzt das zweite „echte“ Soloalbum des Gitarristen in den Läden, das Gabrels nicht nur als exzellenten Gitarristen ausweist, sondern auch sein Talent als Songschreiber und recht passablen Sänger belegt. Sein Debüt auf dem Steve-Vai-Label Favored Nations beinhaltet zehn gut abgehangene Rocksongs zwischen gradlinigem, 70s inspiriertem Groove-Rock („Sign from god“), stampfendem Bluesrock („Underneath“, „The conversation“), netten Instrumentals („13th hour“), psychedelisch angehauchten Soundteppichen („Anywhere (she is)“) und versponnenem Prog-Rock („Long day“).

Wie es sich für das Soloalbum eines Gitarristen gehört, wartet Reeves Gabrels selbstredend mit einigen Schmankerl auf der Axt auf: Coole Riffs, heiße Licks und stürmische Soli drängen die Rhythmusmannschaft um Paul Ill (Bass), Brock Avery (Drums) und Donnach O’Donnell (Rhythmusgitarre) dabei ein ums andere Mal in den Hintergrund. Dennoch nervt Gabrels seine Hörer nicht mit endlosen Frickeleien und ermüdenden Instrumentalliedern, in denen im Prinzip nichts passiert. „Rockonica“ kommt in den meisten Fällen kurz und knackig auf den Punkt, ohne auf virtuose Spielereien zu verzichten. Die Songzusammenstellung ist sehr ausgewogen und durchweg rockig. Ein gefundenes Fressen nicht nur für alte Tin-Machine-Fans, sondern auch für David-Bowie-Anhänger.

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