Susan Weinert Band - Running Out Of Time - Cover
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Susan Weinert Band Running Out Of Time


  • Label: Tough Tone Records/EDEL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie ist eines der deutschen Aushängeschilder in Sachen Fusion, Rock und Jazz. Gerade international hat sie sich über viele Jahre einen perfekten Ruf erspielt: Susan Weinert – Gitarristin, Keyboarderin und Komponistin. Seit Gründung der Susan Weinert Band (1985) arbeitet das außergewöhnliche Trio unermüdlich an seiner musikalischen Sprache. 1992 landete die Band mit ihrem Debütwerk „Mysterious Stones“ auf Anhieb einen Volltreffer, der bis heute nachwirkt. Sicherlich ist der Bekanntheitsgrad der Formation auch auf die regen Touraktionen zurückzuführen. Viele tausend Kilometer liegen bereits hinter der Susan Weinert Band, darunter Konzerte in ganz Europa und Übersee.

Veränderung tut Not – Experiment geglückt! Nach knapp 20 Jahren im Geschäft, war es langsam an der Zeit und sicherlich auch ein lang gehegter Wunsch, eine Produktion abzuliefern, die sich im wesentlichen auf vokale Songs stützt. Bis dato boten die sechs Alben der Band – Susan Weinert (Gitarre, Keyboards), Martin Weinert (Bass) und Hardy Fischötter (Drums) – eine kompakte Mischung aus Jazz, Rock und Fusion. Hier und da sicherlich mal ein vokaler Ausflug, doch das Hauptaugenmerk lag essentiell im akustischen Bereich. Die Schülerin von Mike Stern und John Abercrombie ist eine Gegnerin von Einheitsware von der Stange. Sie und ihre Mannen spielen mit den unbegrenzten Möglichkeiten ihrer Instrumente und zaubern immer wieder abwechslungsreiche Songkreationen auf den Plattenteller.

„Running Out Of Time“ lässt die komplette Palette ihres kreativen und phantasievollen Schaffens erklingen. Der neu in den Bund des Trios gerutscht vierte Mann, Vokalist Francesco Cottone, kleidet mit ausdrucksstarker Stimme und verspielten Improvisationen das aktuelle Album in ein frisches und sehr überraschendes Kostüm. Ein für die Susan Weinert Band durchaus spannender Flug in eine neue Dimension. Bereits die ersten Takte lassen erahnen, dass sich die Vier bis ins kleinste Detail mit den neuen Songs auseinander gesetzt haben. Perfektionismus hoch zehn, Erfindungsreichtum hoch zwanzig, Abwechslung hoch dreißig. Das komplette Werk ist durchkomponiert und ausarrangiert bis zum Höhepunkt. Sphärische Klangstrukturen, präzise Gitarrensoli, perfekt getimtes Schlagzeug, treibender, charakteristischer Bass, plus experimentierfreudiger Gesang. Die Aussagekraft der Songs erinnert an Art-Rock-Bands vergangener Tage wie Genesis (mit Peter Gabriel) und Marillion (mit Fish), etwas David Bowie, etwas Steely Dan, etwas Sting. Fusion und Rock perfekt vereint „Change“, mit einer feinen Brise Jazz gewürzt „Running Out Of Time“ und zusammen finessenreich gemixt „They Only Come Out At Night“.

Gerade der Rookie im Profigeschäft Francesco Cottone lässt nichts anbrennen. Er verpasst den Songs mit seinen Gesangsinterpretationen den richtigen Schliff. Ausdrucksstark, kraftvoll, galant und bildreich legt sich seine Stimme auf jede einzelne Note. Charakterstark, aber auch mal abgefahren und balladesk, wie das mit Vocal-Overdubs angereicherte ruhige Stück „Sooner“. Angesprochen auf die Stimmungslage, die sich nach hören des Albums „Running Out Of Time“ einstellt, wird der ein oder andere sicherlich erst einmal durchpusten bevor klare Gedanken wieder Boden unter die Füße bekommen. Dann wird er oder sie bestimmt von Kopfmusik sprechen, also von Songs, mit denen man sich einfach beschäftigen muss. Stücke, die sich nicht ohne weiteres im Hirn festsetzen. Das mag der richtige Ansatz sein. „Running Out Of Time“ ist definitiv Geschmackssache. Doch jeder, der ein Faible für Fusion, Jazz und Art-Rock hat, wird begeistert sein.

Anspieltipps:

  • Change
  • Darkness
  • What A Night
  • They Only Come Out At Night
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