Extrabreit - Frieden - Cover
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Extrabreit Frieden


  • Label: Ulftone/EDEL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wir sind dein schlimmster Alptraum und deine schärfste Fantasie“: Extrabreit, die bösen Buben der Neuen Deutschen Welle, sind zurück! Sieben Jahre nach dem letzten Studioalbum „Amen“ (1998) und ein Vierteljahrhundert nach ihrer Debütsingle „Hart wie Marmelade“ (1980) kehren Kai Havaii (Vocals), Stefan Kleinkrieg (Gitarre), Rolf Möller (Drums), Bubi Hönig (Gitarre) und Lars Larsson (Bass) mit ihrer neuen CD „Frieden“ zurück ins Musikbusiness.

Wie viele andere zu dieser Zeit, profitierten Extrabreit Anfang der 80er Jahre vom Sog der Neuen Deutschen Welle. Allerdings zählte die Band aus dem Ruhrgebiet nie zur Gattung alberner Spaßkapellen wie Geier Sturzflug, Markus und Hubert Kah, sondern eher zu einer Punk-orientierten Rockband, was durch Songs der Marke „Polizisten“ und „Hurra, hurra, die Schule brennt“ unterstrichen wurde. Allerdings erging es Extrabreit auch nicht anders, als den allermeisten „NDW“-Vertretern. Mit dem Nachlassen des Hypes gingen auch die Verkaufszahlen zurück und bis auf eine überschaubare Fangemeinde interessierte sich niemand mehr für die Musik.

Nachdem die Hagener vier Jahre von der Bildfläche verschwunden waren, feierten sie 2002 ihr Live-Comeback mit 80 umjubelten Konzerten. Danach wurde zwischen Mai 2004 und Januar 2005 im Studio „Chefsache“ in Köln das neue Album aufgenommen, das Mitte April auf den Markt kommt. Pünktlich zu ihrer Silberhochzeit servieren die fünf Herren im gesetzten Alter nun also 13 neue Songs, auf die eigentlich keiner gewartet hat, bis auf die handvoll Fans der Breiten aus Hagen. Der neue Longplayer heißt „Frieden“, weil „... kaum ein Wort so positiv besetzt ist, aber kaum ein anderes auch so gebetsmühlenhaft abgespult und propagandistisch missbraucht wird – und sei es, um den Krieg zu verkaufen. Ein Widerspruch, der sich auf dem Cover wiederfindet und auch im Kontrast zwischen Albumtitel und der Ausstrahlung der Songs“.

Seinen Frieden hat der Rezensent mit der Platte allerdings nicht gefunden, denn die Jungs präsentieren ihren mitunter etwas peinlichen Altherrenrock („Männer ohne gleichen“) auf musikalisch simpelstem Niveau, mit einem Kai Havaii am Mikro, der seine beste Zeit lange hinter sich hat. Und so sitzt der Rezensent fassungslos vor der Musikanlage und verflucht seinen Job, als er sich ein ums andere Mal durch Stücke wie „Neues Spiel“ (leiernder Rotz-Rock gepaart mit schnöden Altersweisheiten), „Ewig singt die Balalaika“ (schlapper Party-Rock zum Mitgrölen) und „Nummer 17“ (langweilige „NDW“-Reinkarnation) durchhören darf/muss. Positive Ausnahmen sind leider äußerst rar gesät. Interessant wird es z.B. immer dann, wenn Extrabreit die ausgetrampelten Rockpfade verlassen und etwas experimenteller zur Sache gehen. So überrascht „(K)ein Traum“ mit elektronischen Klängen zwischen Trance und Drum & Bass und „Dies & das & jenes“ als feinfühlige Ballade mit tollem Trompetensolo und eingängigen Na-na-na-Refrain. Nicht wirklich anspruchsvoll, aber schön. Na ja, und klassische Sing Alongs wie „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“ und „Schönes Lied“ können auch nicht schaden. Deshalb ist es besonders schade, dass das Album die Qualität dieser drei, vier Stücke nicht bestätigen kann und die meiste Zeit vor sich hin dümpelt.

Anspieltipps:

  • Ahoi!
  • Schönes Lied
  • (K)ein Traum
  • Dies & das & jenes
  • Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt
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