The White Stripes - Get Behind Me Satan - Cover
Große Ansicht

The White Stripes Get Behind Me Satan


  • Label: XL Recordings/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der erste Anwärter auf den coolsten Albumtitel des Jahres steht fest: Die White Stripes! Das mittlerweile fünfte Album von Meg und Jack White (ob die beiden nun Geschwister oder ein Ehepaar sind, bleibt auch weiterhin ungeklärt) hört auf den zum Schreien komischen Namen „Get Behind Me Satan“, was jede Menge Interpretationsmöglichkeiten bietet. Befragen kann man die beiden dazu leider nicht, da sie zur neuen CD keinerlei Interviews geben. Also lassen wir dem Detroiter Duo seine Ruhe und befassen uns mit dem neuen Longplayer – ganz so, wie es die Künstler wünschen...

Mit dem Vorgänger „Elephant“ (2003) feierten die White Stripes ihren internationalen Durchbruch und landeten sogar ein paar Indie-Hitsingles. Doch wer jetzt gedacht hätte, dass es sich die Whites mit dem Nachfolger leicht machen und den Erfolgssound mal eben kopieren würden, siehst sich mit „Get Behind Me Satan“ einer echten Überraschung ausgesetzt. Aus dem genial dilettantischen Rumpelsound mit ordentlich Verstärkerrauschen und schrägen Gitarrensoli ist eine wohldurchdachte Einspielung geworden, die, obwohl in nur zehn Tagen über die Bühne gegangen, nach einer richtigen Studio-Produktion klingt. Aufgenommen im bandeigenen „Third Man Studio“ in Detroit, legen Meg und Jack 13 neue Tracks vor, auf denen – oh Schreck! – nur noch in drei Songs eine krachende E-Gitarre zu vernehmen ist. Das Groß der Stücke wird dagegen von Marimba, Piano und haufenweise Percussion (Glöckchen, Triangel, Tamburine und Türklingeln) dominiert, was die Anhänger von „White Blood Cells“ (2002) natürlich erst mal schwer schlucken lässt.

Doch gemach! Mit dem Opener „Blue orchid“ legt das Duo die Messlatte gleich ganz weit nach oben, indem es auf kongeniale Weise den Gitarrensound von AC/DC mit den Falsett-Vocals von Prince kombiniert. Da werden sich The Darkness aber ganz schön in den Hintern beißen. Im dissonanten Klanggerüst von „The nurse” wirken die Gitarrsensalven vergleichsweise wie aus Versehen abgefeuert. Bei „My doorbell“ lässt Meg die Tamburine wie Weiland Helge Schneider in „Es gibt Reis, Baby!” rasseln und die Bassdrum bollert wie ein getretener Pappkarton, während Jack eine Art Halb-Rap abliefert, was unterm Strich vielleicht etwas zu skizzenhaft wirkt. Echte Kompositionskunst versprühen dagegen „Forever for her (is over for me)“, „The denial twist“ und „Little ghost“, einem hinreißenden Country-Gospel-Tune zum gepflegten Mitsingen. Dafür werden die White Stripes geliebt.

Der „Instinct blues“ zeichnet sich durch formidable Gitarrenarbeit aus. Der Song ist ein amtlicher krachender Blues, zu dem Jack White wie ein angeschossener Köter winselt. Der Übergang zum einzigen von Meg gesungenen Stück („Passive manipulation“) ist allerdings nicht so glücklich. Dafür ist das Track aber auch nur 35 Sekunden (!) lang. Doch als Entschädigung holt Jack White in „Take, take, take“ und „Red rain“ wieder den Blues-Hammer raus. Es geht doch! Dem ungeachtet gilt am Ende aber festzuhalten, dass „Get Behind Me Satan“ lediglich ein gutes und ganz gewiss kein herausragendes Album ist. Der geniale Wahnsinn einer „White Blood Cells“-CD fehlt nämlich ebenso wie die wunderbaren Melodien auf „Elephant“. Doch wir wollen noch mal gnädig sein mit dem Duo, das uns so viele Mörderriffs geschenkt hat.

Anspieltipps:

  • Little ghost
  • Blue orchid
  • Instinct blues
  • The denial twist
  • Forever for her (is over for me)
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „The White Stripes“
comments powered by Disqus