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Lyambiko Lyambiko


  • Label: Classical/SonyBMG
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir warten auf die Vier. Solange schwelgen wir in Melancholie mit der Drei. Und wer weiß, vielleicht werden wir ja erhört und mit tollen Eigenkompositionen überrascht.

Seit einiger Zeit werden Jazzsängerinnen wieder besonders hoch gehandelt. Konkurrenz belebt das Geschäft. Eine, die sich ebenfalls eine Ecke des Kuchens abbeißen möchte, stammt aus Thüringen. Ihre Eltern: ein tansanischer Amateurmusiker und eine Deutsche. Ihr Name: Lyambiko. Ihr Fable: Jazzmusik.

Seit rund fünf Jahren singt und lebt Lyambiko den Jazz. Bereits 2001, nach ihrem Debüt im Berliner „Atalante“, lag ihr das Publikum zu Füßen. Ihre ersten Alben, „Out Of This Mood“ (2002) und „Shades Of Delight“ (2003) platzierten sich erstklassig im oberen Drittel der deutschen Jazzcharts. Doch nicht nur national feierte Lyambiko große Erfolge, auch international wickelte sie mit ihrer Stimme und ihren Jazzinterpretationen so manchen Liebhaber um den Finger. Selbst vor New York und Bosten schreckte sie nicht zurück. Das Geheimnis ihres Erfolgs: Nicht nur ihre optische Ausstrahlung. Dies wäre im Jazz-Showbiz auch nicht ausreichend. Was Lyambiko auszeichnet, ist ihre mal samtweiche, mal kraftvolle Stimme. Ihre Coolness, sich den Jazz-Standards zu widmen und diese in ein bildreiches Gewand zu kleiden, hat Charme. Sie trifft mit ihren Interpretationen den Nerv einer breiten Hörerschaft. Sie verkörpert die Dramatik einer Billie Holiday, versprüht die Erotik einer Julie London und akzentuiert wie eine Nina Simone. Lyambiko verkörpert die Ausdrucksweise dieser drei Ausnahme-Jazzerinnen auf besondere Art. Eine Gabe, die man nutzen sollte.

Aber müssen es immer wieder Standards sein? Diesmal zum Dritten? Gibt es denn auf Gottes Erden keinen mehr, der seinen eigenen Kram komponiert und produziert? Sicher, Ausnahmen bestätigen die Regel, doch sind diese gesucht. Einer Lyambiko würde eigenes Songmaterial sehr gut zu Gesicht stehen. Aber nicht nur ihr. So heißt es abwarten und sich mit dem begnügen, was die Plattenindustrie so auf den Markt wirft. Im Moment eben Lyambiko.

Was sie singt und interpretiert hat Qualität, keine Frage. In Ihrer Stimme liegt Melancholie. Leicht wie eine Feder schwebt sie von Note zu Note. Mal ein Bossa Nova („You go to my head“, „Shiny stockings“), mal eine klassisch angehauchte Ballade („April in Paris“), mal traditionelles Jazzliedgut („The nearness of you“), mal Samba („Summer Samba“), mal Swing („Love me or leave me“). Entspannende Rhythmen, zu denen Lyambiko auf Englisch und Spanisch Akzente setzt. Dies mag manch einem auf Dauer zu ermüdend erscheinen. Und sicherlich fehlt es an einigen Stellen auch etwas an Pepp. Wer jedoch eher schwermütig durch die Welt geht, wird enthusiastisch dahinfließen, denn Lyambiko hat Gefühl und Ausdrucksstärke. Ihre Stimme ist samtig und balladesk. Manch einer wird sie dafür lieben, mancher wird sie langweilig finden. Geschmacksache eben. Fazit: Wir warten auf die Vier. Solange schwelgen wir in Melancholie mit der Drei. Und wer weiß, vielleicht werden wir ja erhört und mit tollen Eigenkompositionen überrascht.

Anspieltipps:

  • You Go To My Head
  • The Nearness Of You
  • Love Me Or Leave Me
  • It Could Happen To You
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