Sarah Slean - Day One - Cover
Große Ansicht

Sarah Slean Day One


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
4.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Selten ist der hier zu lesende Musikautor/-fan zu beeindrucken und zu erstaunen. Dennoch gelang es dem deutschen „Rolling Stone“ auf Seite 23, als er, der Leser, beim Durchblättern die Sängerin Sarah Slean sah und die Zeitschrift aus lauter Schreck kaufte. Ein netter, kleiner Artikel, wie beurteilt wurde, und ein total schönes Foto, das man am liebsten nie vergessen möchte. Doch es geschah und so war es erneut erschreckend, als in einigen Internet-Foren der Name erneut auftauchte. Recherchen darauf haben dann ergeben: Das Album „Day One“ erschien am 4. April - das kann doch gar nicht sein. Erst nach minutenlanger Verwunderung fällt es dem Bewunderer wieder ein: Er hat das Album seit einem halben Jahr im CD-Schrank stehen, weil er es damals auf dem Ron-Sexsmith-Konzert war, mit Sarah Slean als Supportact. Und er war von der Dame so beeindruckt und in sie so verknallt, dass er sich ausnahmsweise kein Sexsmith-T-Shirt kaufte, sondern die Sarah-Slean-CD, nur um sie eine halbe Stunde später herauszufinden, dass sie einfach nicht gut ist.

Die Performance im Herbst 2004 im Hamburger Knust war geprägt von Intimität und Ästhetik. Elegant stricht die Waldfee über ihr Keyboard, eindringlich bewegte sie sich zu ihrer Musik und sang ihre Texte, wie es anscheinend noch nie jemand zuvor gemacht hat. Es war das Gefühl, den Anfang etwas neuen Großen erleben zu dürfen. Und da machten auch die kaputten CD-Hüllen beim Kauf nichts und dass man dafür Sexsmith an der Bar sitzen gelassen hat. Doch auf der CD „Day One“, ihre zweite, wirkt das alles nach dem gradlinigsten Radiomix, den man auch nur irgendwie anfertigen konnte. Sarah Sleans Hauptinstrument ist das Klavier, auf dem sie schöne Melodien und Harmonien zu ihren Songs spielen kann. Warum das Klavier manchmal gar nicht mehr auftaucht („Pilgrim“), manchmal stark in den Hintergrund gemischt wurde („Out In The Park“), wissen hoffentlich die Produzenten, tun sich und Sarah aber keinen Gefallen damit. Stattdessen erschlagen uns Gitarren und Schlagzeug („Lucky Me“) und verschlingen durch „den besten Mix (...) von heute“ den klugen Text der Kanadierin. Auch die programmierten Drums und die pathetischen Streicher in „California“ wirken vollkommen deplaziert und erst im Titelsong hat man überhaupt das Gefühl mal etwas von der Genialität des Debütalbum, Night Bugs, zu spüren. Auch das nachfolgende „Vertigo“ berührt den Zuhörer an Stellen, an die er nach den ersten Liedern schon gar nicht mehr gedacht hätte.

Einzig und allein das Artwork des Booklets weiß von vorne bis hinten zu überzeugen. Gemalt von der Künstlerin selbst, danach möchte man nicht nur ihre Konzerte besuchen, sondern auch Ausstellungen und nach der Versöhnung möchte man Sarah Slean am liebsten wieder mit nach hause nehmen: „Your Wish Is My Wish“, nur Sarahs Gesang und ihr Klavierspiel und bei einem Lied hat man endlich doch mal alles richtig gemacht. Nach dem etwas verwirrenden, aber trotzdem schönen „Wake Up“, auf dem sie auch noch Gitarre spielt, entfallet sich nun doch noch ihr musikalisches Gespür und man wünscht sich das dritte Album wie die letzten beiden Lieder, oder gleich ein Live-Album! Sarah Slean wollte mit „Day One“ vermutlich ein gelungenes Popalbum machen, nur leider macht sie selber keine Popmusik.

Anspieltipps:

  • Vertigo
  • Day One
  • Wake Up
  • Your Wish Is My Wish
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Sarah Slean“
comments powered by Disqus