Il Divo - Il Divo - Cover
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Il Divo Il Divo


  • Label: Ariola/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer bisher glaubte, dass lediglich Boy- und Girlgroups gecastet werden, um in der Teenie-Zielgruppe abzuräumen, wird jetzt eines Besseren belehrt. Mit Il Divo steht eine vierköpfige Klassik-Crossover-Formation am Start, die im Ausland bereits für mächtig Furore gesorgt hat. Überall, wo das selbstbetitelte Debütalbum veröffentlicht wurde, hagelte es Top-Platzierungen in den Charts und Platin-Auszeichnungen für massenhaft verkaufte CDs.

Für Il Divo (italienisch für „männliche Diva“) wurden zwischen 2001 und 2003 weltweit vier Schönlinge mit klassischer Gesangsausbildung gesucht, die in der Lage sein müssen, die Technik und Virtuosität des Operngesangs mit bekannten Popsongs, inklusive Orchesterbegleitung zu kombinieren. Einziges Ziel: Die Hitparaden aufzurollen, wie es bereits „The Three Tenors“ (Luciano Pavarotti, Plácido Domingo und José Carreras) mit ihren CDs zu den Fußball Weltmeisterschaften 1990, 1994 und 1998 getan haben.

Die Auserwählten für das Il-Divo-Projekt sind David Miller aus den USA, Sebastien Izambard aus Frankreich, Carlos Marin aus Spanien und Urs Bühler aus der Schweiz. Neben gemeinsamen, mehrstimmigen Chören, singt jeder abwechselnd die Hauptstimme zu spanischen, englischen und italienischen Texten, wobei sehr großer Wert auf Coverversionen gelegt wurde, die möglichst viele kennen. So gibt es ein Wiederhören mit „Unbreak my heart“ von Toni Braxton („Regressa a mi“), „Gabriel’s oboe“ („Nella fantasia“, Ennio Morricone) und „My way“ („A mi manera“, Frank Sinatra). Aufgenommen wurden die 12 Songs für „Il Divo“ in der ersten Jahreshälfte 2004 in London. In England konnte das Quartett bis dato auch die größten Erfolge feiern. In einem Vierteljahr gingen immerhin mehr als 1,2 Mio. CDs über die Ladentische.

Dennoch muss sich der geneigte Klassik-Pop-Fan im Klaren darüber sein, dass hier Schmalz in geballter Form aufgefahren wird, der alles bisher da gewesene in den Schatten stellt. Ganz gezielt wurden ausschließlich romantische Titel mit dem Thema „Liebe“ ausgewählt, zu denen sich ganz bestimmt neue Rekorde in rhythmischer Bettgymnastik aufstellen lassen. Hauptsache man wird nicht gezwungen, die ganze Zeit genau hinzuhören. Ansonsten würde nämlich auffallen, dass selbst Songs wie „Unbreak my heart“, die schon im Original stattliche Schmachtfetzen darstellen, die letzte Portion Soul ausgetrieben wird. Und wer braucht heute noch eine seelenlose „My way“-Version von schnöseligen Tenören, wenn das Original eh unerreicht bleibt?

Bei aller wohl kalkulierter Romantik dominiert der stimmliche Bombast auf „Il Divo“. Dieser wird mit reichlich Orchestermusik zugespachtelt – fertig ist das hausfrauentaugliche Klassik-Pop-Album. Deshalb ist „Il Divo“ reine Geschmackssache, bei der keine Rezension der Welt hilft. Deshalb werden wir die vier Herren garantiert schon bald in den deutschen Top 10 wiedersehen. Spätestens nach ihrem Auftritt bei „Wetten dass…?“, der parallel zur Veröffentlichung des Albums stattfindet. Mir kommen die Tränen: Es geht doch nichts über gecastete Künstler, perfekte Konzepte und unschlagbares Timing. Sagt mir einfach, wenn’s vorbei ist…

Anspieltipps:

  • Ti amerò
  • Nella fantasia
  • The man you love
  • Everytime I look at you
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