Vitalic - OK Cowboy - Cover
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Vitalic OK Cowboy


  • Label: PIAS Recordings/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir schreiben das Jahr 2001. Es ist ein früher Sonntagmorgen im Sommer und du kommst ausgelaugt aus dem Tanztempel in der Big City. Du und deine Gang sind wieder mächtig steil gegangen zu den angesagtesten Floor Fillern in Town. Noch immer hämmern dir die Beats im Schädel und die krassen Melodien wollen so gar nicht dein Kleinhirn verlassen. Leider hast du keine Ahnung, von wem diese abgefahrenen Edel-Techno-Sounds stammen. Als du den total abgespacten DJ gegen die Wall of Sound anbrülltest, was denn das sei, womit er die Zappelbude so derbe rockte, hast du irgendwie „You prefer cocaine“ verstanden. Na ja, wahrscheinlich hatte der plattendrehende Wintersportfanatiker wieder mal zu sehr am Tisch gerochen.

Dennoch schaust du Zuhause noch schnell bei Google nach, bevor du für den Rest des Tages eine ausgedehnte Chill Out Session anberaumst. Und siehe da! Die scratchende Koksnase hat dich auf die richtige Fährte gebracht. Dein PC spuckt den Namen Vitalic aus und die aufgeweckten Jungs von Amazon legen dir gleich eine fesche Scheibe namens „Poney EP“ ans Herz. Super. Gleich morgen wirst du aufbrechen und dir diesen 12-Inch-Burner besorgen. Vielleicht gibt es ja auch ein Album. Mal sehen…

Pech gehabt. Das Vitalic Debütalbum „OK Cowboy“ kannst du erst jetzt kaufen, vier Jahre nach der bahnbrechenden „Pony EP“, die sich zur absoluten Dancefloor-Hymne entwickelte und bei keinem DJ im Repertoire fehlen darf. Hinter dem Pseudonym Vitalic verbirgt sich der 28-jähriger Franzose Pascal Arbez-Nichols, der seine ersten Dancefloor-Spuren unter dem Namen Alias Dima hinterließ. Drei Jahre arbeitete er in seinem Homestudio an „OK Cowboy“. Jeden Vormittag ein paar Stunden, bis er 13 brauchbare Tracks für das Album zusammen hatte. Die Instrumente, die Vitalic auf „OK Cowboy“ benutzt, sind alle unecht, insofern als dass er sie akribisch genau über seinen Synthesizer nachbaut. Wenn es also auf „La rock 01”, „New man” oder „My friend Dario” nach Gitarren klingt, sind da keine. Es ist auch keine Moog-Orgel bei „Wooo” und auch kein Akkordeon bei „Polkamatic”. Unglaublich aber wahr, die Trommelwirbel auf „Valletta fanfares” sind ebenfalls nicht echt. Selbst sein Sound-Mann war überzeugt, dass das Schlagzeug gesampelt ist.

Das einzige, das Pascal Arbez-Nichols nicht künstlich erzeugen kann, sind Gefühle. Eben diese Gefühle muss er mit seinen elektronischen Klängen beim Hörer hervorrufen. Und so beginnt sein heißersehntes Album mit pluckernde Beats und pumpende Bässen zu einer kitschigen 60er Jahre „Louis de Funès”-Filmmelodie. „Polkamatic“ heißt der Spaß, der eine knappe Stunde Dance & Techno Vergnügen einläutet. Dabei finden sich mit „Newman“, „Poney part 2“, „My friend Dario“ – unterstützt von Vitalics langjähriger Weggefährtin Miss Kitten – und „La rock 01“ ein paar furiose Killer-Tracks, die wirklich jeden Tanztempel zum Kochen bringen dürften. Für den gepflegten Cill Out bieten sich dagegen Trance-artige Songs wie „Trahison“, „The past“ und das raveige „Repair machines“ an. Allerdings hält „OK Cowboy“ auch ein paar mehr oder weniger ins Gewicht fallende Ausrutscher parat („Wooo“, „No fun“, „V and I“, „Valletta fanfares”), die dem Album die Auszeichnung als Referenzwerk verwehren. Nichtsdestotrotz werden sich die Dancefloor-Jünger auf „OK Cowboy“ stürzen und es lobpreisend gen Himmel recken. Kann man irgendwie verstehen…

Anspieltipps:

  • The past
  • Newman
  • La rock 01
  • My friend Dario
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