Emil Bulls - The Southern Comfort - Cover
Große Ansicht

The Southern Comfort


  • Label: Pirate Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Es floß die letzte Zeit viel Bier und Wasser die Isar hinunter, bis "The Southern Comfort" aufgenommen war.

Die bayerische Neurockhoffnung Emil Bulls sind fünf Burschen aus München bzw. gleich drumherum, die sich dem Rock-Crossover verschrieben haben. Man könnte jetzt eine Schuhplattler-CD erwarten, aber dieses Vorurteil räumen die "bulligen" Jungs so aus dem Weg: sie schreiben und spielen keine Weißwurstmusik, und ihre CD-Cover sind auch nicht in blau-weiß gehalten. Emil Bulls sind in aktueller Besetzung Christoph von Freydorf (Gesang), Christian "Chrissy" Schneider (Gitarre), Jamie Richardson (Bass), Stephan Karl (Gitarre) und Fabian Füss (Drums). 1995 noch Klosterschüler bzw. Jungbullen in Hohenschäftlan, heute Emil Bulls, eine der angesagtesten Crossover-Rockbands auf der diesseitigen Halbkugel.

Ein Genre muss für diese Band wohl erst noch gefunden werden, ist ihr Repertoire, ihre Sound-Vielfalt doch recht bunt gestrickt und abwechslungsreich gehalten. Sie bewegt sich irgendwo zwischen NuMetal, Skate-Core, Funk- oder gar Groove-Core, Rockeinflüsse und Crossover-Elemente schwingen auch mit, und das nicht zu wenig. Der eigentliche Sound der Emil Bulls zeichnet sich durch E-Samples, tief in der Magengegend wütende Bässe, wunderbares Metall-Geschrei, groovige Beats und Rhythmen sowie genial unverschnörkelte Gitarren-Riffs à la Tim Humpe mit dazu passender, engelsgleicher Stimme aus. Das Debutalbum "Red Dick`s Potatoe Garden" der Band erschien 1996. Ihren Namen haben sie einem Kinderfilm "entwendet".

Beim Nachwuchswettbewerb "Emergenza" belegten Emil Bulls Jahre her den dritten Platz. Eine weitere Auszeichnung heimsten sie bei den "Rock Feierwerk Contests" ein. Emil Bulls zogen live durch`s In- und Ausland, sammelten Erfahrungen, schrieben immer wieder neues Material und machten live richtig schön Furore. "Monogamy" enstand in München und New York und fand sehr großen Anklang, selbst die Majors klopften an. "Monogamy" wurde neu zusammengestellt und arrangiert und erschien 2001 unter dem neuen Titel "Angel Delivery Service" bei Mercury. Die Fachpresse staunte, die Fans waren begeistert. Die Jungs coverten "Take on me" von a-ha und schlugen richtig zu. 2003 folgte das Album "Porcelain". Emil Bulls rockten das Haus auf so ziemlich allen angesagten Sommerfestivals im Land und entpuppten sich zu einer renommierten Live-Combo der Extra-Klasse.

Es floß die letzte Zeit viel Bier und Wasser die Isar hinunter, bis "The Southern Comfort" aufgenommen war. Emil Bulls melden sich zurück zum Dienst am Musikliebhaber und präsentieren mit dem neuen Album einen weiteren, sehr bedeutenden Schritt auf ihrer ganz persönlichen Karriereleiter. Sie hielten ihrem Sound und Stil die Treue und schufen doch neue Varianten ihrer Musik. "The Southern Comfort" beinhaltet selbst zwei Instrumental-Nummern ("The Southern Comfort" und den E-Gitarren-Jam "A Southern Lullaby"), was doch eine Besonderheit für eine Crossoverband dieses Formats darstellt.

"The Southern Comfort" kann man locker als Reifezeugnis von Emil Bulls betiteln. Sie haben sich enorm entwickelt, an Stil und Perfektion gearbeitet und ein kleines Meisterwerk fabriziert, das seinen Weg machen wird, die bisher dagewesenen drei Vorgängeralben hemmungslos in den Schatten spielen wird. "Revenge" ist so eine typische "Fuck you"-Nummer, die auch genau diese Aussage trifft: "This is the time, this is the place for great revenge. This is the day to say fire-fuck you." "Revenge" ist stürmisch, drängt nach vorn, kotzt sich aus. Ein Song, der als Opener nach dem Instrumental-Intro schon mächtig Feuer macht. "Ignorance is a bliss" hat etwas enorm hymnisches zu bieten, so richtig fett à la H-Blockx. Die rhythmischen Riffs, gepaart mit einem gepfefferten Drum-Feuer machen diese Nummer zu etwas, was sich recht schnell ins Hirn tätowiert. "It`s over now ... it`s unbelievable, now I just feel newborn": "Newborn" und "These are the days" sind Emo-Rock-Balladen vom Allerfeinsten, die nicht nur reinknallen, sie bleiben auch gleich hängen und kommen einem "immer wieder hoch". "At Fleischberg`s" hätte fast eine BLX-Geschichte sein können, wüßte man es nicht besser, würde nicht ein Klimperklavier durchklingen. Der etwas ruhigere Chill-Song auf "The Southern Comfort" ist "Mongoose", ein unerwartet verträumtes Arrangement mit Trance-Ambitionen. Eine Sing-Sing-Ballade mit Gitarren-Leitung darf natürlich auf einem Album wie diesem nicht fehlen. Tut es auch nicht: "Friday night".

Emil Bulls haben mit "The Southern Comfort" eine Arbeit abgeliefert, die Ihresgleichen locker suchen kann. Sie haben ihren Weg gefunden und überraschen und überzeugen deutlich mit neuen Ideen und Arrangements und coolen Riffs. Emil Bulls greifen an, verbreiten Lebensfreude und frische Energien, geben mit ihrer Musik die Möglichkeit, seinen Akku mal wieder vernünftig mit Musikvitaminen aufzuladen. Kaum zu glauben, dass dieses Album in nur zwei Wochen in einem Ferienhaus am Chiemsee entstanden ist, in zwei Wochen, in denen sich die Bulls auf der Pelle hockten und ihrer Kreativität so richtig Stoff und Gas gaben. "The Southern Comfort" ist schillernd, bunt, facettenreich, fett und satt. Ob diese Scheibe bei einem kühlen Weizenbier noch besser "mundet", muss noch ausprobiert werden. Prost!

Anspieltipps:

  • Revenge
  • Newborn
  • These are the days
  • At Fleischberg`s
  • Mongoose
  • Friday night
Dieser Artikel ging am um 15:50 Uhr online.
Videos zu „Emil Bulls“
Neue Kritiken im Genre „Rock“
6.5/10


Kings & Queens Of The Underground

  • 2014    
3/10


Man On The Run

  • 2014    
6.5/10


Soundtrack: Rainbow Bridge (Re-Release)

  • 2014    
Diskutiere über „Emil Bulls“
comments powered by Disqus

Einfach losschreiben!

X

Ergebnisse: