Paul Stanley - Live To Win - Cover
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Paul Stanley Live To Win


  • Label: New Door Rec/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

28 Jahre nach seinem ersten Soloausflug legt Paul Stanley, Gitarrist, Sänger und Mit-Songschreiber der legendären Make-Up-Vernichter von KISS, sein zweites Album in Eigenregie vor und klingt darauf wie eine etwas modernere Version seiner Hauptband. Er presst dabei zehn Songs, die aus jeder Pore Hit! Hit! Hit! schreien, in 34 Minuten Spielzeit, was im Prinzip schon fast zuviel des Guten ist. Kein noch so kleines Experiment, kein Ausrutscher, geschweige denn ein Totalausfall in Sicht. Auf „Live To Win“ ist wirklich alles wie am Reißbrett auf Mainstreamrock mit Hitgarantie zurechtgebügelt, als hätten wir nicht 2006, sondern 1987 und Def Leppard, Aerosmith und Bon Jovi streiten sich um die Weltmacht im Hardrock.

Diesen Hit-Cocktail konnte selbst ein begnadeter Songschreiber wie Mr. Stanley („Hard luck woman“, „Forever“, „Detroit rock city“, „I was made for loving you“, „Black diamond“) nicht ganz ohne fremde Hilfe aus dem Hut zaubern. Deshalb hat sich der 54-Jährige Unterstützung aus erster Hand geholt. Gleich vier Songschreiber/Produzenten mit eingebauter Hitgarantie haben die Aufnahmen von „Live To Win“ begleitet und das Album zu dem gemacht, was es ist: Ein unverschämt eingängiges Feuerwerk aus Riffs und Melodien. Als da wären: Desmond Child (Aerosmith, Bon Jovi, Aersomith, Alice Cooper), Andreas Carlsson (Bon Jovi, Britney Spears, LeAnn Rimes, Nick Lachey), Holly Knight (Tina Turner, Pat Benatar, Cher, Bonnie Tyler) und Marti Frederiksen (Aerosmith, Faith Hill, Pink, Def Leppard). Dazu haben John 5 (Marilyn Manson), Corky James (Avril Lavigne), Victor Indrizzo (Beck), Harry Sommerdahl (Lindsay Lohan) und Bruce Kulick (Ex-KISS) im Studio die Instrumente gespielt.

Bei diesen Beteiligten kann sich der eine oder andere geneigte Hörer sicher ausmalen wie das Album klingt, ohne es tatsächlich gehört zu haben. Denn was ein Radio- oder Stadionhit sein will, muss simpel komponiert sein und schnell ins Ohr gehen. Exakt das macht Stanley im Verbund mit Leuten, die schon mit Britney Spears, Pink und Celine Dion gearbeitet haben: Er haut einen Ohrwurm nach dem anderen raus, bis der Hörer entweder wie erschlagen vor den Boxen kauert oder begeistert wie ein Flummi durch das Zimmer hüpft und allen, die nicht schnell genug in Deckung gehen, ein „High Five“ anbietet. Dazu werden die Gitarren mal etwas tiefer in Richtung Nu-Rock gestimmt und hart angeschlagen („Live to win“, „Lift“), wird ein hymnischer Refrain mit modernen Beats gekoppelt („Wake up screaming“) oder die gute alte Megaballade (dieser Begriff dürfte inzwischen ein eingetragenes Warenzeichen sein) mit schmalzigen Streichern und zirpenden Akustikgitarren aus dem Köcher geholt („Second to none“).

Dass das Ganze dennoch nicht sonderlich weit von KISS entfernt ist, zeigen Stücke wie „Everytime I see you around“ und „Bulletproof“, mit denen die New Yorker ihre große Fanschar ganz bestimmt begeistern könnten. Überhaupt: Mal sehen, ob es noch mal ein KISS-Album gibt. Bis dahin nehmen wir mit Herrn Stanleys zweitem Solostreich vorlieb, der den selbsternannten Szenepolizisten sicher der berühmte Dorn im Auge sein wird. Zu glatt, zu hitverdächtig, zu sehr 80er Jahre, trotz einiger moderner Elemente, zuviel Stadionrock. Yep, diesen Stil muss man definitiv mögen, sonst gibt es Probleme. Aber es soll ja auch Zeitgenossen geben, die den seit über 30 Jahren anhaltenden Erfolg von KISS nicht nachvollziehen können.

Anspieltipps:

  • Lift
  • Live to win
  • Bulletproof
  • Loving you without you
  • Everytime I see you around
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