Morcheeba - The Antidote - Cover
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Morcheeba The Antidote


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit neuem Label, neuer Sängerin und frischen musikalischen Einflüssen steht das Londoner Trio mit Album Nummer 5 auf der Matte.

Zusammen mit Massive Attack waren Morcheeba Mitte der 90er Jahre die Mitbegründer der TripHop-Bewegung. Doch nach vier millionenfach verkauften Studioalben, einer „Best Of“-CD, massenhaft Gold- und Platin-Auszeichnungen, sowie ausverkauften Welt-Tourneen war die Band ausgebrannt, ihr musikalischer In-, bzw. Output im wahrsten Sinne des Wortes verheizt. Die Brüder Paul und Ross Godfrey und Sängerin Skye Edwards einigten sich wohlwollend auf eine Trennung, um andere, neue Pfade einzuschlagen. Das Thema Morcheeba schien im April 2004 ein für alle Mal erledigt zu sein. Doch jetzt gibt es eine überraschende Rückkehr der Trendsetter.

Mit neuem Label, neuer Sängerin und frischen musikalischen Einflüssen steht das Londoner Trio im Mai 2005 mit Studioalbum Nummer 5 wieder auf der Matte. Während ihrer Auszeit (das letzte Studioalbum „Charango“ stammt aus dem Jahr 2002) haben sich die architektonischen Pioniere des Downbeat mit völlig anderen Stilarten befasst, die mehrheitlich in der Rockmusik zuhause sind. Diese Eindrücke ließen das Produzenten- und Songwriter-Team Godfrey weit über ihren Horizont hinaus wachsen und sie bewusst Abstand zu ihren vorherigen Arbeiten nehmen. Man merkt sofort: Das bisherige Fundament hat sich stark verändert – offenkundig unterstützt durch die neue klassisch ausgebildete Sängerin Daisy Martey, ehemals Frontfrau der englischen Indie-Band Noonday Underground. Keyboards, Soundmaschinen und Effektgeräte wurden dabei gegen echte Instrumente ausgetauscht, das Album quasi „live“ aufgenommen.

Rockmusik als Heilmittel/Gegengift (= Antidote) des TripHop? Offensichtlich, denn für die Godfreys war es allerhöchste Zeit für einen stilistischen Wechsel. Und so ist aus den TripHoppern eine waschechte Popband geworden, die überwiegend elektronische Klänge und entrückte Chill-Out-Sounds gegen griffige Sixties-Grooves und eingängige Melodien getauscht hat. Da treffen dann „Jethro Tull“-Flöten auf bratzige Gitarren („Ten men“), dramatische Chöre auf federleichte Melodien („Everybody loves a loser“), akustische Kleinode („Like a military coup“) auf bluesige Nummern („Living hell“, „People carrier“) und verträumt-beschwingte Stücke („Antidote“) auf hitverdächtige Pop-Tunes („Lighten up“). Das konnte man so nun wirklich nicht erwarten.

„The Antidote“ klingt frisch, unverbraucht und zu jeder Minute spannend. Ein echtes Wunder, denn oftmals sind Comebacks – egal ob nach langer oder kurzer Pause –eine verzichtbare Angelegenheit. Doch Morcheeba können mit ihrem Album restlos überzeugen. Selten hat sich eine Band so radikal von den eigenen Wurzeln entfernt und dabei ein so überraschend gutes Ergebnis abgeliefert. Respekt!

Anspieltipps:

  • Ten men
  • Living hell
  • Lighten up
  • Wonders never cease
  • Everybody loves a loser
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