dEUS - Pocket Revolution - Cover
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dEUS Pocket Revolution


  • Label: V2/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sechs Jahre sind für den Musikmarkt, wie eine Ewigkeit. Wer es sich erlauben kann, sechs Jahre lang nichts neues zu veröffentlichen, kann sich sicher sein, dass seine Musik auch noch in den nächsten 60 Jahren angeboten wird. dEUS ist so eine Band, die vor sechs Jahren das vergangene Jahrtausend mit einem Meisterwerk ausklingen ließen.

„The Ideal Crash“ wurde als Meisterwerk der Neunziger tituliert und ließ hungrige Fans zurück, denen die Singles-Compilation „No More Loud Music“ und die CD des Nebenprojekts von Sänger Tom Barman, Magnus, zum Appetit beibehalten angeboten wurde. Doch es reichte nicht und so musste wieder ein dEUS-Album her. Und wie es nun mal so ist, wünscht man es sich schneller herbei, als es fertig ist: März, Mai, August? Was denn jetzt? „Pocket Revolution“, das mittlerweile vierte Album der Antwerpener Band, erscheint Mitte September. Doch was darf man von einer großartigen Band erwarten, von der nur noch Tom Barman übrig ist?

Das Album beginnt mit einem störenden Slide-Gitarreneffekt und einem lieblos gespielten Bass in „Bad timing“. Die einsetzenden Drums und die Akustikgitarre verbessern den ersten Eindruck ungemein, so dass Barmans lieblicher Gesang mit „Everything is quite“ einsetzen kann. Spätestens bei der lieblichen E-Gitarrenmelodie ist der siebenminütige Opener zu einem schönen Stück Indie-Pop gereift, der sich kontinuierlich zu einem Rocksong steigert. Die sieben Minuten sind gerechtfertigt, wenn man bedenkt, was für ein dynamischer Gigant „Bad timing“ sein muss, um sich so erfolgreich zu steigern. Sieben Minuten, die sich wie vier anfühlen.

Ähnlich verhalten sich auch die anderen Stücke auf „Pocket Revolution“ und damit wäre eigentlich auch schon alles gesagt. Sei es die kleine Pophymne „7 days, 7 weeks“, das Barmans schwieriges Verhältnis zu seiner Schwester gewidmet ist, oder das stark an Chris Martin erinnernde „Include me out“. Sowohl Text, als auch Musik könnten durchaus von dem Coldplay-Songwriter stammen. Dass die dEUS-Version natürlich etwas verspielter und auch etwas strukturierter ist, muss man höchstens Laien erklären.

Ursprünglich war geplant das Album „Start Stop Nature“ zu nennen. Das Lied mit dem vorantreibenden Drums und erneuter Bottleneck-Ebow-E-Gitarre hat sich allerdings als nicht so stark erwiesen, wie der nun titelgebende Track „Pocket revolution“. Ruhig und gelassen singt Barman ebenfalls wieder zu einer verstörten Basslinie, während in der Mitte des Songs schöne Streichermelodien erklingen und sich der Song darauf mit den Streichern in den Laut/Leise-Momenten entlädt. Kleine Elektronikelemente verniedlichen das Stück, bis es sich wieder entladen darf und man fühlt sich ganz leicht an „Kashmir“ von Led Zeppelin erinnert.

Die Revolution bleibt aus. Die viel zu netten Lieder bleiben nett, auch wenn sie die Geduld verlieren. Wäre man übermütig, könnte man behaupten, dass die Revolution sich auf die kleinen Dinge bezieht, die in jede Tasche (= Pocket) passen. Vielleicht. Aber eher nicht. Selbst das wütende „Sun ra“ wirkt so nett, als würde ein Dackel einen 2 Meter großen Mann anbellen. Dabei ist der Song über Gedanken, denen man bei Schlafstörungen erlegen ist, eines der deutlichen Highlights. Aber genau genommen hat jeder Song dieses Albums ein kleines Highlight. Seien es die Gitarrenmelodien („Night shopping“) oder die Streicher, die, wie in „Nothing really ends“, gut gewählt sind und das Stück abrunden. Weniger gelungen ist dagegen das Rockbrett „If you don’t get what you want“. Zwar ist es ganz nett, wie es sich immer weiter steigert, aber wirklich interessant ist nun auch nicht. Zu guter letzt kann man behaupten, dass dEUS ein gutes Album abgeliefert haben, aber haben lang wartende Fans nach sechs Jahre Pause nicht mehr von dieser Band erwartet???

Anspieltipps:

  • Sun ra
  • Bad timing
  • Include me out
  • Pocket revolution
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