Kelly Clarkson - Breakaway - Cover
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Kelly Clarkson Breakaway


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Breakway“ will, ja muss den Mainstream bedienen.

Kelly Clarkson war im September 2002 die Gewinnerin der ersten Staffel von „American Idol: The Search For A Superstar“, dem amerikanischen Casting-Show-Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL). Die damals 20-Jährige aus der Kleinstadt Burleson in Texas setzte sich im Finale gegen Justin Guarini durch, erhielt einen Plattenvertrag bei RCA Records im Wert von einer Million Dollar (!) und rollte mit ihrem Debüt „Thankful“ die Billboard Charts auf.

Das Album erhielt Doppelplatin für über zwei Millionen verkaufte Einheiten. Die ausgekoppelte Single „A moment like this“ stellte einen neuen Rekord auf, indem sie innerhalb einer Woche von Platz 52 auf Platz 1 stieg. Ein größerer Sprung war vorher noch keiner Single-Veröffentlichung gelungen. Die zweite Single „Miss independent“ brachte Kelly Clarkson sogar eine Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best Female Pop Vocal“ ein. Sicher, die Dimensionen im Vergleich zu den No Angels und Bro’Sis sind andere, aber der Hype um die Casting-Stars ist hüben wie drüben derselbe.

Jetzt also Album Nummer 2! In den USA schon seit mehreren Monaten auf dem Markt, reichte es für „Breakaway“ diesmal „nur“ zu Platz 3 als höchste Platzierung. Dennoch hält es sich auch Mitte Mai 2005 noch immer munter in den Top 15, bei inzwischen auch schon wieder über zwei Millionen verkauften CDs. Der Anspruch ist diesmal aber ein anderer. Clarkson hat an sechs der elf Stücke mitgeschrieben, die durch die Bank rockiger ausgefallen sind als die Songs des Vorgängers. Zudem wird im Sommer auch der internationale Markt angepeilt, was allein schon an der Riege hochkarätiger Songschreiber und Produzenten festzustellen ist. Sogar Avril Lavigne (!) arbeitete am Titelsong „Breakaway“ mit, was immer für eine Meldung gut ist.

Ansonsten ist auf dem Werk alles versammelt, was heutzutage mit Teen-Pop/Rock in Verbindung gebracht wird: John Shanks (Michelle Branch, Lindsay Lohan, Ashlee Simpson), David Hodges und Ben Moody (Evanescence), Max Martin (Backstreet Boys, Britney Spears, Ace Of Base, Bon Jovi), Kara Dioguardi (Lindsay Lohan, Jessica Simpson, Ashlee Simpson, Anastacia) und Chantal Kreviazuk (Avril Lavigne, Celine Dion). Damit sind die Vorzeichen klar und keiner kann mehr behaupten, er/sie würde nicht wissen, worauf er/sie sich mit der Kauf der CD einlässt.

„Breakway“ will, ja muss den Mainstream bedienen. Deshalb sind die Songs durchweg radiotauglich, verzichten aber nicht auf E-Gitarren („You found me“), laden zum Tanzen („Gone“) oder Träumen („Where is your heart“) ein, die Refrains sind eingängig und leicht mitzusingen („Breakaway“) und die simplen Texte behandeln die üblichen Themen Liebe/Herz/Schmerz („Behind the hazel eyes“). Dass Frau Clarkson zudem ein gutes Stimmchen hat, muss auch nicht diskutiert werden. Was fehlt dem Album also zu einem guten, die Masse hinter sich lassenden Werk? Einfache Antwort: Qualitativ hochwertige Songs, die den Hörer mitreißen!

Trotz der versammelte Riege von Top-Songwritern und Produzenten, plätschert das Album streckenweise ganz übel vor sich hin. Es passiert rein gar nichts! Man kann sich noch nicht mal aufregen, so belanglos ist das dargebotene Material. So muss der tapfere Hörer tatsächlich bis zum Schluss warten, wo mit „Hear me“ der wohl beste Song des Albums wartet. Ein kraftvoller Rocksong mit balladesken Untertönen, wie wir es von Evanescence kennen. Dass man darauf fast 40 Minuten warten muss, macht die Sache nur noch bitterer. Mit „Breakaway“ ist Kelly Clarkson meilenweit von Kolleginnen wie Avril Lavigne, Ana Johnson und sogar Ashlee Simpson entfernt. Talent alleine reicht eben nicht. Man benötigt auch ein Gespür für herausragende Songs und den Mut, angebotenes Songmaterial abzulehnen. Frage mal bei Pink oder Avril Lavigne, liebe Kelly!

Anspieltipps:

  • Hear me
  • Breakaway
  • Walk away
  • Behind the hazel eyes
  • I hate myself for losing you
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