Kaiser Chiefs - Employment - Cover
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Kaiser Chiefs Employment


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das hemmungslose Abkupfern nimmt den Kaiser Chiefs keiner übel. Warum auch?

Gruppenzwang ist eine üble Sache. Er beginnt schon im Kindesalter, wenn es auf dem Schulhof darum geht, wer die coolsten Sportschuhe besitzt. Klare Vorgabe: Wenn eine bestimme Marke gerade angesagt ist, muss jeder sie haben. Wer dabei nicht mitmacht – und demnach nicht im Trend ist! – wird automatisch zum Außenseiter degradiert. Dieses Phänomen zieht sich durch alle Schichten und Altersklassen. Sogar vor der Musik macht der Gruppenzwang keinen Halt.

Bestes Beispiel: Die britische Insel, auch bekannt als Heimat der Popmusik. Kaum ist dort ein neuer Hype entbrannt, kriechen massenhaft Nachwuchsbands aus ihren Übungskellern hervor, um auf den Hitparaden-Zug aufzuspringen. Plötzlich klingen alle Gruppen irgendwie gleich, als könnten sie gar nicht anders, wie bei einem angeordneten Zwang, frei nach dem Motto: Hype, das ist der Rhythmus, bei dem man mit muss...

Eine diese Hype-verdächtigen Bands ist die Gruppe Kaiser Chiefs aus Leeds, die sich nach einem südafrikanischen Fußballteam benannt hat. Hervorgegangen sind die BritPopper aus der Band Parva, die es lediglich zu einer einzigen Single brachte und im Prinzip nichts anderes machte, als berühmte Kollegen zu imitieren (Primal Scream, Nirvana, Radiohead). Als dies nicht fruchtete, entschieden sich die Jungs für einen radikalen Neuanfang und ließen alle Parva-Songs in der Mülltonne verschwinden.

Ricky Wilson (Vocals), Andrew White (Gitarre), Simon Rix (Bass), Nick Baines (Keyboards) und Nick Hodgson (Drums, Vocals) gründeten daraufhin die Kaiser Chiefs. Und schon die erste, selbst finanzierte Single „Oh my god“, die auf dem Mini-Label „Drowned In Sound“ erschien, landete auf Platz 66 der UK Charts, und das, obwohl sie nur limitiert erhältlich und in Nick Hodgsons Schlafzimmer aufgenommen worden war. Mit der zweiten Single „I predict a riot“ wechselten die Kaiser Chiefs zum „B Unique“-Label im Vertrieb des Branchenriesen Universal, die mit den Engländern einen echten Goldfisch aus dem Teich gezogen hatten. Die Burschen verkörperten mit ihrem Sound nämlich exakt den Trend, den Bands wie Franz Ferdinand, Bloc Party und Maximo Park ausgelöst hatten. Fröhliche Songs, mit ungenierten Anleihen in den Achtzigern, als Nord-Englische Gruppen wie Madness, The Kinks und Roxy Music groß waren. New Romantic, Disco und New Wave hießen die Zauberwörter zu dieser Zeit. Anno 2005 wird das Ganze ganz frech mit einem guten Schuss BritPop der Marke Blur, Pulp und Oasis garniert – fertig ist ein neuer Sound, der eigentlich gar nicht neu ist.

Dennoch: Das hemmungslose Abkupfern nimmt den Kaiser Chiefs keiner übel. Warum auch? Solange die Lieder gefallen, braucht sich niemand zu beschweren. Und so erfreuen wir uns an herrlichen Elektro-Popsongs (ja, so was soll es geben!) wie „Everyday I love you less and less”, der an Blur zu „Modern Life Is Rubbish”- bzw. „Parklife”-Zeiten erinnert oder an rockige Stadionhymnen der Marke „Modern way“, „Na na na na naa“ und „I predict a riot“, der zweiten Singleauskopplung, die vom typischen Wochenendleben eines männlichen Jugendlichen in Leeds handelt: Auf die Piste gehen, sich betrinken und nach willigen Rassehasen Ausschau halten. Wenn dieses Vorhaben nicht klappt, werden sie zu aggressiven Rowdys, die alles in Schutt und Asche legen. Ein Song, mitten aus dem Leben gegriffen.

Dass es das Quartett aus Leeds auch etwas ruhiger beherrscht, ohne ins kitschige Balladenfach abzudriften, zeigen Stücke wie „You can have it all“, das mit psychedelischen Pianoakkorden versehene „Born to be a dancer“ und das, als erste Single bekannte, mit grandiosen Gitarrenriffs gewürzte „Oh my god“. Mit dieser abwechslungsreichen Mischung dauert es nicht lange, bis sich der Hörer im Kaiser-Chiefs-Universum wohl fühlt und eins wird mit dem Sound der Briten.

Auf „Employment“ ist in der Tat keine Note zuviel, kein unnötiges Füllmaterial versammelt oder einfach nur schlecht kopiertes Material der Konkurrenz zu finden. Die Kaiser Chiefs holen mit ihren Mitteln das Maximum aus durchaus bekannten Songstrukturen heraus und kreieren so einen neuen – ihren! – Sound. Deshalb ist das Werk ein richtig gutes Gitarren-Popalbum, das Franz Ferdinand, Bloc Party und Maximo Park Käufer einfach haben müssen!

Anspieltipps:

  • Oh my god
  • Modern way
  • Saturday night
  • Na na na na naa
  • Everyday I love you less and less
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