Funeral For A Friend - Hours - Cover
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Funeral For A Friend Hours


  • Label: EastWest/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Grob zusammengefasst bietet „Hours“ keinen wirklich schlechten Song, die langsamen Stücke überzeugen aber mehr.

1995 kam ein Film in die Kinos, der sich mit den Problemen von farbigen bzw. mexikanischen Ghetto-Jugendlichen an einer amerikanischen Schule auseinandergesetzt hat. Michelle Pfeiffer übernahm die Hauptrolle der Professorin Louanne Johnson, die versucht das Gleichgewicht innerhalb der Klasse herzustellen und mögliche soziale Probleme mit den Schülern zu klären. Kriminalität und Gewaltauseinandersetzungen machen ihr es alles andere als leicht, sie ist kurz davor ihren Job zu schmeißen, wie viele Aushilfslehrer vor ihr. Dass sie dennoch nicht das Handtuch wirft und am Ende Erfolg hat, ist allgegenwärtig bekannt und bereits Filmgeschichte. Dennoch führte der Film zu einer Reihe von Diskussionen über das amerikanische Schulsystem, die damit verbundenen Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber Andersfarbigen und die zum Teil vorherrschende Brutalität. Szenenwechsel. 20. April 1999 an der Columbine High School in Littleton, Colorado. Der 17-jährige Dylan Klebold und der 18-jährige Eric Harris erschießen in einem Monate vorausgeplanten Blutbad zwölf Mitschüler und einen Lehrer. 23 weitere Personen werden durch strategisch angebrachte Sprengfallen in den Gängen oder durch Schüsse verletzt. Wie es dazu kommen konnte und was die Motive hinter der Tat waren, wird im Dokumentarfilm „Bowling For Columbine“ (2002) des dadurch berühmt gewordenen Michael Moore behandelt. Darüber hinaus nimmt dieser Streifen auch Stellung zur allgemeinen Waffenvernarrtheit der Amerikaner, die eine wichtige Rolle für die grausame Tat darstellte. Ein Jahr später führt sich Gus van Sant die tragischen Ereignisse zu Gemüt und entwirft „Elephant“, das sich rein um die Entstehung dessen beschäftigt, was seinerzeit über die Bildschirme aller Welt flimmerte und nie vergessen sein wird.

Man sieht, dramatische Begebenheiten werden oft für Regisseure zum Anlass genommen um ihre Sicht der Dinge darzustellen oder aufzuklären. In der Musik verhält es sich nicht viel anders. Als am 09.11.2001 Flugzeuge ins World Trade Center und das Pentagon crashten und nicht mehr als einen Schutthaufen überließen war dieser terroristische Anschlag für viele Bands, Künstler und Musiker ein Anlass um ihre Gefühle und die damit verbundenen Emotionen in Musik und Lyrik umzusetzen. Doch nicht nur weltpolitische Ereignisse veranlassen dazu Weltschmerz und Trauer auszudrücken. Wirft man allein einen Blick auf den Namen der vorliegenden aus Wales stammenden Band, muss man sofort an eigene damit verbundene Ereignisse denken. „Funeral For A Friend“ – so einfach und schlicht dieser Name auch klingt, so zerbrechlich und filigran vermutet man die Menschen dahinter. Immer schon nahmen sich Matthew Davies (Gesang), Darran Smith (Gitarre), Gareth Davies (Bass), Kris Coombs-Roberts (Gitarre) und Ryan Richards (Schlagzeug) traurige Ereignisse und dramatische Momente für ihre Songs zum Vorbild. Anfang 2002 kam es zur Gründung und mit der EP „Between Order And Model“ zu ersten Interessenten. Ein Jahr später unterzeichneten sie einen Vertrag bei Warner. Musikalisch ordneten sie sich zwischen Postcore, Emocore und Punk ein und hatten durch ihren Sound ein eigenes unbestelltes Feld, das sie mit den darauf folgenden EP´s „Four Ways To Scream Your Name“ und „Juneau“ weiter bebauten. Nach diesen Kurzplatten schon sehr angesehen und in der Szene etabliert, holten sie zu einem ersten großen Schlag mit der LP „Casually Dressed And Deep In Conversation“ aus. Das Grundprinzip harte rockige Songs mit einer gehörigen Portion Melodie und Melancholie zu schmücken wurde erfolgreich aufgenommen und dem zweiten Longplayer stand nichts im Wege.

Terry Date, der schon für Größen wie den Deftones, Limp Bizkit und Staind verpflichtet wurde, kehrte die großen gefühlvollen Momente methodisch nach außen und verhalf „Hours“ somit zu einem etwas geglätteten, aber durchwegs eingängigeren Album als es der Vorgänger war. Matthew Davies Stimmbänder wurden ebenfalls geschont und verstärken, die in den Songs vorherrschende Elegie. Lediglich in „The End Of Nothing“ schreit und leidet Davies zugleich. Die ruhigen Momente der Platte („Drive“, „History“, „Sonny“) sind allesamt wunderschön gelungen und machen Lust einmal ein reines Downtempo-Album der Band in Händen zu halten. Der Rest ist durchzogen mit Riffs, markanten Drums und schmerzerfüllten Texten. Hin und wieder scheinen Ähnlichkeiten mit anderen Bands wie Alient Ant Farm („Streetcar“) durch, werden aber gleich wieder verworfen, da Funeral For A Friend um eine Prise Melancholie authentischer und interessanter klingen.

Grob zusammengefasst bietet „Hours“ keinen wirklich schlechten Song, die langsamen Stücke überzeugen aber mehr, da bei mehreren Durchläufen die Uptemponummern einfach an Kraft und Ausdauer verlieren und dem Durchschnitt erliegen. Dennoch ist die LP beständiger als viele andere Outputs genreverwandter Bands vor allem wegen Davies wandlungsfähiger Stimme. “We wanted to make a record that had no sense of compromise, of ‘middle ground’. Something people would either really love or hate, that no-one would feel ‘wishy-washy’ about.” gibt Kris Coombs-Roberts auf der bandeigenen Homepage von sich. Und er hat recht. Entweder man kann sich für „Hours“ erwärmen, oder man lasst es eben bleiben.

Anspieltipps:

  • History
  • Hospitality
  • Recovery
  • The End Of Nothing
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