Caro - Eternity - Cover
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Caro Eternity


  • Label: ad hip/new music
  • Laufzeit: 60 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Caro Mizerski, die einfach Caro genannt wird, hat an sich keinen Familiennamens-Zusatz mehr nötig. Auch weit über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus kennt sie fast jeder. Caro`s Band sind Jean Jacques Kravetz (Keyboards), Pascal Kravetz (Akkordeon und Background), Julien Kravetz (Schlagzeug), Martin Scheffler (Gitarre & Produzent) und Arnd Geise (Bass & Produzent).

Was erzählt uns Caro`s Werdegang? Mit 17 Jahren, das war 1975, verließ sie quasi bei Nacht und Nebel ihr Elternhaus, zog aus nach Hamburg, um Musik zu machen, einfach so, weil ihr Gefühl es ihr diktierte. Hätte ihr Vater damals nicht einen so tiefen Schlaf gehabt, wer weiß, ob wir dann heute "Eternity" überhaupt in Händen halten würden ... Weiterer Grund für diesen Auszug war Lonzo, "der Teufelsgeiger von Eppendorf", der ihr riet, an die Elbe zu ziehen, wenn sie denn musikalisch was vor hätte. Lonzo war ein Bühnenpartner ihres Vaters. Ausgerechnet ...

Caro hat diesen Trieb, Neues zu entdecken, dieses elektrisierende Gefühl, etwas Neues zu wagen, nie wieder vergessen. Sie war noch nicht lange in der Hansestadt, als sie bereits der Haus-Combo vom Onkel Pö (einem Hamburger Szene-Kult-Club, in dem schon Größen wie Helen Schneider und Al Jarreau ihren ganz persönlichen Nährboden fanden) beitrat und ihren Teil beitrug. 1978 erhielt sie bereits den Deutschen Schallplattenpreis für ihr Debüt "Caro & The JCT Band". Sie nahm noch vier weitere Alben auf, dann kehrte sie Land und Karriere erstmal den Rücken, nur sechs Jahre später.

Ein Insider verriet: "Wenn Caro von ihrem neuen Album spricht, dann dreht sie vor lauter Begeisterung schon mal ihre exquisiten, selbst gekochten Spaghetti Vongole zwei Minuten mit der Gabel im Kreis herum und vergisst, zu essen. Dann leuchten ihre schönen Augen, und wirft sie ungnädige Blicke auf jeden, der ihre Geschichte zu unterbrechen wagt ...". Was könnte einen Menschen sympathischer machen (als mit Liebe gekochte Spaghetti Vongole und ein Album wie "Eternity")? Caro`s schwelgerische Erzählungen weisen allerdings längere Lücken auf, z. B. über die Zeit, in der sie ihre Karriere auf Eis legte, um ihre Kinder zu bekommen, groß zu ziehen und zu erziehen. Der Kinofilm "Ray" über das Leben von Ray Charles, hat sie allerdings sofort wieder auf die Planken zurück geholt: Sie kam ganz fertig aus dem Kino, es ging ihr überhaupt nicht gut, denn sie merkte ursplötzlich, was ihr all die Jahre unbemerkt, aber doch so sehr gefehlt hat: ihre Musik und die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Phasen in Caro´s Leben, in denen sie keinen Blues singen konnte, sind vorüber. Thanks, Ray!

Für das Entstehen von "Eternity" konnte Caro fast eine ganze Familie einspannen: Jean-Jacques Kravetz, ursprünglich aus Paris stammend, aber vor Jahren schon nach Hamburg übergesiedelt, musikalischer Partner von Inga Rumpf bei Frumpy und Atlantis sowie u. a. von Udo Lindenberg, heute Mitglied der Peter Maffay-Band, streute seine Einflüsse zusammen mit seinen Söhnen Pascal (früher bei Robert Palmer unter Vertrag, heute auch bei Maffay) und Julien: "Wir haben wirklich nach bewährten Rezepten als Band gearbeitet", sagt Julien. "Denn Technik hin, Moden her: wenn die Chemie stimmt, musst du dich nur noch in die Arbeit stürzen. Alles andere kommt dann wie von selbst." Eine Nonchalance, die es tatsächlich gibt: "Eternity".

"Eternity" ist ein Machwerk, das sich Genre technisch durchleuchtet irgendwo zwischen Blues, Jazz, Rock, Pop und Soul tummelt, wenn nicht sogar Spuren von Motown aufweist. So ganz genau lässt Caro sich nicht katalogisieren, wozu auch? Caro ist Caro, und jeder weiß bescheid. Zusammen mit ihren Produzenten Martin Scheffler und Arnd Geise wurden elf wundervolle Songs geschaffen, die ihrer Einmaligkeit gerecht werden. Caro`s Stimme hat den Soul gepachtet, sie ist wie ein roher Diamant: ungeschliffen, roh, funkelnd, unbezahlbar, ein Unikat der Extraklasse, zwischendurch wunderbar "schmutzig" angehaucht. "Eternity" ist facettenreich, bunt gemischt und doch geradeaus. Die einzelnen Nummern sind gekonnt wie fein säuberlich und akurat aufgestellte Dominosteinchen aneinander gereiht: "fällt" ein Song dem Fading zum Opfer, knüpft der folgende nahtlos an und verzaubert weiter.

Caro ist noch eine der wenigen Künstlerinnen, die ihre Nummern selber schreibt, deren Texte mit ihr selbst zu tun haben, die sich in ihrer Musik "entblößt", in ein Gewand schlüpft, das sie durchsichtig macht, so dass der Zuhörer direkt sehen kann, was auf dem Grund ihres Herzen abgeht, was sie fühlt, denkt, träumt. Was für eine besondere Einladung.

"Eternity" ist ein Album, das zum Anhören einlädt, nein, eher verleitet, weil man sich den musikalischen Fangarmen einer Caro wenig entziehen kann. Begegnet sie einem akustisch, ist man gefangen. "Eternity" ist Musik, die sich zum Relaxen, Grooven, Schwofen, Chillen, vor allem zum Abschalten des Alltags bestens eignet. Club-Musik, Wohnzimmer-Beschallung, Arbeits-Hintergrund, Denkpausen-Berieselung. Das einzige Manko, was sich m. E. zeigt: Caro hätte noch ein, zwei Songs mit aufnehmen können, zu denen sie noch geladener abfetzt, den Blues befreit. Sie hat solch ein Potential und vor allem die Stimme dazu. Vielleicht auf der nächsten Platte?!

Anspieltipps:

  • Sheila
  • Eternity
  • I need your company
  • Don`t ever make me cry
  • Mister Moon (Duett mit Pascal Kravetz)
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