Nicola Hitchcock - Passive Aggressive - Cover
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Nicola Hitchcock Passive Aggressive


  • Label: Tempted/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Britin Nicola Hitchcock, geboren in London/Paddington hat es ins schöne West Country verschlagen. Ihre Musikalität erbte sie von ihrem Vater, der auf dem musikalischen Sektor ein Naturtalent war. Er spielte fast jedes Instrument und entlockte ihnen Melodien. Einen besseren Lehrmeister hätte Nicola nicht ausmachen können. Auf langen Autofahrten in ihrer Kinderzeit dachte Nicola Hitchcock sich Geschichten aus, baute daraus Reime und "komponierte" so schon ihre ersten Songs. Als sie neun Jahre alt wurde, bekam sie eine Gitarre geschenkt, ihr Werdegang nahm seinen Lauf, sie brachte sich ein paar Akkorde bei und begann, Lieder zu schreiben.

Nicola Hitchcock verdiente ihre Butterbrote als Backgroundsängerin und Studiomusikerin, spielt Instrumente wie Mundharmonika, Akkordeon, elektrische und akustische Gitarren, Keyboards, Percussion, die klassische "Schule" eben. Sie absolvierte erfolgreiche Auftritte in der Folk-Szene und heimste so ihren ersten Plattenvertrag bei FBeat/Demon Records ein und schloß einen Verlagsvertrag mit Rough Trade Music ab. Dann folgten auch schon die größeren Gigs auf diversen britischen Festivals. Das Budget des ersten Albums war niedrig gehalten, trotzdem konnte Nicola Gastmusiker wie z. B. Danny Thompson (Bass) und Neil Conti (Drums) dafür gewinnen, sich auf "A Bowl Of Chalk" einzubringen. Der A & R, bei dem Hitchcock gesigned hatte, verließ das Label, somit verließen Nicola ihre Möglichkeiten.

Durch ein Inserat im Melody Maker geriet Nicola an Chrysalis Music, die Band Mandalay gründete sich. Die Majors wurden auf die junge Band aufmerksam, trotzdem entschied sich die Combo für ein Independent-Label mit Namen Organic Records. Die erste Single "Flowers Bloom" wurde bei Melody Maker sofort die Single der Woche. Nicola Hitchcock und Mandalay hatten beide Füße in der Tür. Der Inhaber dieses Labels, David Steele, ging kurze Zeit später als Leiter zu V2 Records und nahm Mandalay einfach mit. Das Mandalay-Debut "Empathy" wurde ein Renner, die Band reiste zu diversen Festivals und wurde auch gleich der Liebling der großen Chill-Festivals. "Empathy", eines von Madonna`s Lieblingsalben, wurde als Soundtrack für "This Year`s Love" verwendet, die erste Single "This Life" berieselte den Madonna-Film "The Next best Thing". Diverse Mandalay-Songs wurden im Laufe der Jahre als Soundtracks genutzt. Zwischendurch coverte Sarah Brightmann "Beautiful". Es folgten die Alben "Instinct" und "Solace", welches exklusiv in den Staaten veröffentlicht wurde. Später folgte noch ein Remix-Album. Mandalay begeisterte die Amerikaner, es gab interne Probleme in der Band, man trennte sich.

Es sollte nicht lange dauern, da kontaktierte DJ Tiesto Nicola Hitchcock. Er schätze ihr Schreibtalent, ihre Stimme und nahm ihren Song "In My Memory" mit auf seine Platte. Es folgte ein flotter Remix, der Song wurde zum großen Erfolg für die beiden. Jedermann wollte mit Nicola zusammenarbeiten, sie kämpfte sich aber noch durch Papierstapel wegen ihrer Ex-Band Mandalay und hatte dann auch noch einen Autounfall. Sie sammelte sich, entschied, fortan alles selbst, begann zu schreiben, zu komponieren, dieses vor allem für Komponisten wie Hector Zazou, Ryuichi Sakamoto, Lenny Ibizarre und DJ Chris Brann. "Passive Aggressive" ist das Resultat dieser Arbeit, gewissermaßen eine Sammlung dessen, was Nicola Hitchcock die letzte Zeit musikalisch geleistet hat. Um "Passive Aggressive" zu veröffentlichen, gründete sie - wie es momentan modern und scheinbar üblich ist - ihr eigenes Label Tempted.

"Passive Aggressive" ist ein Werk, welches schon im Titel deutlich macht, was den Hörer erwartet: elf passive Agressionen, Ruhe, relaxte Klänge, Chill-Zeit, Hintergrundmusik mit stimmlichen Einlagen, Filmmusik ohne Film wäre es hier auch als passend zu beschreiben. Nicola Hitchcock scheint nach jahrelangem Herumjetten endlich ihren persönlichen Ruhe-Hafen gefunden zu haben, an dem sie uns mit "Passive Aggressive" teilhaben lässt. Die melodiösen Elemente laufen sich zurecht und bilden beinah eine Endlosschleife, beginnend mit "You will feel like this" über "Cloudy Skies & Rain" bis hin zum Rausschmeißer-Titel "Morning", bei dem der Konsument wieder erwachen sollte, nachdem er 55 Minuten "abchillen" durfte. Verträumte, leicht schleppend gezogene Synthesizer-Harmonien oder E-Piano-Akkorde begleiten die Songs. Die einzigen Nummern, die etwas flotter grooven, sind "I forgive me" und "Cloudy Skies & Rain". "Morning" ist in der Tat ein "Aufwecker", Streicherharmonien entzücken, und diese passen auch entzückend zur stimmlichen Untermalung.

Die Stimme von Nicola Hitchcock könnte kräftiger sein, auf "Passive Aggressive" klingt sie zu verhalten. Zu ihrer Mandalay-Zeit war das mal anders, da war ihre Stimme noch ihre Visitenkarte. Heute hat sie nur noch das, was andere auch schon haben oder hatten: elektronisch abgemischter Durchschnitt. Sie klingt nicht mehr wie etwas Besonderes. Die jazzigen Elemente heitern die Scheibe auf, geben ihr Coleur und Driftigkeit. "Passive Aggressive" ist nicht nur ein Anhöralbum, es ist auch sehr tanzbar.

Anspieltipps:

  • Morning
  • I forgive me
  • Cloudy Skys & Rain
  • Feel
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5/10

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