Südseite - Fernbeziehungen - Cover
Große Ansicht

Südseite Fernbeziehungen


  • Label: Leifstyle Records
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Südseite, das sind MC Boba Tag aus dem Stuttgarter Süden und Pierce aus dem Hohen Norden oder besser aus dem Süden von Hamburg. Und weil zwischen diesen zwei Städten piemaldaumen 700 km liegen, bekam ihr Debutalbum auch gleich passenderweise den Titel "Fernbeziehungen". Südseite hat bereits zwei Jahre Geschichte auf dem musikalischen Buckel: 2003 ergab sich ein zufälliges Zusammentreffen von Boba Tag, der damals noch Zivildienst in Hamburg schob, und Pierce, der vor zwei Jahren bereits ein bekannter Hamburger Produzent war. Die beiden machten sich eine sehr produktiv gesteuerte Woche in der Hansestadt und "bauten" vier Tracks aus Herz und Seele, womit sie ihre Vergangenheit verarbeiteten.

2004 ging Boba zurück nach Stuggi, dort trafen sich Südseite wieder für eine Woche, um das Album "Fernbeziehungen" zu komplettisieren. Als Begleitung boten sich dieses Mal Leute wie Freako, Low und K.moe an, die auch ihre Wurzeln in Benz-Town haben und ihre Einflüsse mit auf die neue CD "drücken" wollten. Vor kurzem verweilte Boba wieder einmal in Hamburg und nahm vier weitere Tracks auf, verpasste der neuen Platten ihre Rundungen und schliff sie damit ab. Das Resultat all in all: "Fernbeziehungen".

"Fernbeziehungen" ist - wie das Label Leifstyle Records verkündet - eine EP in LP-Länge. Als erste Single wurde "Homie" ausgekoppelt. Auf diesem recht außergewöhnlichen Werk wird gerappt und gehip-hopt, was das Material hergibt. Die Nummern verfügen alle über recht groovige Intros, die Bock auf mehr machen. Der Hörer wird selten enttäuscht, allerdings kann eine CD von dieser Länge schon abnerven, wenn der Dialekt des Sängers zu sehr durchschimmert und durchweg erhalten bleibt, was ab und an leider der Fall ist bei Südseite. So bekommt die Scheibe doch eine leichte Hecklastigkeit in Richtung Eintönigkeit.

Den musikalischen Part könnte man ganz leicht in Richtung Der Fall Böse einsortieren, allerdings mit wesentlich weniger Groove und Einsatz von Instrumenten, vor allen beim Arranging der Sache. Südseite sind allerdings keine gewöhnliche Band; sie tendiert eben auch leicht in den jazzigen, bluesigen, funkigen Sektor der Geschichte, kann leider aber qualitativ mit den "bösen Jungs" so gar nicht mithalten, qua Textgut bedauerlicher Weise auch nicht. Die Grundideen der Südseite-Texte sind nicht die schlechtesten, haben ihre Existenzberechtigung und vor allem auch ihre Botschaft, aber Tiefgang wird vermisst.

Interessant sind wiederum die Specials auf "Fernbeziehungen", nämlich die fünf Instrumental-Nummern. Das sind wahre Hinhörer und Hin"lauscher", die zum Chillen einladen, allerdings weniger für Karaoke-Sessions geeignet sind. Die Idee, diese mit aufzunehmen und zu veröffentlichen hat was.

Für Liebhaber des besonderen Hip Hop-Raps mit Wiedererkennungswert kann diese CD eine interessante Bereicherung werden. Ich empfand den doch recht aufdringlichen Dialekt störend, der sicherlich Wiedererkennung hergibt, aber ob man die 63 Minuten lang erträgt, möchte ich nicht beantworten müssen, den hätte man m. E. eben leicht "wegdrücken" müssen, weil er nicht so rüberkommt, wie es vielleicht angedacht war. Er nervt einfach nur.

Musikalisch gesehen ist "Fernbeziehungen" durchschnittlich, die gesungenen Nummern gehen allerdings eher in Richtung lau. Lichtblick sind die Instrumentalwerke, die wirklich gut sind. Auch bin ich immer offen für Independent-Werke, Newcomer und Extravaganzen, "Fernbeziehungen" überzeugt mich nicht wirklich.

"Fernbeziehungen" ist momentan nur direkt über Leifstyle Records, Hamburg[/i bzw. in gut sortierten Independent-Plattenläden zu erwerben.

Anspieltipps:

  • Homie
  • Platz an der Sonne (instrumental)
  • Zwiespalt
  • Schau mich an
Neue Kritiken im Genre „HipHop“
6.5/10

Wunderbare Jahre
  • 2017    
6/10

Ladies First
  • 2017    
Diskutiere über „Südseite“
comments powered by Disqus