Phonogam - Klangbeispiel - Cover
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Phonogam Klangbeispiel


  • Label: Distortion Jazz/Kult
  • Laufzeit: 28 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Phonogam, treffender kann sich diese Band nicht nennen. Die Besetzung von Phonogam ist die folgende: Sven Gunnar Schöllmann (Saxophone, Klarinette), Barni Schmidt (Gesang, Gitarre, Autor), Tobi Götz (Drums, Percussion) und Simon Friedrich (Bass). Phonogam wurde vor ungefähr zwei Jahren gegründet und besteht aus Musikern von Tagtraum und Chorea7. Tobi Götz ist vielen vielleicht schon ein bekannter Baustein, was die Gruppe Tagtraum anbelangt. Er trommelt auch dort sehr erfolgreich. Barni ist ein Ex-Tagträumer.

Phonogam ist ein zweites Standbein, welches offensichtlich zum Ausprobieren oder Ausleben weiterer stilistischer Möglichkeiten dienen soll und tut. Allerdings lassen sich Phonogam so gar nicht in eine Genre-Schublade stecken. Alles trifft irgendwie zu und alles passt auch wieder nicht zu ihnen. Hier haben wir es mit vier Ausnahmemusikern zu tun, die Beats und Töne weit enfernt von geradeaus labbernden Hausfrauen-Akkorden fabrizieren. Das Phonogam-Motto hierzu: "Es gibt noch viel mehr als 4/4-Takte und A/G/D-Akkorde ..." Der Leitgedanke der Band soll sein, Rockmusik und Jazz perfekt miteinander verschmelzen zu lassen. Alle vier Musiker sind verschiedenst beeinflusst worden und geben diese bunten Einflüsse an ihr gemeinsames Projekt weiter, leben sie aus, bieten Freiraum, bringen die Geschichte auf einen gemeinsamen Nenner, machen ihre Musik phonogam.

Größtenteils betören Phonogam mit deutschen Texten. Interessant ist, dass wir es hier endlich mal wieder mit einer Horde Musikern zu tun haben, die der Meinung sind, dass Instrumente sprechen können und oftmals mehr aussagen als die schönsten Worte und Reime. Musik hat etwas zu sagen, dafür benötigt man keine geschriebenen Aussagen, die sich singen lassen, die sich durch Stimme erklären. Ein lachendes Saxophon, eine stöhnende Klarinette, alles ist möglich. Man muss sich nur trauen und mal rumprobieren. Die Schlagzeugrhythmen sind recht umfangreich gestaltet, prallen geradewegs auf schrägste Gitarrenriffs, die sehr jazzig rüberkommen. Das Baßspiel rockt und groovt, das Sax swingt und schwingt. Dies alles zusammen formiert einen wundervoll farbenfrohen Klanghimmel, der über den intelligenten Texten hängt ("Nur der Staub fällt laut ..."). Die einzelnen Songs von Phonogam überraschen von Nummer zu Nummer.

Dieses Album ist ein vortreffliches Klangbeispiel und zeigt deutlich, was auf dem musikalischen Sektor möglich ist, wenn vier Leute sich die Freiheit nehmen, zu spielen, was sie fühlen, was sie sind, was sie begleitet und was sie spontan überkommt. Die Stimme von Barni ist energisch und verpaßt Phonogam noch eine Ladung Punk. Schon allein wegen des Instrumental-Werks "Sternwarte" verdient dieser Silberling das Prädikat besonders hörenswert, beachtenswert. Ein perfektes Arrangement begleitet uns durch den gesamten Song hinweg. Der Groove fließt, das anfangs notenbehaftete Rinnsal mutiert zu einem reißenden Fluß, der sich nach dem Meer sehnt und sich auch gleich auf den Weg macht, bis er endlich vollkommen und komplett dort hineinströmen kann, sich auslassen kann, toben kann, die Welt erobern darf. Die Klarinette singt und erzählt: wunderschön.

"Klangbeispiel" ist als ein Paradebeispiel der Experimentier-Musik zu bezeichnen. Und gerade das, das Herumexperimentieren, ohne kommerzielle Sorgen im Hinterkopf zu haben, diese gewisse musikalische, schöpferische Freiheit, prägt dieses Album und macht es mehr als hörenswert. Sieben Nummern sind definitiv zu wenig. Wo bleibt der Nachschub? Und ... Respekt!

Anspieltipps:

  • Zeitlos
  • Sicherheitsabstand
  • Sternwarte (instrumental)
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