Maximo Park - A Certain Trigger - Cover
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Maximo Park A Certain Trigger


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Erfolg von Maximo Park und anderen Bands wie Razorlight, Kaiser Chiefs, The Others und Futurheads läutet das musikalische Ende von The Libertines ein.

Frage: Was unterscheidet britische Rockbands von denen aus Amerika oder Deutschland, Australien oder Schweden? Antwort: Die unglaublich seltene Eigenschaft Songs zu schreiben, bei denen man beim Hören denkt, dass sie die Sonne zum Strahlen bringen. Songs von so wertvoller Anziehungskraft, dass man sie tagelang auf der Straße summt und vor dem endgültigen Verstummen unbedingt wieder hören muss. Zwei Jahre nach dem „The“-Band-Hype und drei Monate nach dem deutschen Release des Bloc-Party-Debüts, taucht nun eine neue Band auf, die auf der Insel den nächsten Hype ausgelöst hat: Maximo Park.

Der Erfolg von Maximo Park und anderen Bands wie Razorlight, Kaiser Chiefs, The Others und Futurheads läutet das musikalische Ende von The Libertines ein. Rauheit ist nicht mehr gefragt, das Volk verliebt sich wieder in zu Ende gedachte Songs. Mit einem perfekten Gefühl für Timing, marschieren Paul Smith (Gesang), Duncan Lloyd (Gitarre), Lukas Wooler (Keyboard), Archis Tiku (Bass) und Tom English (Drums) durch die 13 Songs und dürfen das Material sogar auf dem Label Warp Records veröffentlichen. Eine seltene Ausnahme, denn eigentlich hat sich das 1989 gegründete Label auf Klangexperimente à la Aphex Twin spezialisiert. Die erste Ausnahme gab es immerhin von 13 Jahren mit Pulp.

Bereits „Signal & sign“ fasst mal eben das Konzept der gesamten Debüt-CD der Newcastler zusammen: Mit ohrwurmverdächtigem Gesang, der das durchkomponierte Arrangement so beflügelt, dass eine melodische Hymne aus den Verstärkern einer Garagenband schallt. Die Single „Apply some pressure“ mag seit einigen Wochen verklungen sein, vergessen ist sie nicht. Und die neue Single „Graffiti“ steht ganz im Zeichen dieses erfolgreichen Songs. Die Drums prügeln den Song nach vorne, die Gitarren nehmen die Fährte auf, doch nur der Gesang kann sich noch dominanter als die Drums darstellen. Damit ist das Konzept des Albums auch schon besprochen. Überraschungen erlebt man in der Folgezeit nur noch selten. Etwa mit Backgroundgesängen („The night I lost my head“) oder dem Sprechgesang bei „Acrobat“. Dabei versprühen doch gerade die Bläsersätze wie bei „All over the shop“ ein Feuerwerk an Spielfreude und Genialität.

Titel wie „Postcard of a painting“ leiden gerade wegen ihrem präzisem Arrangement an Spielfreude, wie sie eben The Libertines verkörperten. Es fehlt zum Beispiel ein Matt Tong, der Bloc Party an die Spitze trommelt. Wer darüber hinwegsehen kann, der bekommt jede Menge Songperlen einer jungen ambitionierten Band geboten. Als absoluter Höhepunkt unter all diesen hervorragenden Songs bezeichnet sich „The coast is always changing“. Ein Song, zu dem man morgens aufwachen möchte. Er gehört zu den wenigen Liedern, bei dem die vermisste Spielfreude auftaucht – ebenso wie das Lächeln auf den Gesichtern deren, dem dieser Song vorgespielt wird. „I am young and I am lost“ singt Smith und meint damit die Perspektivlosigkeit, die man in einer Hochburg der Arbeitslosigkeit wie Newcastle erleben muss. Wahrscheinlich ohne es kalkuliert zu haben, spricht er damit den Kollegen von The Others aus der Seele.

In ihrem Song heißt es: „Da draußen gibt es eine Generation, die sich entrechtet und isoliert fühlt.“ Aus so einer Außenseitersituation kann ein Wir-Gefühl bzw. ein Verbund entstehen, in dem Maximo Park vielleicht nicht zu den herausragendsten Bands gehören, aber auf jeden Fall zu den Auserwählten zählen.

Anspieltipps:

  • Signal & Signs
  • All over the shop
  • The coast is always changing
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