Hansen Band - Keine Lieder Über Liebe - Cover
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Hansen Band Keine Lieder Über Liebe


  • Label: Grand Hotel Van Cleef/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Was hat man eigentlich anno 1995 gemacht, als man deutschsprachige Musik gehört hat, nicht gerade aus Hamburg kam und MTV als einziges relevantes Musikmedium benutzen durfte? Glücklicherweise hat sich für diese Randgruppe doch noch alles zum Guten entwickelt, auch wenn schlechte deutsche Teeny-Bands und Quotenradio-Diskussionen zu den Folgen gehören. Möchte man nun die Elite der deutschsprachigen Musik ausmachen, wobei alle kitschigen und national-provokaten Bands ausgeschlossen werden, so muss man wieder hoch in den Norden zur Hansestadt Hamburg.

Genau das hat auch Jürgen Vogel gemacht, als sich Anfragen für einen Independent-Musikfilm und für ein Album überschnitten. Aus einem riesigen Stapel von CDs hat er Tomte und Kettcar als möglichen Musikstil erkoren. Die Antwort der beiden Masterminds Uhlmann und Wiebusch hat letztendlich auch die Musikpresse in höchstes Schwärmen versetzt: Der Komponist der schönsten Wortkombinationen und der Zauberer für magische Musikmomente sitzen an einem gemeinsamen Album. Mit in der Band sind außerdem Max „der Hund Marie“ Schröder (Drums), der für die wunderbaren Arrangements von Olli Schulz verantwortlich ist, sowie Felix Gebhard (Bass, „Home Of The Lame“). Produziert wurde „Keine Lieder über Liebe“ vom Haus- und Hofproduzenten Swen Meyer.

Bereits mit „Baby Melancholie“ beginnt das Album mit einem Bild von einem Opener. Der Song aus der Feder vom Hund Marie kracht und wummt am Schlagzeug, während man den Titel einfach stimmig versucht mitzusingen. „Junger Hund“ und der Titelsong „Keine Lieder“ sind ebenfalls aus der Feder des (derzeitigen) Heike-Makatsch-Freundes Max Schröder. Die stilvollen Hymnen, die in den Songs dezent versteckt sind, lassen darauf hoffen, dass der Hund Marie bald sein eigenes Album veröffentlicht.

Natürlich fängt bei einer Gruppe wie der Hansen Band sofort das Raten an, wer welches Lied geschrieben hat. Was bei Schröder und Wiebusch sehr schwierig ist, ist bei Uhlmann ganz einfach: Die skizzenhaften Texte und die Einfachheit der Worte, die sich harmonisch ins Ohr brennen, sind zwei prägnante Elemente der Uhlmannschen Textkunst. So ist es nicht schwer herauszufinden, dass die erste Single „Kamera“ Thees’ Ode an Oasis ist und „Frankreich“ ebenfalls nur von Uhlmann sein kann. Dass nur zwei Lieder von dem Tomte-Frontmann kommen, liegt wohl nur daran, dass Tomte selbst noch an ihrem neuen Album arbeiten. Hingegen hat Marcus Wiebusch vier Lieder für den Soundtrack geschrieben: „Strand“, „18. Stock“, „Sinkflug“ und „Kreisen“, wobei nur „18. Stock“ nach Kettcar klingt. In den anderen emanzipiert sich Sänger Jürgen Vogel und findet tatsächlich seinen eigenen Stil, auch wenn er manchmal etwas uninspiriert klingt („Strand“). Der Kettcar-Basser und GHvC-Mitchef Reimer Bustorff hat mit „Alles teilen“ auch einen sehr guten Pop-Song zum Album beigesteuert.

Was bei einer Rezension einer CD vom Grand Hotel van Cleef nicht fehlen darf, ist der Absatz über die Texte. Natürlich gibt es auch hier wieder Zeilen, die man nachts im Schlaf sprechen möchte, an die Wand sprühen sollte und seiner Freundin sagen muss. Dass Schröder und Bustorff hier nicht mehr erwähnt werden, sollte niemanden verwundern, wenn doch: Setzen – Sechs! „Halt mich bis die Fliehkraft stärker wird“ (Wiebusch in „Kreisen“), „Ich werde dich warm halten über Nacht“ (Uhlmann in „Frankreich“) und „Nehme das, was passt, bau eine Festung, mit tollen Mauern aus Schwachsinn und Trauer“ (Wiebusch in „Sinkflug“) um nur wenige zu nennen.

Wer wissen möchte, wie man tolle deutschsprachige Musik konsensfähig macht, sollte die Hansen Band studieren, wer mehr über den Film wissen möchte, soll am 27.10. ins Kino gehen und wer meint, dass Schauspieler nicht singen sollten, soll sich die CD kaufen, denn Jürgen Vogel macht eine sehr gute Figur. Leider wird es wohl keine weitere CD der Hansen Band geben, dafür wird ein nicht enden wollender Mythos über dem Grand Hotel van Cleef schweben und zeigen, viele Köche verderben noch lange nicht den Brei.

Anspieltipps:

  • Kreisen
  • Frankreich
  • Alles teilen
  • Keine Lieder
  • Baby Melancholie
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