Geri Halliwell - Passion - Cover
Große Ansicht

Geri Halliwell Passion


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Als der Protagonist in dem Roman „Soloalbum“ zum ersten Mal erwähnt, dass er die Spice Girls verehrt – und zwar auch wegen der Musik – legt sich ein bedrückendes Lächeln auf die Lippen des Lesers, denn als Oasis-Fan kann man die Spice Girls nicht gut finden und man darf es erst recht nicht! Nun, wer zum Zielpublikum gehört und das Buch heutzutage zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird mit dem Bandnamen unter Umständen wenig anfangen können und muss sich im CD-Regal des größeren Bruders belehren lassen.

Fünf Jahre nach der Trennung der Spice Girls ist von der erfolgreichsten Mädchenband der Welt nichts mehr übrig und (glücklicherweise?) wurde die drohende Reunion für das „Live 8“-Konzert erfolgreich verhindert. Den einzigen Vorteil, den Spice-Girls-Gegner bei einer Wiedervereinigung der Gewürz-Mädels hätten, wäre der kreative Output, der sich lediglich auf ein Album konzentrieren würde. Derzeit nehmen die Mädchen aber alle Nase lang ein eigenes Album auf. So wie es Geri Halliwell wieder einmal getan hat. Nach dem mäßigen Erfolg ihres zweiten Albums „Scream If You Wanna Go Faster“ (2001) erscheint mit „Passion“ die Rückbesinnung zur netten Fahrstuhlmusik.

Bereits mit dem Opener „Passion“ und ihrem affektierten Gesang läutet Halliwell ein mit Jazz und Swing angehauchtes Pop-Album ein. Die Swingjazzmusik ist zunächst ungewohnt, aber nicht unvorhersehbar: Bereits Anfang des Jahres hat Emma Bunton, ebenfalls Ex-Spice-Girl, ein ähnliches Album rausgebracht. Auch wenn sich zunächst der Verdacht einschleicht, Geri Halliwell mache nun „erwachsene Musik“, fühlt man sich bei der Aussage gänzlich unwohl. Zu Recht, denn die Dame singt so übertrieben sexy, dass man deutlich merkt, dass sie sich sehr viel Mühe geben muss, um sexy zu klingen. Es scheint fast so, als sei das einzige Konzept des Albums, eine längst vergangene Leidenschaft für die Engländerin erneut zu wecken.

Eine gewisse Radiotauglichkeit ist bei den meisten Stücken des Albums garantiert, aber selbst fürs Radio sind die Songs auf Dauer zu langweilig. Die Wannabe-Kylie-Single „Ride it“ ist da keine Ausnahme. Die Ballade „Feel the fear“ spricht schon eher an. Zwar ist auch hier die Wahrscheinlichkeit, dass man den Text errät, sehr hoch, aber man sollte die Frau doch mal loben, wenn sie die Hände von Sachen lässt, für die sie kein Gespür hat und sich stattdessen auf das reduziert, was sie bereits zu Spice-Girls-Zeiten konnte: Nette Popsongs trällern.

Das Bossa-Nova-Stück „There’s always tomorrow“ gehört wieder zu den Titeln, von denen Halliwell lieber die Fingern lassen sollte. Nur, dass es hier der absolute Tiefpunkt des Albums ist. Selten fühlt man sich als Hörer so gequält. Glücklicherweise wirkt „Let me love you more“ mit seinem Mitsingrefrain wie eine Erholung. Ohne diesen Tiefpunkt wäre es aber ebenfalls nur ein netter Popsong mit der Bewertung „ausreichend“. Dagegen ist die zweite Ballade des Albums deutlich besser. Zwar kommt „Loving me back to life“ nur knapp an „Feel the fear“ ran, zählt aber ebenfalls zu den spärlichen Highlights des Albums. Aber wie tief muss man bitte ansetzen, um so was ein Highlight zu nennen?

Anspieltipps:

  • Feel The Fear
  • Loving me back to life
Neue Kritiken im Genre „Pop“
6.5/10

Listen Without Prejudice Vol. 1 / MTV Unplugged
  • 2017    
7/10

Moskau '77
  • 2017    
Diskutiere über „Geri Halliwell“
comments powered by Disqus