t.A.T.u. - Dangerous And Moving - Cover
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t.A.T.u. Dangerous And Moving


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Mal ehrlich, diese Lesbennummer war schon ein genialer Blödsinn, um zwei russische Teenager international als Popstars zu vermarkten. Ende 2002 begann diese geschickt eingefädelte Posse um Lena Sergeevna Katina und Yulia Olegovna Volkova, die als lesbisches Pärchen mehr durch ihre inszenierten Schlagzeilen als durch ihre auf den Leib geschriebenen trashig-genialen Lieder für Aufmerksamkeit sorgten. Innerhalb kürzester Zeit sorgten ein halbes Dutzend Hitsingles und fünf Millionen verkaufte Einheiten des Debüts „200 Km/h In The Wrong Lane“ für Hysterien auf der ganzen Welt. Dann war plötzlich Schluss. Yulia war schwanger und der Lesben-Fake spätestens jetzt enttarnt.

Inzwischen ist Töchterchen Victoria seit einem Jahr auf der Welt und das Image runderneuert. Das Duo verkündet nun, dass es nie lesbisch gewesen sei, höchstens ein bisschen Bisexuell. Na gut, geschenkt. Die t.A.T.u.-Macher haben sich nämlich schon den nächsten Skandal einfallen lassen. Im Video zur ersten Single „All about us“ spielt Yulia eine Prostituierte, die einen Freier in den Kopf schießt. Natürlich sind alle blutigen Details gut im Bild. Das freut die Yellow-Press und die Bravo tut auch ganz schockiert. Konzept aufgegangen. Dankeschön!

Wendet man sich einmal von diesen Nebensächlichkeiten ab, stellt sich beim neuen Album „Dangerous And Moving“ eine ganz andere Problematik heraus. Mit gerade mal fünf überdurchschnittlichen Songs und dem fehlenden Sensationsschub des Debüts, geht der zweiten Platte des Duos sehr schnell die Luft aus. Vielleicht liegt es daran, dass der renommierte Produzent Trevor Horn (Frankie Goes To Hollywood, Tom Jones, Pet Shop Boys) den beiden Russinnen lediglich bei einem Song unter die Arme griff. Unter der Oberaufsicht von Boris Renski wurde der Rest wiederum von Martin Kierszenbaum und Robert Orton, sowie Sergio Galoyan, Dennis Ingoldsby und Andy Kubiszewski erledigt. Als Gäste sind zudem Sting (spielt auf „Friend or foe“ Bass), Richard Carpenter (Streicherarrangements auf „Gomensai“) und Dave Stewart (Co-Songwriter von „Friend or foe“) mit von der Partie.

Geholfen hat es nicht viel. „Dangerous And Moving“ dümpelt die meiste Zeit saft-, kraft- und ideenlos vor sich hin und erreicht nur selten die Intensität des Vorgängers. „Dangerous“ (gefährlich) ist dabei kaum etwas. Und bewegen („Moving“) tut sich auch nicht viel. Dabei haben sich die Verantwortlichen alle Mühe gegeben, das Erfolgsrezept zu reproduzieren. So knallen in „Loves me not“ die E-Gitarren mit den Dance-Beats um die Wette, „Gomenasai“ ist eine schöne Ballade fürs Radio und wie geschaffen für das kommende Weihnachtsgeschäft und „Sacrifice“ taugt ebenfalls als etwas zahnloser Popsong für MTVIVA. Dagegen sacken „Craving“, „Perfect enemy“ und „Cosmos“ wieder gefährlich in den Kreativitätskeller. Und wie ein Song wie „Friend or foe“ mit dieser prominenten Unterstützung (siehe oben) als platter Schlager an die Wand gefahren werden kann – unbegreiflich.

Wenn man den letzten vorhandenen Sympathiebonus für die beiden Trash-Girls aus Moskau herauskramt, reicht es gerade mal für eine durchschnittliche Bewertung, denn richtig zufrieden kann wohl keiner mit den 13 Songs sein. Dazu hat sich einfach zuviel Füllmaterial und wenig aufregendes Allerweltsliedgut eingeschlichen. Damit wird es nicht leicht, an die Erfolge von vor zwei Jahren anzuknüpfen. Aber noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben. So ein kleiner Skandal kann schließlich Wunder bewirken...

Anspieltipps:

  • Sacrifice
  • Gomenasai
  • All about us
  • Obezyanka nol
  • Dangerous and moving
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