Goldfrapp - Supernature - Cover
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Goldfrapp Supernature


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn es beim ersten Hören nicht so scheint, braucht dieser Longplayer, wie auch seine Vorgänger, Zeit und einige Anläufe.

Im Jahr 2000 gab das Duo, bestehend aus der namensgebenden Alison Goldfrapp und Will Gregory, mit ihrem Debüt „Felt Mountain“ den ausgetretenen Pfaden des Trip Hop und Ambient ein neues, ausdruckstarkes Gesicht. Großflächig ergossen sich wahrhafte Wasserfälle des Kritikerlobs und Enthusiasmus seitens der Fans über die Engländer. Sie stachen durch visuelle Effekte sowie faszinierende Avantgarde hervor und wurden verdientermaßen für den Mercury Award nominiert. Der Nachfolger „Black Cherry“ zeigte eine berauschende Wandlungsfähigkeit und gab sich schillernd tanzbar. Wieder blieb eine Nominierung nicht aus, dieses Mal für den Brit Award. Fans und Presse gingen den stets nach Kunst strebenden Weg mit und erwiesen Goldfrapp erneut ihre Zuneigung, auch wenn die Überraschung nach dem ruhigen „Felt Mountain“ nicht unerheblich war.

Zur Überraschung reicht es mit dem neuen Album „Supernature“ nicht, sind die Sounds doch dominiert von energetischen Beats und zumeist simplen Strukturen. Das Album erscheint vordergründig und vielleicht sogar austauschbar, doch mit jedem Hördurchlauf ertappt man sich, seine anfängliche Meinung zu revidieren und den Suchtfaktor neben allerlei Feinheiten zu lieben. Man entdeckt eine zauberhafte und hochgradig ansteckende Euphorie, wie man sie nach dem erstmaligen Hören nicht vermutet hätte. Der Stern Goldfrapp: Er leuchtet noch immer.

Den Auftakt macht die Single „Ooh La La“, welche die Dance-Charts stürmt und uns mit Airplay im deutschen Musikfernsehen tänzelnd durch das Wohnzimmer laufen lässt. Über den nicht mit Reiz geizenden Sequenzern thronen Beats, die drängeln und lange im Ohr verweilen. Handclaps und modifizierte Gitarren spielen Ms. Goldfrapp zu. Alison betört mit ihrer Stimme, wie wir es gewohnt sind. „Lovely 2 C U“ lässt das Tempo auf hohem Niveau. Eingängiger kann ein Refrain kaum sein. Die Sounds erklingen teils verzerrt, welches die Endorphine noch verstärkt und uns die Repeat-Taste suchen lässt. Nur ganz bedächtig senkt sich das Tempo. „Ride A White Horse“ ist ein Midtempo-Stampfer, der ,eben noch im Gefrierfach, rasch auftaut. Erneut ist eine Gitarre im Einsatz, deren Lautstärke sich langsam erhebt, um gewaltig in gradlinige Beats überzugehen.

„You Never Know“ ist der erste Song, dem mehr Weite gelassen wird und sich von Melancholie zu einem theatralischen Ende bewegt. Alison Goldfrapp gibt sich ausdrucksstark und mit einem Hauch Manie, wenn ihr Streicher alles abfordern. Zum Träumen einladende Synthflächen kommen in „Let It Take You“ zum Zuge. Eine märchenhafte und sphärisch, leicht entrückte Atmosphäre macht sich breit. Welch´ wundervolle epische Eleganz Goldfrapp erzeugen können, zeigt besonders dieser Song. Sehr interessant ist zu sehen, dass die Tracks vom Tempo und Gesamtgefühl sehr gut kooperieren, obwohl sie allesamt neue Facetten offenbaren und vom kleinen Drama zum straighten Dance-Pop wechseln. Variable Rhythmen und geschickte Breaks bietet „Slide In“. Aus dem Synthesizer werden seltsame Soundkulissen herausgekitzelt. Doch die Melodie und die kickenden Loops finden immer wieder ihren Weg Richtung Eingängigkeit. Man kann sich diesem Zauber nicht entziehen. Möchte man auch gar nicht. Wenn man jetzt noch nicht verzaubert ist, tut es spätestens „Satin Chic“. Eine simple Keyboardharmonie fügt sich in tänzelnde Beats, die vom Swing nicht so weit entfernt sind, wie man es vermuten könnte. „Time Out From The World“ ist sehnsuchtsvoll und atmosphärisch eine echte Pracht. Größtenteils zart und die Orchestersounds unverblümt opulent. Eine Mischung, wie sie zur Zeit nur Goldfrapp flächendeckend hinbekommen und uns zum wiederholten Male erstaunt zurücklassen. Auch wenn es beim ersten Hören nicht so scheint, braucht dieser Longplayer, wie auch seine Vorgänger, Zeit und einige Anläufe. Dann jedoch wird man es mehr und mehr lieben und nicht mehr loslassen wollen.

Anspieltipps:

  • Lovely 2 C U
  • Slide In
  • Time Out From The World
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