Martha Wainwright - Martha Wainwright - Cover
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Martha Wainwright Martha Wainwright


  • Label: Zoe Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Martha Wainwright gehört zu den wenigen Geschichtenerzählerinnen, der man wirklich jeden Vers, jede Zeile und jedes Wort abnimmt.

Wenn man als Kind von der Folk-Sängerin Kate McGarrigle und dem Singer/Songwriter Loudon Wainwright III aufwächst, bedeutet das, dass der Sohn Rufus Wainwright ein Ausnahmetalent wird und dies 2003/2005 mit „Want One“ und „Want Two“ endgültig beweist. Da stellt man sich doch die Frage, warum in seiner albumlosen Zeit nicht die gesamte Aufmerksamkeit auf seiner Schwester Martha Wainwright liegt, denn auch sie hat die berühmten Eltern und nur weil der Bruder Talent hat, heißt dass nicht, dass sie keins hat.

Im Gegensatz zu Rufus widmet sich Martha ausschließlich der Folkmusik. Gitarre, Klavier, Drums, Bass und eine klare, prägnante Stimme. Leider sind die Songs, wie schon beim Bruder, nicht alle mit Genialität gesegnet, doch was Rufus mit Streichern, Bläsern und mit mächtigen Arrangements ausgleicht, kann Martha mit ihren einfachen Mitteln nicht. Gleichwohl befinden sich genug Songperlen auf ihrer CD, um sie gut zu finden. Sei es das reduzierte „Bloody Mother Fucking Asshole“ oder das mitsingwürdige „Factory“. Marthas Songs sind am besten, wenn die Songs fließen und sich der Gesang dazu dynamisch steigert. Da macht es auch nichts, wenn „Don’t forget“ etwas belanglos vor sich hinplätschert. Ihr bisheriges musikalisches Schaffen als Backgroundsängerin bei Rufus und Loudon merkt man auf Tracks wie „Far Away“ und „These Flowers“. Wie ein Orchesterarrangement zieht sich die Backgroundstimme durch „Far Away“ und findet sein Finale erst beim letzten Takt des Schlagzeugs.

Den wenigsten mag Martha in dem Film „The Aviator“ aufgefallen sein. Auffällig wurde die 29-Jährige erst mit dem Stück „Little Sister“, dass ihr Bruder Rufus auf „Want Two“ für sie geschrieben hat. Dabei begann die New Yorkerin bereits 1997 Songs zu schreiben, die sie auf EPs oder mit ihrem Vater sang. Dass erst 8 Jahre später ihr erstes Soloalbum erscheint, ist wegen des Talents und den nötigen Kontakten zur Musikindustrie verwunderlich. Dafür strahlt das Album im Glanz des allgemeinen Folk-Booms und ist mühelos in einer Reihe mit Ryan Adams oder KT Tunstall zu nennen. Hier mal ein paar Streicher, dann Flöten und Bläser - Martha versteht es, nicht von sich abzulenken und doch die Individualität der Instrumente herauszuarbeiten („Who was I kidding“). Fast schon märchenhaft geleiten sie durch „These Flowers“ und wirken dabei mit so einer Leichtfüßigkeit, wie sie sonst nur ein Leonard Cohen schaffen kann.

Martha Wainwright gehört zu den wenigen Geschichtenerzählerinnen, der man wirklich jeden Vers, jede Zeile und jedes Wort abnimmt. Wie sie die Worte „I’m not such a good lover, I’m a better talker, so when you touch me there I’m scared that you’ll see not the way that I don’t love you but the way that I don’t love myself“ („TV show“) in des Hörers Ohren flüstert, wirkt so persönlich und einmalig, dass man von ihr sogar jedes dieses Wörter zweimal hören möchte. Leider hat man viel zu oft das Gefühl, dass man musikalisch alles mehr als zweimal schon bei ihr gehört hat und deshalb wirken auch nur die einzelnen Songs und nicht das Album als Gesamtwerk. Aber sobald die Pianoballade „Wither must I wander“ verklingt und damit der Abschluss des Debütalbums eingeleitet wurde, ist man sich sicher, dass man von dieser Frau in den nächsten Jahren noch einiges erwarten darf.

Anspieltipps:

  • Factory
  • Far Away
  • Wither must I wander
  • Bloody Mother Fucking Asshole
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