Aerosmith - Rockin´ The Joint - Cover
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Aerosmith Rockin´ The Joint


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Neue Energie durch wiederentdeckte Blueseinflüsse.

Live in einem Casino in Las Vegas aufzutreten, das war bis jetzt nur etwas für Schlagerstars wie Celine Dion und Elton John. Doch weil die Herren von Aerosmith auch nicht mehr zu den jüngsten Rockern auf dieser Erde zählen, haben sie es ihren Kollegen gleichgetan und die große Stadionbühne gegen die Intimität eines Clubs eingetauscht. Passiert ist dieses Ereignis allerdings schon im Januar 2002, als Steven Tyler, Joe Perry, Brad Whitford, Tom Hamilton und Joey Kramer in Peter Morton’s Hard Rock Hotel und Casino aufgetreten sind.

Weshalb eine Nachbetrachtung auf CD unter dem Namen „Rockin’ The Joint“ erst jetzt, drei Jahre später, erscheint, können wohl nur die Verantwortlichen von SonyBMG bzw. die Jungs von Aerosmith beantworten. Vielleicht sollen damit die schwachen Verkaufszahlen der „Honkin’ On Bobo“-CD (2004) und des Joe Perry Soloalbums (2005) während der einjährigen Bandpause kompensiert werden. Aber vielleicht sollte man diese Veröffentlichung auch nicht so hoch aufhängen.

Schaut man sich die Tracklist von „Rockin’ The Joint“ an, fällt positiv auf, dass nicht nur die üblichen Hits wie „Walk this way“ und „I don’t want to miss a thing“ verbraten wurden, was bei mageren 58 Minuten Spielzeit, bei der sogar die 21-sekündige Begrüßung des Publikums als einzelner Track aufgeführt wird, mehr als überflüssig gewesen wäre, sondern stattdessen vergessene Perlen und Coverversionen wie „No more no more”, „Draw the line“, „Train kept a rollin’“ und „Same old song and dance” zum Einsatz kommen. Damit nimmt sich diese CD schon mal wohltuend von der Live- und Best-Of-Schwemme der letzten Jahre aus. Zudem hat man auch nicht das Gefühl, dass die Band mit halber Kraft agiert, was ein Clubauftritt im Vorfeld suggerieren mag. Dazu steckt in Songs wie „Draw the line“ einfach noch zuviel Leben, als dass die Band nicht auch abseits der großen Stadionbühnen das Maximum aus ihnen herausholen würde.

Ausschlaggebend für diese neuartige Energie ist sicher der wiederentdeckte Blueseinfluss der Luftschmiede, die den Hardrock der späten 80er und frühen 90er Jahre etwas zurückschrauben und ihren Sound mit handgemachtem Bluesrock würzen. So passt es am Ende hervorragend zusammen, dass eine kitschige Breitwandballade wie „I don’t want to miss a thing“ aus der Feder von Diane Warren neben treibenden Bluesrockern wie „Big ten inch records“ (mit Russ Irwin an den Keyboards) und ausladenden Coverversionen wie „Rattlesnake shake“ steht. Mal schauen, welche Inspiration Aerosmith daraus für ihr neues Studioalbum ziehen.

Kleine Anmerkung am Rande: Das Album erscheint auch im fragwürdigem „DualDisc“-Format mit vier Bonus Tracks als zusätzlichen Kaufanreiz. Fragwürdig ist das neuartige Format deshalb, weil es für die Silberlinge (eine CD-Seite, eine DVD-Seite) keine Abspielgarantie für alle Gerätetypen gibt. In den USA prangen deshalb große Warntexte auf den Albumcovern, um großartige Umtauschaktionen (oder schlimmer: Rechtsstreite) zu vermeiden. In Deutschland wird dieses Thema (noch) totgeschwiegen. Dabei ist es einfach nur peinlich, wenn ein mehrere hundert Euro teurer SACD-Player von Sony das im eigenen Haus entwickelte Format nicht abspielen kann, weil die CD-Schicht der DualDisc nicht dem „Redbook-Standard“ entspreche und damit keine echte Audio CD darstelle.

Anspieltipps:

  • Draw the line
  • No more no more
  • Big ten inch records
  • Train kept a rollin’
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