Tony Iommi - Fused - Cover
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Tony Iommi Fused


  • Label: Sanctuary Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Superbands sind im weitesten Sinne der neueste Schrei. Was mit dem Zusammenschluss von ein paar Künstlern zu karitativen Zwecken begann, ist nun einer etwas eigeninitiativeren Intention gewichen. Bereits einige Momente nachdem sich eine kommerziell erfolgreiche und über einen gewissen Zeitraum international angesehene Band getrennt oder ein Mitglied aus der Gruppe seinen Ausstieg offiziell verkündet hat, sind auch schon die ersten Gerüchte über weitere Projekte, eine neue Band oder sonstigem Tratsch im Umlauf. Natürlich gibt es im Zuge dessen auch unzählige Falschmeldungen und Unwahrheiten, die zwischenzeitlich das Herz eines jeden Fans der getrennten Formation angesichts von sensationellen Nachrichten über Reunions etc. höher schlagen lässt. Da in jeder Lüge bekanntlich auch ein wahrer Kern steckt, bewies letztes Jahr der Output „Contraband“ von Velvet Revolver, die sich aus den Überbleibseln von Guns´n´Roses und den Stone Temple Pilots zusammengeschlossen haben. Die Euphorie war groß, die Erwartungen hoch. Die erhoffte Qualität wurde nicht ganz erreicht, aber angeblich war das nicht das letzte Werk dieser Gemeinschaftsproduktion (um die Gerüchteküche jetzt kurzfristig wieder ins Laufen zu bringen).

Bei „Fused“ kann zwar nicht ausnahmslos von einer Superband gesprochen werden, eine Vereinigung von zwei der bedeutendsten Künstlern im Sektor Hardrock lässt diese Bezeichnung allerdings aufflammen und durchaus einiger Berechtigung zukommen. Eigentlich handelt es sich nämlich um das bereits dritte Soloalbum von Tony Iommi (belässt man „Seventh Star“ als einen Black Sabbath Output), einem der Gründungsväter von Black Sabbath, dem Glenn Hughes, der zu seinem Ruhm beiträgt, in dem er in die Hochblüte von Deep Purple einsteigt und Roger Glover ersetzt, mit seinen Fähigkeiten als Sänger und Bassist Unterstützung liefert. Als Drummer wurde Kenny Aronoff verpflichtet, der über keine richtige Stammband verfügt, sich aber durch gelegentliche Aushilfsarbeiten bei den Smashing Pumpkins, Melissa Etheridge, John Fogerty und John Mellencamp einen Namen gemacht hat und somit als eine solide Kraft angesehen werden darf.

Die Zusammenarbeit zwischen Iommi und Hughes rührt nicht etwa von der gemeinsamen drogenschwangeren Vergangenheit her, an der der „Dunkelblaue“ beinahe sein Leben gelassen hätte, sondern aus dem 2004 erschienenen „The Dep Sessions“, dass aufgrund der lockeren Produktion eher als Aufwärmübung, denn als richtiges Album gelten kann. Als Entschädigung gibt es jetzt „Fused“, dass vor Riffwänden und althergebrachten Solis nur so strotzt. Damit diese Platte allerdings nicht nur älteren Semestern schmackhaft gemacht wird, bleibt an dieser Stelle zu sagen, dass manche Nu-Irgendwas Band, die heute total angesagt ist, erst einmal auf das spieltechnische Level kommen muss, dass die zwei Herren hier bieten. Wenn ein Track beginnt, dann gibt es am musikalischen Grundgerüst nichts zu rütteln. Die Virtuosität von Iommi und Hughes ist unbestritten erste Güte. Auch die Texte, die durch die Hoch-Tief-Nuancen des singenden Bassisten vorgetragen werden, sind makellos.

Was hält „Fused“ also davon ab zu einem der Alben des Jahres zu werden? Zwei Dinge: Der Aufbau der einzelnen Tracks und der dominante Background-Einfluss von Iommi. Zu letzterem ist zu sagen, dass, obwohl Black Sabbath zu einer der einflussreichsten Bands der 60-er und 70-er gehört, sie seit dem Ausstieg von Ozzy Osbourne nur kurzfristig von Ronnie James Dio gerettet werden konnte (die Besetzung mit Ian Gillian vergessen wir wieder ganz schnell) und als nach seinem Rücktritt und der Gründung seiner eigenen Band Dio Tony Martin das Mikro in die Hand nahm, nur mehr vor sich hin siechte. Wirklich herausragende Alben entstanden in dieser Zeit nicht, erst als ein Reunion-Konzert mit Ozzy gegeben wurde, sperrte der jahrelange Fan seine Lauscher auf. Diese künstlerische Durststrecke, die bei Black Sabbath noch bis heute anhält und aufgrund von Osbournes abgewracktem Körper wohl nicht beendet werden kann, hört man in „Fused“ deutlich raus. Schließlich wäre es sehr verwunderlich, wenn Tony Iommi zwar Solo Hammersongs schreibt, aber für seine Hauptband nur mehr zwei- bis drittklassige Stücke abliefert. Verblüffenderweise ist der Unterschied zwischen dem gewohntem Material der letzten Jahre von Sabbath und dem auf der vorliegenden Platte dennoch erheblich, was einige Tracks rettet.

Mit diesem Manko einher geht der Aufbau. Durch die offensichtliche Ähnlichkeit mancher Songs ist Abwechslung bei einem kompletten Durchlauf nicht immer gegeben und dem Hörer fällt manchmal gar nicht auf, dass schon das nächste Lied am Laufen ist. Das ist zwar äußerst schade, aber durchaus verständlich, wenn jemand wie Iommi seit über 30 Jahre an die 200 Stücke geschrieben hat. Da kann es vorkommen, dass einem nichts mehr einfällt. Nichtsdestotrotz macht die gewohnte Virtuosität des Haupt- und der Nebenprotagonisten einiges wieder wett, sodass nicht von Durchschnittsware, sondern passablem Überdurchschnitt gesprochen werden darf.

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