Heather Nova - Redbird - Cover
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Heather Nova Redbird


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Für Heathers Fans ist „Redbird“ wieder mal ein Fest für die Sinne.

Wer noch die ruhigen Klänge des herausragenden Albums „Storm” (2003) in den Ohren hat, könnte bei den ersten Takten des Nachfolgers „Redbird“ ernsthaft erschrecken, denn die introvertierte Folk-Phase scheint im Hause Nova abgeschlossen zu sein. Nach der Geburt ihres Sohnes Sebastian im Januar 2004 und der längsten Pause in ihrer 15jährigen Karriere, schlägt sie jetzt wesentlich rockigere Töne an, allerdings ohne den stellenweise belanglosen Pop-Tunes von „South“ (2001) nachzueifern. Das ergibt unterm Strich keinen Meilenstein wie „Storm“ bzw. „Siren“ (1998), aber zum Glück auch keinen Ausflug in die Untiefen massentauglicher Radiomusik, auf den die erste Single „Welcome“ durchaus hindeutet.

„Welcome“ – ursprünglich auf der US-Version von „South“ (2002) zu finden – wurde zusammen mit Dido Armstrong geschrieben, ohne dass sich die beiden Damen jemals im Studio begegnet wären. Die moderne Technik (Email) macht’s eben möglich. Viele europäische Fans wünschten sich den Song für eine der nächsten CDs, um in den Besitz des Tracks zu kommen, ohne das Album „South“ ein zweites Mal kaufen zu müssen. Diesem Wunsch ist Heather auf nun nachgekommen, nachdem das Stück auf „Storm“ ein totaler Fremdkörper gewesen wäre, denn so poppig klang Heather lange nicht mehr.

„I miss my sky (Amelia Earhart’s last days)“ ist Heathers persönlicher Lieblingssong auf „Redbird“. In der Tat zählt das Stück zu den interessantesten auf dem neuen Album. Mit über fünf Minuten Spielzeit ist er zugleich der längste Track auf „Redbird“. Genügend Zeit, um einen fein durchdachten Songaufbau in die Tat umzusetzen. Angefangen mit zarten Akustikklängen und leisem Sprechgesang, entwickelt sich der Song stetig weiter. Drums und E-Gitarre greifen ein, das Spiel wird lauter und Heather steigert die Dynamik der Vocals. Begleitet wird sie dabei von der Violinistin Sophie Solomon, die einen starken Job macht. Prinzipiell würde der Song auch gut zum „Storm“-Repertoire passen, was für die Qualität des Songwritings spricht.

In „Motherland“ verarbeit Heather die neuen Gefühle des Mutterseins. Mit seiner eingängigen Melodie und dem positiven Text („If I could keep you underneath my wing / The sky above you, safe from everything / Under, under my wing / To watch you breathing is all that I can do / To see you smile, my only wish come true / I’m living, living for you / The waves roll in, I help you swim / You take my hand / And through the years and through the fears / I’ll be your rock, the motherland“), zählt „Motherland“ zu den Hits des sechsten Studioalbums. Im Titeltrack „Redbird” thematisiert Heather die Farbe Rot, wobei diese als Symbol für die Liebe, das Leben, den Tod und auch Sexualität steht. „Overturned“ wartet nochmals mit Sprechgesang und recht rockigen Gitarren auf, während „Done drifting“ das Gefühl aufgreift, wie es ist, wenn man sein persönliches Seelenheil in all dem Chaos um einen herum findet. Dazu spielt die Wurlitzer und ein Gospelchor singt.

Wann machen Coverversionen Sinn? Wenn man einem Song eine neue, eigene Note gibt oder ihn möglichst nah am Original nachspielt? Darüber streiten sich Fans und Kritiker seit Jahren. Auch Heather Nova kann in diesem Fall nicht zur Aufklärung beitragen. Sie spielt den Chris-Isaak-Klassiker „Wicked games“ 1:1 nach, was unterm Strich als ganz nett gewertet werden kann. Neue Erkenntnisse liefert aber auch sie nicht. Das Prädikat „überflüssig“ dürfte deshalb bei vielen Kritikern schnell zur Hand sein. Überflüssig oder gar langweilig ist das neue Album dagegen nicht. Es braucht zwar etwas Zeit, bis man sich in die 12 Tracks hineingehört hat, doch dann packt einen die positive Stimmung des Albums, das sich als abwechslungsreiches Werk zwischen Rock, Pop und Folk herausstellt. Die Melodien sind wie immer von einer beeindruckenden Leichtigkeit, die durch Heathers akzentuierten Gesangsstil immer noch dazugewinnen.

Für Heathers Fans ist „Redbird“ wieder mal ein Fest für die Sinne. Doch ob es diesmal zu mehr Verkäufen reicht, als die 400.000 „Storm“-Alben, bleibt abzuwarten. Vielleicht bringt die Kollaboration mit Dido ja ein paar Hörer mehr in den Genuss. Es wäre jedenfalls zu begrüßen.

Anspieltipps:

  • Redbird
  • Motherland
  • Done drifting
  • I miss my sky
  • The sun will always rise
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