Roisin Murphy - Ruby Blue - Cover
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Roisin Murphy Ruby Blue


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Roisin Murphy meldet sich zurück. „Ruby Blue“ heißt das erste Soloalbum der umtriebigen Irin.

Sie ist Club-Queen und exaltierte Schuh-Fetischistin, Partygirl und weiße Soul-Diva. Und ihre Stimme ist so vielseitig und aufregend wie London bei Nacht: Roisin Murphy meldet sich zurück. „Ruby Blue“ heißt das erste Soloalbum der umtriebigen Irin.

Wie nah Eleganz und Dissonanz, samtweiche Stimme und Knoten im Hals beieinander liegen können, hat Roisin Murphy jahrelang an der Seite von Mark Brydon als singende Hälfte des Electronic-TripHop-Duos Moloko gezeigt. „Fun For Me“, „Sing It Back“, „The Time Is Now“ und „Familiar Feelings“ heißen Moloko-Hits, die in den unzähligen Remix-Versionen von Produzenten wie Boris Dlugosch oder Matthew Herbert Europas Clubs und Charts stürmten. Ob es Moloko noch gibt oder ob der Start von Murphys Solo-Karriere gleichzeitig das Ende einer erfolgreichen musikalischen Partnerschaft (die zwischenmenschliche Partnerschaft von Brydon und Murphy wandelte sich ja bereits während der Moloko-Zeit von Beziehung in platonische Freundschaft) bedeutet, ist unbekannt.

Mit Matthew Herbert hat sich Roisin Murphy für ihr Debüt nun ein wahres Genie in Sachen elektronischer Musik an Land gezogen. Herbert brachte der Sängerin erst einmal bei, dass gute elektronische Musik auch völlig ohne Synthesizer auskommen kann. Nur mit gesampelten Alltagsgeräuschen nämlich – eine der Spezialitäten des eigenwilligen Briten. Auch auf „Ruby Blue“ hat Herbert mächtige Fußstapfen hinterlassen: es klickt und klackert, scheppert und rauscht, und groovt dabei so unverschämt, dass beim Hören jeder Muskel zuckt. Roisins Gesang ist wie immer erotisch, verraucht, mal gekonnt schräg, dann wieder glockenhell und rein. „If I need a rhythm, it’s gonna be to my heart I listen“, singt Roisin Murphy synkopisch über mächtige Paukenschläge in „Ramalama (Bang Bang)“, einem jener Songs, die ohne weiteres auch auf das erste Moloko-Album von 1996, „Do You Like My Tight Sweater“ gepasst hätte.

In Sachen Brass lassen es Herbert und Murphy auf „Ruby Blue“ im Übrigen mächtig krachen: In „Night Of The Dancing Flame“ erinnern Bläsersätze mit Saxophon, Posaune und Trompete an den Balkan-Sound eines DJ Shantel, ganz gemäß Herberts neuer Vorliebe für Blechbläser, die er auch in dieses Projekt gekonnt einfließen lässt. Man kann es auch symbolisch sehen: „Ruby Blue“ ist sprichwörtlich ein Comeback mit Pauken und Trompeten.

Anspieltipps:

  • Ruby Blue
  • Sow Into You
  • Ramalama (Bang Bang)
  • Night Of The Dancing Flame
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