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Klee Jelängerjelieber: Live Edition


  • Label: Ministry Of Sound/EDEL
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

"Jelängerjelieber" ist kein Album, das den Musikinteressierten einengt bzw. bedrängt.

Klee, die neue deutsche Hoffnung am großen Pop-Himmel. Die Band sind Suzie Kerstgens (Gesang), Sten Servaes (Piano, Gesang) und Tom Deininger (Gitarre). Bis zum Jahre 2002, als es mit Klee losging, nannten sie sich noch Ralley. Unter diesem Bandnamen tobten sie seit Beginn der Neunziger durch`s Land. Doch dann brach ein neues musikalisches Zeitalter in deutschen Landen an: Klee brachten wieder Schwung unter`s Scheunendach und zeigten den drögen Keksen, was geht, wie`s geht und wohin das alles führen kann.

Klee ist eine Band, die sich im Jahre 2004 durch etliche Live-Auftritte ans Volk heran gespielt hat. Sie tourten unermüdlich durch Europa und avancierten langsam aber sehr sicher zu einer der angesagtesten Deutschpop-Bands des Jahres, was sich 2005 bisher nicht geändert hat, doch ... sie haben noch mächtiger abgeräumt, auch ist dieses Jahr erst halb "verbraucht". Klee spielten mal eben 35 Städte platt, sorgten für viele unvergessliche Abende und ließen sich selbst durch all die neu gewonnenen Einflüsse neu inspirieren, was dem "Musikabnehmer" sicherlich sehr bald schon anhand eines dritten Albums zugute kommen wird. Die Aufnahmen sind für ab September 2005 geplant. Das Klee-Live-Jahr ist selbstverständlich noch nicht zu Ende, daher tourt die Combo jetzt erstmal auf diversen Sommer-Festivals. Ende August spielen sie ihren Tour-End-Gig zusammen mit Nena in Braunschweig.

Als Dankeschön für die treuen Fans, als Möglichkeit zum Nachgenießen, als "Bewerbung" bei potentiellen Musikliebhabern bringen Klee am 13.06. jetzt eine limitierte Live-Edition ihres Kracher-Albums "Jelängerjelieber" heraus. Dieses wird auf 3.000 Exemplare begrenzt sein und enthält ein Poster mit Fotos, die von Fans geschossen wurden und ein Tourplakat sowie eine Extra-CD mit 5 Live-Nummern sowie den Videos zu "Gold", "Tausendfach" und "2 Fragen". Das Bonbon schlechthin ist der enthaltene Tourfilm "Zwei Tage für immer" (Spielzeit 30 Minuten), der Klee im April auf ihrer Reise durch Amsterdam und London zeigt. Die Albumkäufer-Herzen werden fast aus dem Rahmen hüpfen, wenn entdeckt wird, dass die Live-Edition auch noch ein Passwort enthält, mit dem man sich auf der offiziellen Webseite weitere, bisher nicht veröffentlichte Live-Songs und -Ansagen runtersaugen kann, gratis versteht sich. Sind diese 3.000 CDs ausverkauft, müssen sich die Fans wieder mit der Version für Normalsterbliche begnügen: "Jelängerjelieber" als normale Studio-CD.

"Jelängerjelieber" als Live-Edition oder auch Normal-Edition bietet transparanten, filigranen, flüssigen, puren, schnörkellosen Pop, der es in sich hat, der hängen bleibt, der ins Blut übergeht. Eine leichte Verwandtschaft mit Bands wie Coldplay, New Order, Air oder The Smith ist deutlich heraus zu hören, auch bauen Klee sich mit ihrer Musik einen eigenen bunten Kosmos auf, der Eigenleben hat und hören lässt. Die wahrscheinlich besten Ton-Ingenieure Deutschlands legten bei "Jelängerjelieber" Hand an: Peter Schmidt (u. a. tätig für Rosenstolz, Beatsteaks, Blumfeld) und Jem (Angelika Express, Virginia Jetzt!). Daniel Klingen (Schlagzeug) und Christoph Schneider (Bass) gehören zur Stamm-Mannschaft von Klee, allerdings nicht fest zur Band. Ein Co-Writing gab es von und mit Tom Liwa, vielen bekannt durch Flowerpornos, der sich bei "Keine zehn Pferde" und "Mein Geheimnis" einbrachte. Background-Gesang gab es in Gastform von den drei Jungs von Angelika Express und Markus Berges (Erdmöbel). Dann wäre da noch Cornelius Quabeck aufzureihen, der die akutische Gitarre auf "Mein Zimmer" beisteuerte und last but not least: La Hagen. Nina Hagen herself gab ihr Klee-Debut auf "Gegen den Strom". La Hagen war schon zu Ralley-Zeiten ein großer Fan dieser Formation.

Die Stimme von Suzie versprüht Emotionen, Ruhe, Zärtlichkeit, Wärme, Liebe, Ehrlichkeit und ist irgendwo zwischen Bitch-Power und Nena einzugruppieren. So detailliert in eine Schublade passt sie jedenfalls nicht. Die Frontfrau packt die Zuhörer, wickelt sie ein, nimmt sie mit, lässt sie so schnell nicht wieder los. Eine Ausstrahlung wie sie sonst nur eine Gwen Stefani zeigte. "2 Fragen" ist zum Beispiel so eine "Mitnehmnummer", die einfängt. Man kann sich nicht wehren, man muss mitsummen und in dieses Lied hinein kriechen. Was allerdings etwas aufdringlich wirkt, ist der zu Nena-haftige Gesang, der Suzie in diesem Fall ihre Persönlichkeit nimmt, was schade ist. "Solang du lebst" ist eine deftige Pop-Rock-Nummer mit straightem Piano-Lauf, fetziger Gitarre und wundervollem Text. Bei "Wunschfrei" hämmern marschähnliche Drums auf uns ein. "Unser Film" hingegen lebt vom effektvollen Baßspiel und verfügt über einen enormen Flow. "Keine 10 Pferde" könnte man als Soft-Punksong betiteln: ein flottes Arrangement mit Sambadrums und führender E-Gitarre. Die verträumteste Geschichte auf diesem Album wird wohl "Mein Zimmer" sein. Die Akustik-Gitarre lädt zum Träumen ein, die Orgel zum Chillen. Eine prächtige Songwriter-Nummer.

So gar nicht gefallen hat "Für alle, die". Der Text wird zwei Minuten lang enorm monoton wiederholt, immer nur der Satz "Das hier ist für alle, die ..:", was nach der dritten Schleife irgendwie Zuckungen in den Fingern verursacht, die liebend gern auf den "Weiter-Knopf" drücken wollen, um diesen faden Einklang zu beenden. Nach diesen besagten zwei Minuten wird es allerdings lecker spacig, groovig und wieder flüssig, so dass 50 % des Songs doch noch reinknallen, völlig unerwartet. Dieses Problem taucht bei Klee leider öfters mal auf, dass sich der Refrain nicht durch Melodie gesteuerte Wiederholungen prägt, zum Ohrwurm wird, sondern nur dadurch, dass der Text immer wieder und wieder wiederholt wird, was der Sache nicht wirklich förderlich ist. Man merkt sich den Text zwar schneller (man hat sich ja auch nicht viel zu merken), aber es wird ziemlich schnell Nerv tötend langweilig. "Tausendfach" und "Gold" sind natürlich die genialsten Nummern, räumten diese auch schon als Singles mächtig ab. "Mein Geheimnis" ist unbedingt zu erwähnen, die Synthy-Rock-Nummer schlechthin, geprägt durch eine tiefe Ero-Stimme von Suzie. Gewagt, gewonnen!

Besonders hervorzuheben sind in diesem Spezial-Fall die Live-Nummern von Klee. "Unverwundbar" und "Gold" kommen erst so richtig zu ihrem Recht, wenn sie live performt werden. Suzie lässt ihrer Stimme mehr Freiheit und nutzt ihren Klangkörper mehr aus, das Gitarrenspiel von Tom klingt viel freier, lockerer, grooviger. Man merkt, die Band hat irren Spaß unterwegs, denn der überträgt sich ohne was auf den Zuhörer.

"Jelängerjelieber" ist kein Album, das den Musikinteressierten einengt bzw. bedrängt. "Jelängerjelieber" lädt zum Mitmachen ein, zur Reise in die Kleewelt, für eine Stunde unterwegs zu sein und zu genießen. Interessant und wertvoll wird diese Live-Edition vor allem durch die fünf Live-Nummern, die ohne zu Zögern sofort den Platz im Player für sich eingenommen haben. Der Tourfilm macht Bock auf mehr, vor allem, wenn man sich vorstellt, man dürfte auch mal zusammen mit Suzie Niederländisch lernen und die flotte Antje angraben. Und wenn Klee da mal Nachhilfe benötigen, stehe ich jederzeit gern zur Verfügung. Vorausgesetzt, das Tour-Catering beinhaltet Bami-Kroketten :-)

Dieses besondere Album in dieser speziellen, streng limitierten Form sollte man sich unbedingt anschaffen, auch hat man evtl. "Jelängerjelieber" bereits in der Studio-Fassung im Schrank stehen. Klee bieten dem Endabnehmer wirklich so einiges, besonderes, hörbares, was man sich nicht entgehen lassen sollte. Und denkt daran: es gibt nur 3.000 Exemplare, und eins davon besitze ich bereits ...

Anspieltipps:

  • Tausendfach
  • Gold
  • 2 Fragen
  • Solang du lebst
  • Keine zehn Pferde
  • Mein Zimmer
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