James Blunt - Back To Bedlam - Cover
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James Blunt Back To Bedlam


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „Back To Bedlam“ präsentiert sich James Blunt als gefühlvoller Songwriter mit einem Händchen für Melodien und Arrangements.

Der Lebenslauf des englischen Singer/Songwriter James Blunt ist ganz anders, als man ihn sich bei Musikern gemeinhin vorstellt. Aufgewachsen in einer völlig unmusikalischen Familie, mit einem karrierebewussten Berufssoldaten als Vater, besuchte James eine naturwissenschaftliche Schule, machte mit 16 seinen Pilotenschein und besuchte pflichtbewusst die Army. Er wurde Captain und ging in als Aufklärungsoffizier einer Panzereinheit in den Kosovo, um im dortigen Kriegsgebiet die UN-Truppen zu verstärken.

Blunts Hobby war allerdings schon zu Teenagerzeiten die Musik. Er schwärmte für Queen und die Dire Straits und spielte auf der Akustikgitarre Songs von Nirvana nach. Er entwickelte eine große Liebe für das Arrangieren von Songs, die sich auch während seiner Militärzeit nicht legte. So hatte er auch im Kosovo seine Gitarre dabei und tüftelte in der knappen Freizeit an eigenen Songs herum. Der Titel „No bravery“ (produziert von Linda Perry!) entstand zum Beispiel auf diese Weise.

Im Jahr 2002 verließ er die Army mit einem Haufen Demo-Songs unterm Arm und hängte seinen sicheren Job zum Entsetzen seines Vaters an den Nagel. Er hatte sich vorgenommen, sich als Musiker durchzusetzen und tatsächlich lernte er eines Tages dann Linda Perry kennen, ihres Zeichens Songwriterin u.a. für Christina Aguilera, Kelly Osbourne und Pink, die ihm einen Vertrag auf ihrem Label Custard Records an bot. Im September 2003 ging James nach Los Angeles, um sein Debütalbum „Back To Bedlam“ aufzunehmen. Er wohnte in der Wohnung bei einer Schauspielerin, in deren Badezimmer er den Song „Goodbye my lover“ aufnahm, weil das Mädel dort ein altes Klavier stehen hatte. Ein Klavier im Badezimmer – das ist Hollywood! Und obwohl James Blunt nicht gern über die Bedeutung und Inhalte seiner Songs spricht, gesteht er ein, dass „So long, Jimmy“ durch Jim Morrison (The Doors) inspiriert wurde, was man allerdings nur durch genaues Hinhören entdeckt (zum Schluss des Liedes verwendet Blunt die Orgel-Harmonien von „Riders on the storm“).

In seiner englischen Heimat ist James Blunt bereits sehr erfolgreich mit „Back To Bedlam“. In den Album-Charts befindet sich das Werk aktuell auf Platz 1 (Gold-Status) und die neue Single „You’re beautiful“ steht auch nicht schlechter da. Hier entwickelt sich offensichtlich jemand vom Geheimtipp der britischen Insel zum europäischen Star. Da wird es Zeit, dass „Back To Bedlam“ auch endlich in Deutschland auf den Markt kommt! Anfang September ist es dann auch so weit. Das von Tom Rothrock (Beck, Badly Drawn Boy, The Shining, Elliott Smith) und Jimmy Hogarth (Unkle, Tina Turner, Amy Winehouse, Herbert Grönemeyer) produzierte Album kommt auch bei uns offiziell auf den Markt.

Auf „Back To Bedlam“ präsentiert sich James Blunt als gefühlvoller Songwriter mit einem Händchen für Melodien und Arrangements. Titel wie „High“ und „So long, Jimmy“, die kraftvollen, aber nicht überladenen Folkrock bieten, oder Balladen wie „Cry“, „Goodbye my lover“, „Tears and rain“ und „You’re beautiful“, die schlicht zu Tränen rühren, sind herausragende Ausweise für ein neues Talent am Songwriterhimmel, dem es einfach Spaß macht, zuzuhören. Denn auch die Texte Blunts stammen direkt aus seinem Leben und seinem Herzen. Es geht nicht um irgendwelche konstruierte Geschichten, sondern um echte Gefühle, die er völlig unbefleckt von Zynismus mit sanfter Falsettstimme zu einer klassischen Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Drums und Orgel vorträgt, die seine Stücke in ein warmes Klangbild verpacken. Dies lässt am Ende nur ein Fazit zu: James Blunt ist eine echte Entdeckung für Singer/Songwriter-Freunde, die einen kleinen Schuss Popmusik vertragen können. Prädikat: wertvoll!

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