Bleibende Schaeden - Hossa Mein Kleines Leben - Cover
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Bleibende Schaeden Hossa Mein Kleines Leben


  • Label: Capitol East Road Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Bandname (Bleibende Schaeden), Titel des Albums („Hossa mein kleines Leben“) und die Künstlernamen der Musiker (Goliath & Gottesfurcht) klingen irgendwie nach ganz schlechter Comedy. Eine echte Steilvorlage für den bösen Rezensenten, der stets auf der Suche nach Vorurteilen und Schubladen ist. Da bleiben genau zwei Möglichkeiten: die CD landet gleich in der Mülltonne (wo das potthässliche Artwork sowieso hingehört) oder man macht sich die Mühe, das Debütalbum der Herren Dietmar „Goliath“ Schmeil (Vocals, Gitarre, Lyrics), Gerhard „Gottesfurcht“ Breusch (Drums, Percussion, Bass) und Ex-Bap-Gitarrist Jens Streifling (Produktion, Gitarre, Orgel, Mandoline, Bläser, Mundharmonika) genauer zu erkunden. Wir haben uns für letztere Variante entschieden…

„Goliath“ und „Gottesfurcht“ begannen 1981 mit der Punkband Gesocks, die es in 12 Jahren lediglich zu einem Studioalbum („Lieb mich im Dreck“, 1990) brachte. Mit dem Alexandra-Cover „Zigeunerjunge“ hatten die Troisdorfer sogar einen lokalen Hit. 1998 gründeten sie das neue Projekt Bleibende Schaeden. Sie spielten u.a. mit Phillip Boa, Guano Apes, Die Happy und Goldfinger auf diversen Festivals und brachten es vor fünf Jahren zu einer 60minütigen Show unmittelbar vor Joe Cocker bei einem Open-Air-Auftritt in Pirmasens. Seit Sommer 2004 arbeiteten „Goliath“ und „Gottesfurcht“ gemeinsam mit Jens Streifling an ihrem Debütalbum „Hossa mein kleines Leben“, das mit minimalistischer Soundästhethik und billigen Instrumenten im Electroartist Studio in Bornheim aufgenommen wurde.

Doch eh jetzt an das Schlimmste gedacht wird, geben wir ganz schnell Entwarnung: Bleibende Schaeden sind weder eine witzlose Comedytruppe, noch untalentiert rumpelnde Punkrocker. Das Trio bewegt sich vielmehr äußerst stilsicher im erweiterten Deutschrock-Kreis, weit weg von „Hamburger Schule“ und anderen etablierten Acts. Diesen positiven Umstand darf man wohl Jens Streifling auf die Fahne schreiben, der dem Album als Strippenzieher und Multiinstrumentalist deutlich seinen Stempel aufdrückt. Auch wenn er es nicht gerne hören mag, die Zeit bei Wolfgang Niedeckens Bap scheint dem Ex-Gitarristen der DDR-Kultband Zebra viel Erfahrung in Sachen Produktionstechnik eingebracht zu haben. Zudem weisen die neun Tracks (plus Bonus-Dub-Edit von „Alte Schlampen“) eine vielschichtige Instrumentierung auf, die ein ums andere Mal Reminiszenzen an den großen Mark Oliver Everett (Eels) herausschimmern lässt („Ein seltsames Gefühl“, „Hey kleiner Augenblick“). Daraus ergibt sich ein überraschend gutes Album, auf das sich aufgrund der im Intro genanten Facts überhaupt nicht schließen ließ. Doch jetzt wisst ihr es! Bleibende Schaeden sorgen nicht für Selbige, sondern für bleibende Höreindrücke.

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