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Diverse SZ Diskothek: 2000


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 77 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die SZ-Diskothek taucht in ein neues Zeitalter ein und schlägt ein dunkles Kapitel in der deutschen Musik auf. Das befürchtete Millenniumchaos blieb zwar aus, dafür wurden der Welt Zlatko und das Unterschichtenprogramm „Big Brother“ geschenkt. Illegale Internet-Tauschbörsen wie Napster, Gnutella und Kazaa waren für 38 Millionen User die Büchse der Pandora und musikalische Retortenprojekte wie ATC, Bomfunk MC’s und die Rednex teilten sich das Siegertreppchen der erfolgreichsten Singles des Jahres. Gleich dahinter tummelten sich die singenden Containerbewohner Jürgen, Christian und Zlatko, die mit ihrem künstlerischen Dünnschiss Texte wie „Wir brauchen Bass. Bass. Wir brauchen Bass. Was geht’n, Alter? Bass, Bass, wir brauchen Bass. Seid ihr down?“ (Das Bo) zu kulturellem Hochgut adelten.

Aus den Detroiter Trailerparks kam ein gewisser Marshall Mathers, der als Eminem neue Maßstäbe in der Rapmusik setzte. Madonna erfand sich ein weiteres Mal neu und schuf mit „Music“ einen überraschend modernen Elektro-Pop-Sound. Carlos Santana tauchte aus der Versenkung auf, nachdem er mit vielen jungen Künstlern das Album „Supernatural“ aufgenommen hatte und damit und mit Singles wie „Maria Maria“ die Charts monatelang in den Würgegriff nahm. Eine gewisse Britney Spears versetzte mit knappen Outfits und ihrer gequetschten Micky-Maus-Stimme männliche Begierden in Wallung und mit Coldplay, die ihr Debüt „Parachutes“ auf den Markt brachten, reifte eine der wichtigsten Bands der Dekade heran. Im Jahr 2000 wurde auch das Rap-Duo OutKast aus Atlanta, Georgia so richtig erfolgreich. Mit der Single „Ms. Jackson“ landeten sie einen Welthit. Eingefangen wird dies durch den Song auf der wie immer 20 Titel umfassenden CD und ein Interview aus dem Jahr 2001 im englischen „Guardian“ mit Big Boi und André 3000.

Trotz eines geschmackstechnisch katastrophalen Jahres in Deutschland, befinden sich auf der „SZ-Diskothek 2000“-CD einige Perlen der Musikgeschichte. Etwa von den Franzosen Phoenix, die mit „United“ ein grandioses Debüt vorlegten („If I ever feel better“ dient hier als Beweisstück), die am 25. August 2001 ums Leben gekommene R&B-Queen Aaliyah feierte mit ihrem dritten Werk „Aaliyah“ ihren Durchbruch und die Hives aus der schwedischen Kleinstadt Fagersta überrollten Europa mit ihrem Garagen-Punk („Hate to say I told you so“). Die Abteilung „Quiet is the new loud“, vertreten durch Erlend Oye und Eirik Glambeck Boe aka Kings Of Convenience, ist mit „Winning a battle, losing the war” am Start und die britische Girlgroup All Saints verzaubert den Hörer mit ihrem zuckersüßen Radiohit „Pure shores“.

Was heute unter neue „Neue deutsche Welle“ firmiert, wird für 2Raumwohnung („Wir trafen uns in einem Garten“), alias Tommi Eckart und Inga Humpe, ein großes Comeback. Mit freizügigen Outfits und Texten schockiert die Wahlberlinerin Peaches („Fuck the pain away“), während eines der erfolgreichsten Produzententeams (Pharrell Williams, Cahd Hugo und Shae = The Neptunes) als N.E.R.D. von sich reden macht („Lapdance“). Tocotronic lassen ihren Hass auf Freiburger Fahrradfahrer mit einer neuen Elektronikversion freien Lauf („Freiburg V 3.0 – Feat. Console“), während Mark „E“ Everett den Tod seiner Schwester (Selbstmord) und Mutter (Krebs) als Eels weiterhin musikalisch zu überwinden versucht („Packing blankets“ vom Album „Daisies Of The Galaxy“).

Anspieltipps:

  • All Saints – Pure shores
  • Eeels – Packing blankets
  • Phoenix – If I ever feel better
  • The Hives – Hate to say I told you so
  • Das Bo – Türlich, türlich (sicher, Dicker)
  • Kings Of Convenience – Winning a battle, losing the war
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