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Diverse SZ Diskothek: 1993


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 80 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Jahr 1993 steht die Grunge-Welle am Scheideweg. Die Plattenfirmen haben alles unter Vertrag genommen und auf die willigen Käufer gehetzt, was nur irgendwie nach Grunge klang (Gitarren!) und aussah (Holzfällerhemd!). Die Auslöser des Booms – Nirvana – bringen mit „In Utero“ den Nachfolger von „Nevermind“ (1991) auf den Markt. Doch Mastermind Kurt Cobain ist zu der Zeit bereits fertig mit den Nerven. Im Windschatten von Nirvana haben sich Bands wie Soundgarden, Pearl Jam, Mudhoney, Alice In Chains und die Stone Temple Pilots als Major-Acts etabliert. Abseits der Gitarrenmusik formiert sich aber bereits der nächste Hype.

Während in Deutschland Techno groß geschrieben wird, mausert sich HipHop langsam aber sicher zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte. Die Beastie Boys legen eine rasante Entwicklung hin. Rapper der alten Schule, wie Public Enemy und Run DMC, nehmen die Vorlage dankbar auf. De La Soul erlangen Kultstatus. LL Cool J balanciert geschickt zwischen HipHop und Rap, Guru und A Tribe Called Quest besetzen die Jazz-HipHop-Ecke und Cypress Hill werden zu Superstars und ernennen das Rauchen von Gras zum Pflichtsport für HipHopper. Dr. Dre (Ex-Mitglied von NWA) wird der Übervater der Westcoast-Szene. Der sogenannte Gangsta Rap thematisiert die Straßenkriege verfeindeter Banden („Crips“ und „Bloods“) und wird ein paar Jahre später von der Realität eingeholt, als Tupac Shakur und The Notorious B.I.G. erschossen werden. Die Light-Version des Gangsta Rap ist der G-Funk. Hier werden Snoop Dogg („Doggystyle“), Dr. Dre („The Chronic“) und Warren G. („G Funk Era“) zu den Wegbereitern, indem sie es auf geniale Weise verstehen, den Hardcore-Sound des Gangsta Rap mit souligen Hooks zu verbinden.

Politisch liegt ebenfalls Zündstoff in der Luft. Auf das World Trade Center in New York wird ein Bombenanschlag verübt. In Deutschland finden ausländerfeindliche Anschläge statt, während in Moskau ein Putschversuch stattfindet. Der Schauspieler River Phoenix stirbt an einer Überdosis Drogen und Steven Spielberg jagt die Dinosaurier auf die Filmleinwand („Jurassic Park“). In Deutschland gelingt zudem einem gewissen Helge Schneider der kommerzielle Durchbruch mit dem Song „Katzeklo“.

Einer der Sommerhits des Jahres ist „Oh Carolina“ von Shaggy, der auch die CD der „SZ-Diskothek 1993“ eröffnet. Uncle Tupelo machen Countryrock hoffähig („Give back the key to my heart“) und nach 20 Jahren erfolgloser Karriere mit der Band Til Tuesday macht sich Aimee Mann selbständig. Ihr Soloalbum „Whatever“ erscheint bei der kleinen Plattenfirma Imago, die kurz darauf pleite geht. Kommerziell stellt sich für Aimee Mann lange Zeit keine Besserung ein. Trotz ihres großen Talents (hier zu hören in „I should’ve known“) schafft sie es nicht, ihre Alben als komplette Meisterwerke auszuarbeiten. Naughty By Nature verbinden Street Credibility mit Eingängigkeit („HipHop hooray“), New Order liefern zwar das schwächste Album ihrer Karriere ab („Rupublic“), platzieren aber dennoch den obligatorischen Hit („Regret“). Wie es richtig geht, belegen dagegen The Beloved mit ihrer feinen Synthie-Nummer „Sweet harmony“.

Obwohl das Musikjahr 1993 sicher kein schlechtes war, fällt die Songszusammenstellung auf der „SZ-Diskothek“ diesmal nicht so überzeugend aus, obwohl sich freilich auch hier die eine oder andere Perle versteckt hat. Und wenn es nur ein Wiederhören mit den sträflich unterbewerteten Urge Overkill ist.

Anspieltipps:

  • Maria Bethánia – Emocoes
  • The Beloved – Sweet harmony
  • Urge Overkill – Tequila sundae
  • Aimee Mann – I should’ve known
  • Helge Schneider – Vibrationboogie
  • Uncle Tupelo – Give back the key to my heart
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