Pet Shop Boys - Battleship Potemkin - Cover
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Pet Shop Boys Battleship Potemkin


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 69 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein ambitioniertes Gesamtkunstwerk legen die Pet Shop Boys mit „Battleship Potemkin“ vor.

Das Gespann Tennant/Lowe aka Pet Shop Boys blickt mittlerweile auf eine 20-jährige Musikkarriere zurück, die unzählige Hits wie “West End Girls”, “Being Boring” oder “Go West” hervorgebracht hat und ihnen noch heute eine immense Popularität beschert. Vor zwei Jahren erschien die umfassende Werkschau „PopArt“, welche keineswegs das Versiegen von Kreativität im Hause der Pet Shop Boys bekunden sollte. Nachdem man die ausgetretenen Pfade des schmucken Pop-Songs ausgiebig bereist hatte, war es Zeit für eine außergewöhnliche Vorstellung auf dem Trafalgar Square in London. Dort präsentierten Neil Tennant und Chris Lowe zusammen mit den Dresdner Sinfonikern die Filmmusik zum Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ von Sergej Eisenstein. Dieses Werk aus dem Jahr 1925 gilt als Prototyp eines revolutionär angehauchten, politischen Films. Auf dem Panzerkreuzer wird den Matrosen verfaultes Fleisch verabreicht, welches der Anstoß zu Unruhen auf dem Schiff ist. Der Kapitän gibt daraufhin den Befehl, die revoltierenden Matrosen zu erschießen. Doch die Besatzung widersetzt sich dem Kapitän. Schließlich tötet man den Wortführer der Meuterei, dessen Körper an der Mole von Odessa aufgebahrt wird.

Diese, hier nur fragmentarisch erzählte, Story inspirierte die Pet Shop Boys zu einem komplexen Soundtrack, der zwischen orchestral schwebenden Momenten und treibenden Beats mit Pop-Faktor pendelt. Erhabene Streicher münden im Opener in eine spannungsvolle Szenerie, die sich einer gewissen Theatralik nicht entbehrt. Tragik paart sich mit der Sehnsucht nach Ferne. „Men And Maggots“ ist dagegen mit elektronischen Sounds ummantelt, in denen man das typische Songwriting der beiden Hauptakteure spürt. Doch allzu eingängig und gleichförmig wird es nicht, denn die Tempi variieren geschmackvoll. Auch die Sounds reichen von noisigen Elementen über Pop bis hin zu der stimmungsvollen Ausarbeitung der Dresdner Sinfoniker. Man taucht ganz automatisch in die Dramatik des Films ein, ohne ihn auch jemals gesehen zu haben.

Dem Titel entsprechend dunkel und lauernd wird es in „Drama In The Harbour“. Trompeten und Samples von zerbrechendem Glas geben dem Song eine nicht zu verachtende Dosis Unheil. Dramaturgisch erstklassig wird das audiovisuelle Medium Film in die Musik transferiert. Nicht nur Soundcollagen und Instrumental-Musik hat die CD zu bieten. Auch für sich allein stehende Songs wurden in den Gesamtkontext gehoben. So ist „No Time For Tears“ eine eindringliche Piano-Ballade mit dem charismatischen Gesang eines Neil Tenannt. Der Song nimmt allerdings nach und nach an Tempo zu und erinnert schließlich an den Evergreen „Go West“, wenn man ihn exzentrischer performen würde.

Ein ambitioniertes Gesamtkunstwerk legen die Pet Shop Boys mit „Battleship Potemkin“ vor. Leider erreicht es nicht immer die Dichte, die ein nahezu ohne Vocals daherkommendes Album braucht, um auf Dauer nicht träge zu wirken. Dennoch hat das Duo zusammen mit den Dresdner Sinfonikern einen emotional arrangierten Longplayer erschaffen. Tiefgehende Harmonien zum Zurücklehnen und aufgeregte Beats zeugen von leidenschaftlicher Hingabe, durch die man die leicht uninspirierten Momente nahezu vergisst.

Anspieltipps:

  • Men And Maggots
  • After All (The Odessa Staircase)
  • Night Falls
  • For Freedom
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