Simple Minds - Black & White 050505 - Cover
Große Ansicht

Simple Minds Black & White 050505


  • Label: Sanctuary/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Schotten von den Simple Minds können auf viele Alben zurück blicken und sehen dabei unsterbliche Klassiker wie „Once Upon A Time“, „Sparkle In The Rain“ und „Street Fighting Years“. Von New Wave über Art-Rock bis hin zum schlicht und ergreifenden Pop reiften einige Werke gut nach und sind noch heute in aller Ohr. Dem gegenüber steht die uninspirierte, lähmende Seite der Band, die sich seit den Neunzigern auf jedem Album äußerte und selbst im Fanlager Ernüchterung hervorrief. So war man auf gutem Wege, sich selbst und die genialen Alben der älteren Historie zu demontieren. Doch Jim Kerr, Charlie Burchill plus Gefolge wollen dem Verfall entgegen treten und Begeisterung aufkeimen lassen. Immer lauter wurden die Stimmen, dass uns mit dem neuen Album „Black & White 050505“ ein weiterer Klassiker in´s Haus steht und man die Leidenschaft wieder entstaubt hat. Große Erwartungen greifen Richtung Schottland und stehen desillusioniert vor den vermeintlich wieder erstarkten Simple Minds.

In träumerischem Gewand eröffnet „Stay Visible“ den lang erwarteten Longplayer. Streichersamples und leichte, sphärische Sounds münden in effekt-behangenen Gitarren und schlichtem Drumming. Jim Kerr bestätigt seine außerordentliche Stimme mit sicherer Präsenz. Man denkt an Stadionrock im zur Zeit so angesagten, melancholischen Mantel. Wir sehen Wunderkerzen und stolpern an bierseeligen Teilzeit-Fans vorbei, die sich fragen, wann endlich „Don´t You (Forget About Me)“ zum Mitgrölen einlädt. Doch schnell zurück zur CD, denn die Tour lässt noch auf sich warten. „Home“ ist die erste Single und liegt den fleißigen Radiohörern sicher noch im Ohr. Die Hit-Qualität ist kaum von der Hand zu weisen. Zielstrebig, elegant und mit tollen, gitarren-geprägten Melodien versehen, besitzt der Song eine außerordentlich mitreißende Stimmung, die lang anhaltend wirkt.

Elektronisch geprägt ist der Anfang von „Stranger“, welches sich im weiteren Verlauf, konträr zu den vorangegangenen Tracks, auf schwächere Gitarren und eine dem Kitsch nahen Gesamtstimmung verlässt. Hymnischer und ausgereift erklingt das mit Synthesizern und leichten Stimmeffekten verzierte „Different World“. Überhaupt sind die elektronischen Beigaben als deutliches Plus zu werten und schreien förmlich danach, mehr im Vordergrund zu agieren. Damit beglücken uns die Simple Minds allerdings nicht. Reizvoll arrangiert ist „Kiss The Ground“ ein sich vom sanften Beginn zum bombastischen Pop-Rock bewegendes Stück Musik. Doch auch hier reicht es für nicht viel mehr als Durchschnittsware, denn die Atmosphäre erreicht den Hörer nur oberflächlich. Mehr Herzblut und Begeisterung zeigt das abschließende „Dolphins“ auf. Durchgehend getragen und atmosphärisch dicht schiebt es sich in die Gehörgänge, wobei flirrende Gitarren und gefühlvolle Synth-Flächen faszinierend wirken.

Faszination trifft man auf der kompletten Scheibe jedoch nur selten an. Viel mehr sind es die typischen Simple Minds, die ihr Programm herunterspielen und enttäuschend blass bleiben. Bis auf wenige Ausnahmen spürt man nicht die authentische Leidenschaft zur Musik und zum großen Song. Was bleibt, ist ein zarter Versuch, Eindruck zu erwecken und den Menschen zu zeigen, dass die Simple Minds zurück sind. Ob die Hörer den Bemühungen Tribut zollen, ist nach diesem grauen Album fraglich, denn so richtig bewegend wird es nur viel zu selten.

Anspieltipps:

  • Home
  • Dolphins
  • Different World
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
4/10

Our Country: Americana Act II
  • 2018    
7/10

Beside Bowie: The Mick Ronson Story
  • 2018    
6/10

New Room
  • 2018    
Diskutiere über „Simple Minds“
comments powered by Disqus