Iggy Pop - A Million In Prizes: The Anthology - Cover
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Iggy Pop A Million In Prizes: The Anthology


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 156 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Über 2½ Stunden geballte Rock-Power, die der Musikfan in irgendeiner Form im Regal haben muss.

Herr Osterberg zieht Bilanz: 38 Songs aus fast 40 Karrierejahren. Alle Hits und Klassiker der Punkrockikone vereint auf zwei CDs plus einer (auch separat erhältlichen) Live-DVD, die das testosterongeladene Bühnentier in seinem Element zeigt. „A Million In Prizes: The Anthology“ bietet für Fans und Kenner nichts Neues, aber die Jüngeren Jahrgänge erhalten einen detaillierten Einblick in das Schaffen von Iggy Pop. Zwei unverzichtbare Geschichtsstunden, die hiermit dringend empfohlen werden.

Das Rock-and-Roll-Lexikon lehrt uns, dass ein Auftritt der Doors im New York der späten 60er Jahre zur entscheidenden Inspiration für James Newell Osterberg wurde. Doors-Sänger Jim Morrison war wieder mal ziemlich betrunken und quälte das Publikum mit eigenwilligen Ansagen und Songkreationen, die keiner hören wollte. Als die Situation zu eskalieren drohte, wurde das Konzert vorzeitig abgebrochen. Diese Antihaltung begeisterte den jungen Burschen aus Muskegon, Michigan. Er zieht nach Detroit, wo er mit dem Gitarristen Ron Asheton die Band The Psychedelic Stooges gründet.

Daraus werden 1967 The Stooges, die im Laufe ihres Bestehens nur drei Studioalben aufnehmen („The Stooges“, 1969, „Fun House“, 1970 und „Raw Power“, 1973), aber damit zu Legenden der aufkeimenden Punkrockbewegung werden. Ihr Sound ist roh und aggressiv, was vor allem die Bühnenshows zu (im wahrsten Sinne des Wortes) wilden Ritten auf der Rasierklinge werden lässt. Die Verkaufszahlen lassen dagegen sehr zu wünschen übrig. Iggy Pop konsumierte wie ein Verrückter Alkohol und Drogen und bleibt nach dem Ende der Stooges nur durch seine ständigen Drogenexzesse und Entziehungskuren in den Schlagzeilen. Mitte der 70er Jahre nimmt ihn sein Kumpel David Bowie mit nach Berlin, das zu der Zeit besonders bei Künstlern angesagt ist. Er schreibt mit ihm die Alben „The Idiot“ und „Lust For Life“, die beide im Jahr 1977 erscheinen. Die Werke verkaufen sich besser als die Stooges-Alben, sodass Iggy fortan in regelmäßigen Abständen neue Platten auf den Markt bringt, ehe er sich für eine längere Pause zurückzieht.

1986 ist er mit „Blah Blah Blah“ wieder zurück und landet mir „Real wild child“ prompt seinen ersten Top-Ten-Hit in England. Seinen tatsächlichen kommerziellen Durchbruch erlebt Iggy vier Jahre später mit dem Album „Brick By Brick“, das ihn als gereiften Künstler zeigt, der sogar in der Lage ist, Popsongs zu schreiben. So erntet sein Duett mit der B-52s-Sängerin Kate Person („Candy“) sogar eine Goldauszeichnung in den USA. Iggy Karriere nimmt wieder Fahrt auf und mündet in seinem wohl besten Soloalbum „American Caesar“ (1993). Doch der Klang wird in der Folgezeit rauer und Alben wie „Naughty Little Doggie“ (1996), „Avenue B“ (1999), „Beat Em Up“ (2001) und „Skull Ring“ (2003) verkaufen sich nicht mehr so gut. Dennoch bleibt Iggy Pop bei der Jugend hip, wenn auch vielleicht nur durch Zufall. Sein Song „Lust for life“ wird als Titelsong des Kultfilms „Trainspotting“ (1996) zum Dancefloorfiller in allen Clubs.

Was viele nicht mehr für möglich gehalten haben, wird 2002 Wirklichkeit. Iggy komponiert vier Songs gemeinsam mit den Asheton-Brüdern, die allesamt auf „Skull Ring“ erscheinen. Eine Reunion der Stooges folgt im Jahr darauf zunächst auf amerikanischem Boden, später dann auch in Europa. Der Kreis hat sich geschlossen und nun auf „A Million In Prizes: The Anthology“ äußerst adäquat in Szene gesetzt.

Neben zwei bisher unveröffentlichten Live-Aufnahmen von „TV eye“ und „Loose“ vom ´93er Feile Festival in Irland, Soundtrack- und Sampler-Beiträgen („Nightclubbing“, „I’m bored“, „I need more“, „Pleasure“, „Run like a villain“, „Cold metal“ und „Well did you Evah!“) und interessanten Essays von Rockjournalist Lenny Kaye (Patti Smith Group) und Danny Fields, dem früheren Stooges-Manager und Elektra-A&R, befinden sich alle großen Hits von den Stooges, Iggy & The Stooges und Iggy Pop solo auf dieser Werkausgabe. Songs wie „I wanna be your dog”, „Raw power”, „China girl”, „Lust for life”, „The passsenger”, „Real wild child” und „Candy”. Das ist über 2½ Stunden geballte Rock-Power, die der Musikfan in irgendeiner Form im Regal haben muss. Entwerder auf den einzelnen Alben und eben in Form dieser Doppel-CD.

Anspieltipps:

  • Pleasure
  • Lust for life
  • Wild America
  • Search and destroy
  • I wanna be your dog
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