Faith Hill - Fireflies - Cover
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Faith Hill Fireflies


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei Damen haben im letzten Jahrzehnt maßgeblich dazu beigetragen, dass einem weniger beachtetem, großteils belächeltem Genre mehr Platz im Musikbusiness zugesprochen wurde. Die Rede ist von Country, der meist hauptsächlich von Saiteninstrumenten wie Banjo, Mandoline, Gitarre oder Bass begleitet wird und vorerst eher von Hillbillys (Hinterwäldlern) der südlichen Appalachen aufgeführt wurde und sich erst durch den „Culture-Clash“ und Übernahme von anderen Musikstilen einer größeren Gemeinde erschloss. Sicher gab es viele große Künstler, die Countrymusik spielten und ihr zu mehr Ansehen verhalfen, dennoch kreiste das Genre eher auf Stars wie den viel zu früh verstorbenen Johnny Cash, Willie Nelson, Kenny Rogers, Loretta Lynn und Dolly Parton herum und wurde nicht als eigenständig erachtet. Wirklich gesellschafts- und salonfähig wurde es, nein, nicht mit Annika Ljungberg, die Mary Joe von Rednex, sondern mit Shania Twain und Faith Hill. Beide Sängerinnen verstehen es hervorragend, Pop mit Einflüssen ihres Umfeldes, in dem sie aufgewachsen sind, zu verknüpfen und das war bei beiden die Countrymusik.

In diesem Zuge entstanden Hitsingles wie „That don´t impress me much“, „I´m gonna getcha good“ und „Ka-Ching!“ von Miss Twain und „This kiss“, „Let me let go“ und „There you´ll be” von Miss Hill. Sieht man sich die Verkaufszahlen an, liegt die aus indianischer Herkunft stammende Shania um fast eine doppelte Nasenspitze vorne. Sie konnte insgesamt 40 Millionen Käufer für ihre Alben und Singles verpflichten, Faith „nur“ 25. Das liegt nicht nur an den charttauglicheren Songs einer Shania Twain, sondern auch an der teilweise peinlichen Covergestaltung von Fräulein Hill. Denn nicht nur wie der ehrenwerte Herr Rezensent, haben sich viele beim Erscheinen der 2002-er Scheibe „Cry“ angesichts des grassierenden Silikonpopphänomens namens Britney Spears gedacht, die Platte wäre in dieselbe Sparte einzuordnen und nicht wert, ihr mehr Beachtung zu schenken, als einen flüchtigen Blick auf das leicht durchnässte Artwork. Gab man der Platte dennoch eine Chance, wurde man mit keineswegs seichtem Teeniegedudel abgespeist. Einzig und allein der Country-Charme fehlte etwas, der in den Songs der Vorgängeralben so herrlich blühte und gedieh.

Für „Fireflies“ nahm sich Faith Hill drei Jahre Zeit, um ihren eigenen Mix aus Popsongs und herzzerreißenden Balladen, vermischt mit ländlicher Atmosphäre, mehr Raum zum Atmen zu geben, den man als Fan schmerzlich auf der vorigen Platte vermisste. Im Opener „Sunshine and summertime“ singt sie schon mal die Tonleiter rauf und runter, nur um sich für Lied Nummer zwei, „Mississippi girl“, dem ersten Höhepunkt, warm zu machen. Dieser stampfende Countryrock ist endlich wieder typisch Faith wie man sie kennt und liebt. Frisch, fröhlich und fidel geht es dann auch in „Dearly beloved“ weiter, der sich durch die wunderbar rekursierende Zeile „They´ll be together forever / ´Til they found somebody new“ zu einem richtigen Evergreen mausern könnte. Mit „I ain´t gonna take it anymore“ startet dann die erste von weiteren acht (!) ruhigeren, feinfühligeren Stücken. Von diesen sei besonders das Duett mit Ehemann Tim McGraw „Like we never loved at all“ und das großteils rein durch Piano und Streicher begleitete „Paris“, das eigentlich ein Bonustrack ist, den man schmerzlich vermisst hätte, ans Herz gelegt.

Stellte „Love Will Always Win“ noch den Soundtrack für frisch Verliebte und sich anhimmelnde Menschen, so ist „Fireflies“ eher Pärchen gewidmet, die sich einen gemütlichen Abend zu zweit machen um sich vorm Kamin verträumt in die Augen zu schauen. In der europäischen Ausgabe von „Fireflies“ fehlt allerdings ein Song: „We´ve got nothing but love to prove“ klingt dem Titel nach schwer nach Ballade und wurde wohl aufgrund der absoluten Mehrheit dieser Kategorie unter den Tisch fallen gelassen. Wer weiß, ob uns damit nicht ein weiteres „Paris“ abgeht?

Anspieltipps:

  • Paris
  • I Want You
  • Dearly Beloved
  • Mississippi Girl
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