Nada Surf - The Weight Is A Gift - Cover
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Nada Surf The Weight Is A Gift


  • Label: City Slang/Rough Trade
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Insgesamt ist „The Weight Is A Gift“ kein großer Rückschlag, eine Enttäuschung aber allemal.

Als sich Nada Surf (spanisch für: sich aus einer Depression befreien) 1993 gegründet haben, hätten sie sicher nicht damit gerechnet, dass es für sie dermaßen anstrengend sein wird, länger als fünf Jahre bei einem Label zu bleiben. Dabei fing alles sehr gut an. Daniel Lorca (Bass) und Matthew Caws (Gesang, Gitarre) finden einen Drummer, eine Plattenfirma und nehmen ihre erste Platte auf, doch kurz bevor das Album in die Läden kommen soll, sucht der Schlagzeuger das Weite. Die Plattenfirma zieht die Veröffentlichung zurück und Nada Surf machen sich wieder auf die Suche nach einem neuen Vertrag und werden bei Maverick fündig. Endlich erscheint „High/Low“ 1996.

Ein neuer Schlagzeuger (Ira Elliot) ist ebenfalls im Bunde. Die erste Singleauskoppelung „Popular“ wird ein Hit und zwei Jahre später steht auch schon „The Proximity Effect“ als neuer Longplayer zum Verkauf bereit. Leider befinden sich darauf keine potentiellen Hitsingles und Nada Surf dürfen sich wieder verabschieden. Fast ein halbes Jahrzehnt müssen sie warten bis ihr drittes Album („Let Go“) bei Virgin Anklang findet. Wieder gibt es Unstimmigkeiten, bis die Band letztendlich bei City Slang einen Vertrag unterzeichnet. Hoffentlich hat ihre Labelsuche hiermit ein Ende, denn wenn man sich „The Weight Is A Gift“ anhört, merkt man, dass Nada Surf diesmal Experimente außer Acht gelassen haben um wieder zu mehr Popularität zu finden.

Leider schafft es die Mehrheit der Songs nicht sich im Gehörgang festzusetzen oder gar interessant oder eigenständig zu klingen. „Concrete bed“ fängt äußerst durchschnittlich an und liefert nicht mehr als „das Lied für Zwischendurch“. Mit „Do it again“ geht es aufwärts, doch erst bei „Always love“, der ersten Singleauskopplung, hört man wieder die alte Frische, auch wenn der Songaufbau deutlich in Richtung Charts zielt. Danach stagniert die Qualität wieder und „What is your secret“, „Your legs grow“ und „All is a game“ erfüllen nichts anderes als die Funktion von Lückenfüllern, da sie sich nur im Kreis drehen. Bald hat man das Gefühl, als „gehe nichts weiter“. Anders bei „Blankest year“: Ein treibender Beat und perfekt in Szene gesetztes Riffing machen diesen Track wieder zu einem Hörgenuss, den man von den drei Herren gewohnt ist. Auch das mit Nachdruck ins Mikrophon geträllerte „Fuck it“ zeigt, dass Nada Surf noch die kleinen Rotzbuben von früher sind und auch rohere Töne anschlagen können. Danach fällt der Einfallsreichtum wieder ab und die nächsten Platzhalter wie „Comes a time“ „In the mirror“ und „Armies walk“, die wohl auf das nächste Album vertrösten sollen, das hoffentlich wieder mehr in Richtung „Let Go“ sein wird, sind an der Reihe.

Als gelungenen Abschluss kommt dann „Imaginary friends“, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Hier sieht man wieder wie schade es ist, wenn eine Band dazu gezwungen ist, etwas chartstaugliches zu machen, um weiterhin im Geschäft bleiben zu dürfen, wenn es tatsächlich auch anders geht. Denn der Schlusstrack rockt ordentlich und hat eine anständige Hookline.

Insgesamt ist „The Weight Is A Gift“ kein großer Rückschlag, eine Enttäuschung aber allemal. Nada Surf schaffen es vor allem bei den langsameren Stücken Melancholie zu versprühen, ermöglichen den Songs aber keinerlei Tiefgang. Dadurch wechseln sich mittelmäßige Tracks mit überdurchschnittlichen Popsongs ab. Wäre das „Let Go“-Niveau weitergeführt worden, wäre sicher ein weiteres Kleinod des Trios herausgekommen. So dient das Album wohl nur dazu, um wieder im Business Fuß zu fassen.

Anspieltipps:

  • All Is A Game
  • Always Love
  • Blankest Year
  • Imaginary Friends
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