Starsailor - On The Outside - Cover
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Starsailor On The Outside


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Absolut austauschbarer Rock. Nicht mehr und nicht weniger.

Was ist bloß mit James Walsh und seinen Mannen passiert? Da veröffentlichen sie 2001 mit „Love Is Here“ ihr Debüt und eines DER Alben des Jahres, werden von Kritikern und Fans gleichsam mit offenen Armen empfangen und ernten Lobeshymnen sondergleichen. Völlig überwältigt meint Walsh: „Natürlich freuen wir uns über den großen Anklang, aber in gewisser Weise ist das auch ein wenig angsteinflössend. Bloß weil wir ein paar ganz nette Songs geschrieben haben, hält uns plötzlich jeder für Genies“, während „Alcoholic“ gerade die Top Ten der englischen Charts entert.

„Love Is Here“ war eine poetische Mischung aus BritPop und Folkrock und der gute James hat mit seiner Aussage, was die Tragweite der melancholischen Songs betrifft, schlicht danebengelegen. „Durch unseren Erfolg verlieren wir bei den Menschen sicher an Glaubwürdigkeit, aber diesen Preis bezahlen wir gern, wenn wir dafür genügend Zeit für unsere Musik haben. Schließlich wollen wir mal richtig gut werden“ fügt er hinsichtlich des Plattenvertrags mit Majorlabel EMI hinzu. Stücke wie „Way to fall“ oder „She just wept“ entstanden in einer schwierigen Zeit der Identitätsfindung für Walsh und klangen deswegen so tieftraurig, aber er versprach, dass „das nächste Album ein Partysoundtrack wird“ und er sollte recht behalten. Leider allerdings.

Starsailor, die Zweite, wurde auf den Namen „Silence Is Easy“ getauft und versprach dem Titel nach wieder ein ruhiges, ambitioniertes Werk zu werden, doch der Vorbote „Four to the floor“ war ungewöhnlich laut und mit Streichern dermaßen bombastisch inszeniert, dass man anfangs nicht wusste, was man davon halten soll. Produziert wurde dieser Track von Exzentriker Phil Spector (Beatles, Ramones, Righteous Brothers), der Walshs erste Wahl für ein neues Album war. Das Selbstvertrauen des Sängers schoss in ungeahnte Höhen, frühere Understatements wurden ins Gegenteil gekehrt. „Die ganze Pop-Geschichte hindurch haben die Musikmagazine den wirklich großen Alben verheerend schlechte Noten gegeben. Ich weiß noch genau, dass das erste Stone Roses Album im NME nur 5 von 10 Punkten kriegte und „What´s The Story Morning Glory“ von Oasis bekam auch nur 6. Und dann stellten sich diese Platten als unglaublich wichtig heraus. Ich glaube, das wird mit uns und Coldplay genauso sein, wenn die Yeah Yeah Yeahs, The Darkness und die Libertines wieder verschwunden sind“ und nennt den Opener des neuen Outputs „Music was saved“ und schreibt sich seinen Frust gegenüber der Presse mit „Shark food“ von der Seele. Als Meisterwerk oder bahnbrechend zeitloses Album konnte man „Silence Is Easy“ nun wirklich nicht bezeichnen, denn diese neue, rockige Seite wollte man Walsh einfach nicht abkaufen, zudem seine Stimme für schnellere Songs nicht geeignet scheint. Gelegenheitskäufer, die ein Jahr zuvor auch bei Bon Jovis „Bounce“ zugegriffen haben, fühlten sich sicher mit dem neuen Sound bestätigt. Fans der ersten Stunde schauten lieber weg oder erwarben die Scheibe der Sympathie halber.

Mit dem neuesten Oeuvre sind James Walsh (Gesang, Gitarre), James Stelfox (Bass), Barry Westhead (Keyboards) und Ben Byrne (Schlagzeug) weiter von wunderschönen episodenhaften Erzählungen abgedriftet und bieten auf „On The Outside“ durchgehend Rocksongs der durchschnittlichen Art. Die einzige Ausnahme bildet „Jeremiah“, das wohl als Abschluss rein von Akustikgitarre und dezentem Orgelspiel begleitet sein „muss“ und dennoch nicht sonderlich aufregend ist, was womöglich an der gelangweilten Darbietung des Sängers liegt. Es stellt sich also die Frage: Warum machen es sich Starsailor immer unnötig selber schwer, veröffentlichen Alben, die nicht zu ihnen passen und jammern letztendlich, wenn die Presse ihre Werke verreißt? Ist ihnen die Muse nach dem Debüt abhanden gekommen, was sie durch Hasstiraden gegen die Medien kaschieren wollen?

Allein schon der erste Track „In the crossfire“ ist abgesehen vom eindeutig zweideutigen Titel absolut austauschbarer Rock. Nicht mehr und nicht weniger. Das Klavier, das in manch früheren Stücken die treibende Kraft war, dient nur mehr als Mittel, um das Prädikat „Stadionrock“ möglichst wirksam umzusetzen. „On The Outside“ ist zwar nicht vergessenswert, aber in Folge der Erwartungen, die man an eine Band wie Starsailor hat, noch enttäuschender als „Silence Is Easy“. Denkt man sich z.B. bei „Keep us together“ die E-Gitarren weg und reduziert das Schlagzeug auf ein Minimum, wäre der Song sicher wunderschön geworden. In dieser Umsetzung hat man das leider schon zu oft gehört. Vielleicht lässt sich James Walsh einmal überreden ein Akustikalbum der letzten zwei Werke anzufertigen. Er würde erstaunt sein, wie sich das Echo der Presse wieder ändern wird.

Anspieltipps:

  • Keep Us Together
  • In My Blood
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