Nelly Furtado - Loose - Cover
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Nelly Furtado Loose


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach ihrem in Deutschland mit Doppelplatin geadelten zweiten Longplayer „Folklore“ im Jahre 2003 hätte sich Nelly Furtado auf ihren Lorbeeren ausruhen können und mit ihrem Weltmusikpop ihre zweifellos vorhandenen Songwriterfähigkeiten im Popgenre ausbauen können. Stattdessen entdeckte sie nun ihre schon vorhandene Latinofacette, die zusammen mit der neuen Black-Music-Seite gemixt wurde und schnappte sich mit Tim Mosley, besser bekannt als Timbaland, den bekanntesten HipHop-Produzenten dieser Zeit. Auch Erfolgsproduzent Rick Nowels (Madonna) spielte an den Reglern und den Schlusssong schrieb Chris Martin von Coldplay zusammen mit der jungen Mutter.

Dreizehn meist tanzbare Songs, die zwischen Latino-Music, HipHop und Pop pendeln, sind das Ergebnis der Erfolgsproduzenten. Latin-Superstar Juanes gibt mit ihr die Ballade „Te Busque“ zum besten und die Verblüffung über das musikalische Chamäleon Furtado ist ziemlich groß. Es wird zumindest zeitweise sichtbar, warum diese Frau so viele Fans weltweit besitzt, denn sie versucht wirklich alles, um eine Einordnung in eine Genreschublade zu vermeiden. „Say it right“ ist so ein Beispiel: Gitarren, leicht scheppernde Drums und fesselnder Gesang, lassen das große Talent der zierlichen Nelly erkennen, einfache Hymnen, die man nicht mehr vergisst. Auch der Opener „Afraid“ lässt gewöhnungsbedürftige Beats los und zum Ende rappt der Gast namens Afraid, doch diese leichte Elektronikattacke, die auch mit Furtados Stimme spielt, erreicht nach mehrmaligem Hören den geneigten Fan.

Die ungewohnte Black Music in „Promiscuous“, „Maneater“ und „Glow“ scheint mehr als deutlich durch, doch die abwechselungsreiche Mischung hat die Kanadierin mit den portugiesischen Wurzeln clever zusammengestellt. Einzig einen richtigen Hit hört man nicht heraus, denn im Gegensatz zum Vorgängerwerk purzeln die garantierten Chartbreaker nicht sehr zahlreich aus Furtados Ärmel. Es sind doch einige schwächere Songs dabei, die die Wertung verschlechtern: „No Hay Igual“ klingt wie Dutzendware vom Wühltisch. Auch „Maneater“ ist zwar perfekt produziert, nur wirkt es auch relativ austauschbar. Das kann doch nicht der Anspruch von Frau Furtado sein.

Die mit Nowels geschaffenen Songs „Somebody to love“ und „In god's hands“ sind enttäuschend, der erste kann mit spanischen Komponenten nicht überzeugen und der zweite lässt auch jeglichen musikalischen Esprit vermissen. Diese vergeblichen Hits auf Bestellung trüben den teilweise guten Eindruck dieser CD. Die Zusammenarbeit mit dem Coldplay-Sänger Martin beim Schlusssong ist dagegen wieder so ein Ohrwurm mit ganz einfachen Mitteln, der viel von Nellys Songwritertalent vorführt.

Die alten Fans müssen sich doch ziemlich umstellen, aber Nelly Furtado wird mit diesem neuen Weg Hörer hinzugewinnen, die vorher mit ihrer Musik nichts anfangen konnten. Die Unbekümmertheit ist ein wenig verschwunden, aber der Mut, zu neuen Ufern aufzubrechen, ist lobenswert. Zum Klassiker reicht es aber nun wirklich nicht, da zuviel Durchschnittliches das Ohr erreicht. Die erste Liga der Songwriterelfen hat Nelly Furtado mit diesem Werk leider wieder verlassen, doch der Aufstieg kann bei ihrem Talent in Zukunft wieder in das Visier genommen werden.

Anspieltipps:

  • Afraid
  • Showtime
  • Say it right
  • All good things
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