Michelle Shocked - Got No Strings - Cover
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Michelle Shocked Got No Strings


  • Label: Neo/SonyBMG
  • Laufzeit: 32 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Michelle Shocked zählt zu den sogenannten Rebellinnen der Musikbranche. Sie hat ihren eigenen Kopf und scheut sich nicht, diesen mit allen Mitteln durchzusetzen. Sie selber sieht sich als politische Aktivistin, die nicht nur den Major-Labels den Kampf angesagt hat. Sie engagiert sich auch gegen Gewalt und für ein AIDS-Hilfe-Projekt. Musikalisch trat sie dagegen eher durch Zufall auf die große Bühne.

Die Geboren 1962 in Dallas, Texas geborene Singer/Songwriterin wurde durch ihren Vater an uramerikanische Musikstile wie Blues, Swing, Folk und Bluegrass herangeführt, die sie in den frühen 80er Jahren in erste eigene Lieder einfließen lässt. Obwohl sie ein abgeschlossenes Studium an der University of Texas in der Tasche hat, tingelt sie als Straßenmusikantin durch Kalifornien. Mitte der Achtziger verlässt Michelle die USA und trampt quer durch Europa. Als sie bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt ist (1986), hört der englische Produzent und Label-Besitzer Pete Lawrence einige ihrer Lieder. Schnellentschlossen nimmt er diese mit einem Walkman auf und bringt die soundtechnisch grausam klingenden Stücke 1987 als „The Texas Campfire Tapes“ auf den Markt. Die Platte entwickelt sich zum einem Independent-Hit und bringt Michelle Shocked einen Plattenvertrag mit Mercury Records ein.

Michelle legt hochmotiviert los und schreibt die zusammenhängende Album-Trilogie „Short Sharped Shocked“ (1988), „Captain Swing“ (1989) und „Arkansas Taveller“ (1991), die durch einen stilistischen Zickzackkurs glänzen. Das ist so gar nicht nach der Art eines Major-Labels wie Mercury, das daraufhin die Veröffentlichung von „Kind Hearted Woman“ verweigert. Michelle zieht vor Gericht und klagt gegen Mercury. Sie gewinnt den Prozess und verlässt Mercury. Sie behält die Rechte an ihren Songs für die Erlaubnis, dass Mercury mit „Mercury Poise 1988 – 1995“ (1996) eine „Best Of“-Platte auf den Markt schmeißen darf. 2002 gründet die in Los Angeles und New Orleans lebende Künstlerin ihr eigenes Label Mighty Sound, auf dem mit „Deep Natural“ noch im selben Jahr ein neues Album erscheint.

Nach privaten Turbolenzen (Michelle ließ sich erst kürzlich scheiden) startet die bereits zwei Mal für den Grammy nominierte Texanerin 2005/2006 wieder richtig durch. Und zwar mit einer Doppel-Trilogie!!! Richtig gelesen. Offenbar durch einen Kreativrausch beflügelt, erscheinen zuerst drei Werke, die den Fans als „The Threesome“ angekündigt wurden. Da wäre zum einen das Singer/Songwriter-Album „Don’t Ask, Don’t Tell“, produziert von Dusty Wakeman (Heather Myles, Joe Ely, Dwight Yoakam, Los Lobos, Giant Sand) das zwischen dem 15. und 31. Dezember 2004 in den Mad Dog Studios in Burbank, Kalifornien eingespielt wurde, dann „Mexican Standoff“, das halb Latin-, halb Blues-orientiert ist und neben Dusty Wakeman von Steve Berlin (Los Lobos, Rickie Lee Jones, The Fabulous Thunderbirds) und Mark Howard (R.E.M., Lucinda Williams, Vic Chesnutt, Bob Dylan) produziert und im Januar 2005 in den Mad Dog Studios aufgenommen wurde, und last but not least „Got No Strings“. Dieses Werk umfasst eine Reihe klassischer Walt-Disney-Filmsongs, swingend interpretiert, die in nur drei Tagen, vom 12. bis 14. Dezember 2004, im Rotund Rascal Recording Studio in Nord Hollywood von Nic Forster (Mary Flower, Hot Rize, Etown Music) produziert wurden.

Der ungewöhnlichste und zugleich kürzeste Part der Trilogie ist „Got No Strings“, auf dem Michelle Shocked zehn Walt-Disney-Filmsongs in neue Swing- und Bluegrass-Versionen transferiert. Das klingt nicht nur nach einem reinen Spaßalbum, das in gerade mal drei Tagen eingespielt wurde, es ist auch genau dieses unbefangene halbe Stündchen geworden, das sich Michelle bei der Konzeption vorgestellt hat. Kleine Nummern wie „Give a little whistle“ und „Wish upon a star“ verzaubern den Hörer mit Lap Steel Guitar, Upright Bass, Fiddle, Banjo und Gitarre. Dazu gibt Michelle die charmant, einfühlsame Croonerin. Dass das Album im Vergleich mit den beiden anderen in der Wertung abfällt, liegt an den etwas zu getragenen Arrangements, die die Stimmungskurve auf Dauer zu sehr drücken.

Anspieltipps:

  • Wish upon a star
  • Bare necessities
  • On the front porch
  • Give a little whistle
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