Röyksopp - The Understanding - Cover
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Röyksopp The Understanding


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was zählt, ist der Gesamteindruck und der meistert selbst die größte Erwartungshaltung nach dem tollen Debüt.

Die beiden Norweger Torbjörn Brundtland und Svein Berge haben sich nach ihrem Überraschungserfolg „Melody A.M.“ 4 Jahre Zeit genommen, um nun das ungeduldig erwartete, zweite Werk mit dem Titel „The Understanding“ zu veröffentlichen. War das Debüt noch größtenteils ein Instrumentalalbum mit weittragenden Soundscapes, so gibt sich das Duo nun deutlich eingängiger dem weitläufigen Begriff Pop hin. Torbjörn und Svein greifen wiederholt selbst zum Mikro und sind bereit für den Angriff auf die Clubs. Hinaus aus der Zurückgezogenheit Skandinaviens und ein Stück weit weg von der Verkopftheit des Erstlings.

Bescheidenheit haben die beiden Eigenbrödler nach dem Erfolg von „Melody A.M.“ nicht mehr nötig, wurde und wird es doch als Referenz für individuelle elektronische Musik abseits von Genres gehandelt. Dementsprechend nennen Röyksopp den Auftakt ihres neuen Albums auch gleich „Triumphant“. Ein wahrlich treffender Titel für einen mächtigen Piano-Einstieg und dem folgenden, zu emotionalen Höchstleistungen aufsteigenden Bombast, der nicht als Kitsch missverstanden werden darf. Stets mit Bodenhaftung versehen, greifen die Skandinavier zu den Sternen und werden fündig.

„Only this moment“ sollte in einer guten Welt DER Sommerhit werden. Eingängig werden Kopf und Beine gleichermaßen bedient. Zurückhaltende Beats und angenehm gepitchte Stimmen gehen (bzw. tanzen) mit einem sparsamen und dadurch noch bewegenderen Pianoteil Hand in Hand. Wohltuend und balsamierend ist der Sound von „49 Percent“, der Gesang wie die beruhigen Worte eines guten Freundes. Musik für die Seele und darüber hinaus. Die funkigen Momente in Songs wie „Follow my ruin“ und „Beautiful day without you“ wurden auf dem zweiten Longplayer ausgebaut, nachdem in dieser Hinsicht besonders „Röyksopp´s night out" vom Debüt u.a. bei prominenten Kritikern wie Nick Hornby punkten konnte. Chillig und mit dem Hang zur Melancholie ausgestattet führen sie den Hörer sanft. Kate Havnevik steuert die Vocals zu „What else is there?“ bei und rückt damit (ungewollt?) in die Nähe von Islands Vorzeige-Expressionistin Björk. Gewöhnungsbedürftig sind diese schrägen Momente allerdings im Kontext von Röyksopp. Es bleibt abzuwarten, ob gerade dieser Track den harmonischen Drang auf „The Understanding“ langfristig stört.

Doch was zählt, ist der Gesamteindruck und der meistert selbst die größte Erwartungshaltung nach dem tollen Debüt. Die heimatverbundenen Norweger zelebrieren Leichtigkeit auf höchstem musikalischen Niveau. Ein Album für die schönen Momente und solche, die es werden sollen.

Anspieltipps:

Triumphant
Only this moment
Circuit breaker
Someone like me

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