Static-X - Start A War - Cover
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Static-X Start A War


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Um Individualität oder Einfallsreichtum entsprechenden Anteil zukommen zu lassen, wurde schon so manches neue Genre erfunden. „Evil Disco“ nennt es sich im Falle Static-X, wo seit dem Major-Label-Debüt „Wisconsin Death Trip“ (1999) elektronische Samples gepaart mit Stakkato-Gitarrenriffs und Wayne Static´s hektisch kreischender Stimme aufeinander prallen. Dennoch war die Platte nicht besonders erfolgreich, gab und gibt es doch mit Bands wie Korn, Coal Chamber und Rob Zombie (die Liste ließe sich unendlich weiterführen) etliche Nebenbuhler im Nu-Metal-Tümpel. Nichtsdestotrotz kam zwei Jahre später das Album „Machine“ mit gleichbleibendem Ergebnis auf wirtschaftlicher Ebene heraus. Am Sound hatte sich nicht viel verändert, doch das Quartett machte sich durch den Industrial/Nu-Metal-Crossover einen Namen, der bald eine breite Anhängerschaft mit sich zog, die die Kompromisslosigkeit und Härte der Songs, in denen meist Melodie und lyrische Raffinesse vernachlässigt wurde, schätzte.

2003 wollte die Band endlich aus dem Windschatten von Korn und Konsorten heraustreten und auch kommerziell zu Buche schlagen. Geglättet und melodiös zeigte sich „Shadow Zone“ – und wurde tatsächlich der erhoffte Erfolg. Allerdings machte sich die Kehrseite der Medaille bemerkbar, denn die Static-X Fanveteranen konnten mit dem schon fast an Mainstreamrock grenzenden Machwerk wenig anfangen und wendeten sich ab. Die Band war in der Bredouille: Erfolg und Vorwurf der Kommerzialisierung oder zurück in die zweite Reihe. Sie entschied sich für die dritte Variante und veröffentlichte 2004 eine Raritätenschau, die sich großteils auf die Anfangsphase von Static-X beschränkte, um abgeschreckte Fans wieder zurück ins Boot zu holen. Die Mission schafft es einige vorm Ertrinken zu retten, überzeugt aber nicht gänzlich.

Die Aussicht auf Versöhnung erscheint ein Jahr danach und trägt den Titel „Start A War“. Zurück zu den alten Stärken unter Berücksichtigung der neuen Errungenschaften lautet die Devise. Wie das genau in der Praxis aussieht, hört man gleich am Opener „The Enemy“, der sich den Parental Advisory Banner nicht wegen der üblichen Bedienung der Fäkalsprache, sondern wegen Textzeilen wie „Down Down Down / I´ll destroy you / Kill or be killed“ verdient. Hastige, sich überschlagende Textpassagen und knackige Riffs sind an der Tagesordnung. Dem gleichen Trend folgt auch „I´m The One“, obwohl es dem Track etwas an Brutalität fehlt und daher wohl für „Shadow Zone“-Fans geschrieben wurde. Wesentlich aggressiver geht es mit dem Titeltrack „Start A War“ weiter, wenn Mr. Static im Refrain herrlich „I´ll start a war with it / I´ll start a war with it / I´ll start a war with this fucking emotion“ ins Mikro brüllt und dabei von einem Riffteppich eingehüllt wird. Dass sich das nachfolgende „Pieces“ in der Struktur nur minimal unterscheidet, stört weniger. „Dirthouse“ setzt wieder mehr auf elektronische Begleitung und treibendes Schlagzeug. Danach folgt mit „Skinnyman“, „Just In Case“ (das wohl den Nachfolger der Ballade „So“ stellen soll, aber kläglich durch Einfallslosigkeit vor sich hin scheppert) und „Set It Off“ wieder die Abteilung für Chartrocker.

Doch was ist das? Karl Moik meets Static-X – oder warum taucht plötzlich eine Tuba zu Beginn von „I Want To Fucking Break It“ auf, die einen sofort Gänsehaut in Anbetracht der möglichen Wende dieser Platte über den ganzen Körper treibt? Glücklicherweise schlägt eine E-Gitarre in Koproduktion mit einem Schlagzeug den Aufstand des ländlichen Stadl-Instruments nieder, um es nur mehr zwischen Ruhepausen aufblitzen zu lassen. Anscheinend wird das einer der Tracks sein, der die gespaltene Fangemeinde eint und ermuntert sich beim Gegenüber einzuhaken und im Takt zu schunkeln. Als Nachfolger brettert „Night Terrors“ los, um noch einmal den Aggressionen freien Lauf zu lassen, damit man beim vergessenswerten „Otsego Amigo“ bedenkenlos weiterschalten kann.

„My Damnation“ zeigt zwar, dass der Frontmann mit der ewigen Fönfrisur auch zu singen vermag, im Gesamtwerk beeindruckt der Track aber nicht sehr. Anders hingegen das anfänglich an einen vergessenen Underworld-Song aus einem „Trainspotting“-Soundtrack erinnernde „Brainfog“, das sich im weiteren Verlauf in eine mögliche „Apollo 440“-B-Seite aus vergangenen Zeiten entwickelt und letztendlich als sehr rhythmische Dancerockhymne den Abschluss bietet. Warum als Hidden Track „Otsego Amigo“ in einer A-Capella-Version draufgepackt wurde, ist allerdings ein Rätsel. Dadurch bleibt ein etwas komischer Nachgeschmack im Gehörgang erhalten.

„Start A War” wird es wohl schaffen, den Unmut, den sich die Mannen rund um Wayne Static mit dem vorangegangenen Studioalbum zugezogen haben, etwas zu lindern. Als Ganzes betrachtet wirkt es allerdings auf Grund der Mischung aus schnellen, kompromisslosen Songs und Tracks für den Durschnittsheadbanger inhomogen und hebt sich nur etwas vom Einheitsbrei der heutigen Nu-Metal-Szene ab. Wer die härteren Songs favorisiert, sollte wohl besser zu „Wisconsin Death Trip“ oder „Machine“ greifen.

Anspieltipps:

  • Brainfog
  • Start A War
  • The Enemy
  • I Want To Fucking Break It
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