Nikka Costa - Cantneverdidnothin - Cover
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Nikka Costa Cantneverdidnothin


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Man möge mir die Ausdrucksweise verzeihen, aber die 33jährige Nikka Costa hat dermaßen viel Soul-Funk im Hintern, dass eine Tina Turner (früher), Aretha Franklin (noch früher) und eine Beyoncé Knowles (heute) vor Neid erblassen dürften. Tatsächlich ist es inzwischen eine Seltenheit, dass Frauen in der Popmusik eine derart ungezügelte „badass voice“ an den Tag legen (dürfen), die die allmorgendlichen Radioweckerhörer vor Schreck aus dem Bett kegelt. Nikka Costa gehört dazu – und das nicht nur aus Zufall. Nein, die Tochter des legendären Produzenten, Dirigenten und Komponisten Don Coasta weiß genau was sie will und was sie nicht (mehr) will.

Denn Nikka fing bereits im zarten Alter von acht Jahren mit der Musik an. Sie sang ein paar Singles ein, turnte als Anheizer für The Police vor einigen hunderttausend Fans auf der Bühne in einem Stadion herum und nahm als Teenager (Zitat) „beschissene Songs auf“, weil sie keinen Sinn für ihr eigenes Ich hatte. Als Folge beendete sie das Singen, machte ihren Schulabschluss und begann selber Songs zu schreiben, um herauszufinden, was für eine Künstlerin sie sein wollte. Im Jahr 2001 erschien dann ihr erstes erwachsenes Album „Everybody Got Their Something“, das ihr mit Songs wie „Like a feather“ (bekannt aus dem Tommy Hilfiger Spot) und „Push and pull“ Vergleiche zu Prince und Tina Turner einbrachte. Vier Jahre später folgt „Can’tneverdidnothin’“ – ein funkiger Derwisch von einem Album.

Spielte auf dem letzten Werk noch die Legende Billy Preston als Gaststar, sind es diesmal die alten Strategen Craig Ross und Lenny Kravitz, die den Sound veredeln. Denn wo die beiden mit von der Partie sind, gibt es fast automatisch einen wunderbar warmen Analog-Sound, mit pumpenden Bässen, swingenden Rockgitarren und satten Vocals, die wie in einem Pappkarton aufgenommen klingen („Till I get to you“) zu bestaunen. Pop, Funk, Soul und Rock – die Mischung ist durchgehend sexy und von einem mitreißenden Groove-Sog durchzogen. Da dröhnen die Gitarren (gespielt von Craig Ross) auf kongeniale Weise, während das Schlagzeug (an der Schießbude sitzt Lenny Kravitz) die Kellertreppe hinunterbefördert wird („On & on“). Es zucken die Elektro-Beats („Can’tneverdidnothin’“), und die Percussion flirrt im Nina-Simone-Cover „Funkier than a mosquita’s tweeter“. Das Tempo wird nur ganz selten herausgenommen, etwa wenn in „I gotta know“ ein gefühlvolles Piano zum Einsatz kommt. Doch dann nimmt Nikka wieder Fahrt auf („Around the world“) und gibt sich hypnotischen Grooves hin.

Erst ganz zum Schluss wird es besinnlich, wenn Frau Costa in „Fatherless child“ den Tod ihres Vaters verarbeitet. Bis dahin ist „Can’tneverdidnothin’“ ein Album, das schwitzt, flüstert, schreit und ganz viel Soul hat. Ein echter Sommer-Tipp!

Anspieltipps:

  • On & on
  • Til I get to you
  • Swing it around
  • Funkier than a mosquita’s tweeter
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