Dorfdisko - Viel Zu Stürmisch, Viel Zu Laut - Cover
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Dorfdisko Viel Zu Stürmisch, Viel Zu Laut


  • Label: Motor Music/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
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Hurra, das ehrwürdige Label Motor Music ist wieder da und präsentiert mit der Kölner Band Dorfdisko eines seiner ersten Signings. Nach seinem unrühmlichen Abgang als Geschäftsführer bei Universal Music, ist Tim Renner damit zu seinen Wurzeln zurückgekehrt indem er Motor Music reaktivierte.

1986 stieg Renner als Junior Produktmanager bei Polydor ein und erhielt drei Jahre später die Leitung der neugegründeten Abteilung Polydor Progressive Music. 1994 wurde als neue Tochter des PolyGram-Konzerns die Motor Music GmbH mit Renner als Geschäftsführer gegründet. Er definiert Motor Music heute als „trendstärkste, jenseits des herkömmlichen Mainstreams operierende Firma“. Im Dezember 1998 wurde Renner „President Music“ in der aus der Fusion von PolyGram und Universal hervorgegangenen Universal Music Deutschland. Von Ende 2000 bis Januar 2004 war er Chairman/CEO von Universal Music Deutschland. Im letzten Jahr kehrte er zur „Anlaufstelle für alternative Musikkultur aus Deutschland“ zurück.

Warum jetzt dieser ausschweifende Exkurs zum Thema Motor Music und Tim Renner? Ganz einfach, weil es über die Band Dorfdisko nicht wirklich viel Positives zu vermelden gibt. Daniel Roth (Vocals, Gitarre), Peer Hartnack (Gitarre), Volker Taake (Bass) und Marc Pampus (Schlagzeug) präsentieren auf ihrem Debütalbum „Viel zu stürmisch, viel zu laut“ nämlich das genaue Gegenteil des Albumtitels: Überwiegend schlappen, deutschsprachigen Gitarrenpop mit kaum vorhandenen Hooklines und Lyrics, die Schlagertexten in Nichts nachstehen. Ein paar Beispiele: „Weißt du wie viel Sternlein stehen? Weißt du weiter als ich? Prinzessin läuft Samtschritte, feucht im Blumentau mit lehmigen Füßen durch mein Abendgrau. Worte unhörbar, du mein Klangkörper…“ (aus „12 Stunden Freiheit“). „Wir unter einer Diskokugel, suchen unser Heimatland, das ham’ wir nie benannt. Ihr Herz ist ein Schmetterling ihre Art unvergesslich, wenn nachts die Vögel singen, denk ich an dich, oh ja“ (aus „Adieu, Adieu“). „Sagste nix, dann halt den Mund. Biste krank, dann werd gesund. Alles geht ja mal vorbei, doch heut Nacht gibt es nur uns zwei“ (aus „Schreien wir zusammen“). „Wo bist du nur mein Schatz. So weit ich schau, nur Morgengrau. Er im Wald. Bin doch der Blumenspur gefolgt. Jetzt steh ich hier und nich bei ihr. Er ist futsch, sie ist da, genau da, wo er ja war“ (aus „Wo bist du nur?“). „Jaja wunderbar. Schein, schein große Stadt. Ess, fress sie alle auf. Wir lieben, wir leben das. Hier sind wir zuhaus“ (aus „Wunderbar“).

Oha, ganz schwerer Hartmut-Engler-Alarm! Und das – wie gesagt – nicht nur aufgrund der Texte. Sänger Daniel Roth singt auch noch so wie die Schwäbische Wuchtbrumme aus Bietigheim („Adieu, Adieu“). Damit werden selbst im Kern gute Songs wie „Unterwegs“, „Bald vorbei“ und „12 Stunden Freiheit“ mit zunehmender Spieldauer verwässert und ins Schlagermilieu umgeleitet. Dabei geht es den Kölnern doch „um die Rettung der deutschsprachigen Rockmusik, um zeitgemäße Texte, um Haltung und Position“. Dieses Ziel haben die Jungs von Dorfdisko leider verfehlt. Dabei stand ihnen mit Ekki Maas (Erdmöbel, PeterLicht) einer der innovativsten deutschen Produzenten zur Seite. Den hätte es allerdings nicht gebraucht, nur um eine Indiepop-Ausgabe von Pur ins Leben zu rufen.

Anspieltipps:

  • Unterwegs
  • Bald vorbei
  • 12 Stunden Freiheit
  • Laß uns Helden sein
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