Depeche Mode - Playing The Angel - Cover
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Depeche Mode Playing The Angel


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Playing The Angel“ zählt zu den besseren Alben einer Band zählt, die zwar keine kommerziellen Flops kennt, aber künstlerisch schon den einen oder anderen kleinen Durchhänger hatte.

Diesen fröhlichen Ratespaß sollten sich alle Hörer des neuen Depeche-Mode-Albums unbedingt gönnen: Welche der 12 Tracks auf „Playing The Angel” stammen aus der Feder von Sänger Dave Gahan, der erstmals in der 25-jährigen Geschichte der Band eigene Songs beisteuern durfte. Es sind zwar nur drei, aber in Anbetracht der diktatorischen Führung von Mastermind Martin L. Gore erscheint dies als kleine Sensation. Eine Sensation, mit der das Fortbestehen der Band gerettet wurde...

Als Dave Gahan und Martin L. Gore vor zwei Jahren im Abstand von vier Wochen ihre Soloalben „Paper Monsters“ (Gahan) und „Counterfeit 2“ (Gore) auf den Markt brachten, standen die Zeichen auf Krieg. Gahan nutzte jedes Interview, um über seine missachteten Songwriterfähigkeiten innerhalb der Band zu lästern und sendete deutliche Signale, dass er dies zukünftig nicht mehr tolerieren würde. Er hätte nun bewiesen, dass er es könne und wollte ab sofort am Songwritingprozess beteiligt werden.

Gore nahm dies mehr oder weniger gleichgültig zur Kenntnis, war dann aber ziemlich erstaunt, als Gahan beim ersten Bandtreffen für das neue Album satte 15 Demos dabei hatte. Er selbst hatte gerade mal eine Handvoll Songs geschrieben. Doch während des gemeinsamen Workshops in Santa Barbara drehte sich das Ruder. In wenigen Wochen wurden mehr als ein Dutzend Songs eingespielt. Mehr als die Band auf das Album nehmen wollte. Um sich nicht in die Haare zu bekommen, welche Stücke nicht berücksichtigt würden, musste Produzent Ben Hillier (U2, Doves, Elbow, Blur, Erasure) in die Bresche springen und die Auswahl übernehmen. Dabei blieben lediglich drei Songs von Dave Gahan übrig: „Suffer well“, „I want it all“ und „Nothing is impossible“.

Die Stücke von Martin Gore bewegen sich natürlich wieder in dunklen Gefilden. Liebe, Schmerz, Leid, Hass, Sehnsucht und ein bisschen Sado-Maso. Damit beginnt auch das Album und rüttelt den Hörer sofort wach. „A pain that I’m used to“ – ein Song, der erst nach einem halben Dutzend Versuchen im Kasten war – kreischt lärmend aus den Boxen, verfällt dann in einen bedrohlichen Bassgroove, dem Gore seine typischen Gitarrenriffs beimengt und mündet am Ende dennoch irgendwie in eine großartige Melodie. So einen Paukenschlag haben wir seit „Violator“ (1990) nicht mehr von den Engländern gehört! Die erste Singleauskopplung „Precious“ schmeichelt dem Ohr dagegen mit einem schönen, radiotauglichen Arrangement. Echtes Opium fürs Volk.

„John the relevator“ ist ein knarzender Elektro-Blues mit pluckernden Synthies und peitschenden Drum-Hieben. „Suffer well“ wird durch treibende Laser-Beats und ein geheimnisvolles Gitarrenthema befeuert, während „The sinner in me“ mit einem schleppenden Rhythmus und Break-Beat-Elementen experimentiert. Etwas schwächer fällt dagegen der Gahan-Song „I want it all“ aus, der als düstere Halbballade nichts Neues bietet. Zum Ende leitet das instrumentale Kurzstück „Introspectre“ in das schaurig-schöne „Damaged people“, das von dem eingängigen Elektro-Popper „Lilian“ gefolgt wird, ehe das Album mit dem gespenstischen „The darkest star“ ausklingt.

Bis dahin steht längst fest, dass „Playing The Angel“ zu den besseren Alben einer Band zählt, die zwar keine kommerziellen Flops kennt, aber künstlerisch schon den einen oder anderen kleinen Durchhänger hatte.

Anspieltipps:

  • Lilian
  • The darkest star
  • John the revelator
  • A pain that I’m used to
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