Björk - Soundtrack: Drawing Restraint 9 - Cover
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Björk Soundtrack: Drawing Restraint 9


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die isländische Ausnahmekünstlerin Björk Gudmundsdottir greift nach ihrem Vokalakrobatik-Album “Medúlla“ noch weiter zu den Sternen und begibt sich auf den Pfad der Filmmusik. Zu dieser neuen Herausforderung kam sie durch ihren amerikanischen Lebensgefährten Matthew Barney, dessen neuer Film „Drawing Restraint 9“ noch die musikalische Untermalung benötigte, zumal sein Streifen komplett ohne Dialoge auskommt. Für isländische Verhältnisse eher eingängig hören wir in dem Opener „Gratitude“ ein verspieltes Keyboard, welches von leichtem Harfenklang und der Stimme Will Oldhams begleitet wird. Gerade dieser Will Oldham, der immer wieder für einen Gastauftritt gut ist, gibt diesem Song eine zerbrechliche und schöne Stimmung. Wenn er zum Ende des Tracks gar mit einem Kinderchor singt, möchte man ungehemmt einer Träne ihre Freiheit gönnen.

Erinnerungen an das letzte Björk-Album „Medúlla“ werden in „Pearl“ wach. Hier werden fast ausschließlich Stimmen im Auftrag der Musik eingesetzt und der Atem wird zum Beat. Auch wenn man zeitweise Schwierigkeiten hat, dem roten Harmoniefaden zu folgen, kann man zart in diese unkonventionelle Musik eintauchen. Als federführendes Instrument erstrahlt bei „Ambergris march“ das Glockenspiel, welches eine kindlich naive Stimmung erzeugt und einen beherzten Marsch inszeniert. Gerade weil Björk auf dem Album die meiste Zeit „nur“ als Songschreiberin in Erscheinung tritt, freut man sich über ihre stimmliche Präsenz in „Bath“ und „Storm“. Spärlich instrumentiert ist ersterer eine sehr meditative Angelegenheit, doch in der Stimme der Isländerin befindet sich ohnehin ausreichend Attraktivität, so dass es zu einer Faszination wird, ihrem Organ zu lauschen. „Storm“ ist von schemenhaften, elektronischen Soundscapes umgeben, die zeitweise dezent krachig an die Oberfläche treten.

Nach schummrig schönen Szenarien wird es in dem von Matthew Barney im Alleingang geschriebenen „Holographic entrypoint“ allerdings auch für geübte Musikhörer schwer, nicht die Skip-Taste aufzusuchen. Was Shiro Nomura da mit seiner Stimme macht, ist eine echte Herausforderung für die Nervenbahnen. Ohne erkennbaren Zusammenhang (der sich vielleicht mit Hilfe der optischen Umsetzung erschließt) leidet der Herr auf höchst abstrakte Weise. Zum Glück erfolgt die Rettung durch „Cetacea“ und sanftmütige Percussions. Björk erhebt ein weiteres Mal ihre Stimme über den schmalen Klangteppich, der im letzten Track sakrale Züge annimmt und die Zeremonie beendet.

Man hat es in 52 Minuten größtenteils mit fragmentarischen Momenten zu tun, die mit zurückhaltendem Einfluss von japanischer Musik einhergehen. Die Schönheit zeichnet sich durch Fragilität aus und erklimmt den Höhepunkt, wenn wir die Stimme Björks vernehmen. Allerdings wird der positive und viele Entdeckungsreisen fordernde Eindruck durch „Holographic entrypoint“ geschmälert.

Anspieltipps:

  • Storm
  • Gratitude
  • Ambergris march
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